Leonardo da Vinci, A Memory of His Childhood  

From The Art and Popular Culture Encyclopedia

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"The mistranslation of nibio by Herzfeld (1906) as geier ("vulture") would be central to Freud's reconstruction [in "Leonardo da Vinci, A Memory of His Childhood"] of the screen memory of the feared orally sadistic mother. "Questo scriversi distintamente del nibio che sia mia destino" (Freud 1910, ..." --Lives, Events, and Other Players: Directions in Psychobiography (1981) by Joseph T. Coltrera

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Train wreck at Montparnasse (October 22, 1895) by Studio Lévy and Sons.
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Train wreck at Montparnasse (October 22, 1895) by Studio Lévy and Sons.

Leonardo da Vinci, A Memory of His Childhood (German: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci) is a 1910 booklet by Sigmund Freud in which he psychoanalyzes the Leonardo painting The Virgin and Child with St. Anne juxtaposed to Leonardo's notebooks.

Concluding on Leonardo's supposed homosexuality Freud said that Leonardo was chaste for most of his life, but did manifest a latent homosexuality.

Contents

The vulture fantasy

In the Codex Atlanticus Leonardo recounts being attacked as an infant in his crib by a bird.

Freud cites the passage as: (translated by Abraham Brill 1916.

“It seems that it had been destined before that I should occupy myself so thoroughly with the vulture, for it comes to my mind as a very early memory, when I was still in the cradle, a vulture came down to me, he opened my mouth with his tail and struck me a few times with his tail against my lips.” (Freud's original German: «Es scheint, daß es mir schon vorher bestimmt war, mich so gründlich mit dem Geier zu befassen, denn es kommt mir als eine ganz frühe Erinnerung in den Sinn, als ich noch in der Wiege lag, ist ein Geier zu mir herabgekommen, hat mir den Mund mit seinem Schwanz geöffnet und viele Male mit diesem seinen Schwanz gegen meine Lippen gestoßen.» - Note 2: «Questo scriver si distintamente del nibio par che sia mio destino, perchè nella mia prima ricordatione della mia infantia e' mi parea che, essendo io in culla, che un nibio venissi a me e mi aprissi la bocca colla sua coda e molte volte mi percuotesse con tal coda dentro alle labbra.» (Cod. atlant.)

According to Freud, this was a childhood fantasy based on the memory of sucking his mother's nipple. He backed up his claim with the fact that Egyptian hieroglyphs represent the mother as a vulture, because the Egyptians believed that there are no male vultures and that the females of the species are impregnated by the wind. In most representations the vulture-headed maternal deity was formed by the Egyptians in a phallic manner, her body which was distinguished as feminine by its breasts also bore the penis in a state of erection.

Unfortunately, the mistranslation "Geier" (vulture), which Maria Herzfeld had used for "nibio" in 1904 in the first edition of her book Leonardo da Vinci, der Denker, Forscher und Poet, was not exactly the kite Leonardo da Vinci had meant: a small hawk-like bird of prey, common in the Vinci area, which is occasionally a scavenger. This disappointed Freud because, as he confessed to Lou Andreas-Salomé in a letter of 9 February 1919, he regarded the Leonardo essay as "the only beautiful thing I have ever written". The psychologist Erich Neumann, writing in Art and the Creative Unconscious, attempted to repair the theory by incorporating the kite.

Interpretation of The Virgin and Child with St. Anne

Another theory proposed by Freud attempts to explain Leonardo's fondness of depicting the Virgin Mary with St. Anne in the picture The Virgin and Child with St. Anne. Leonardo, who was illegitimate, was raised by his blood mother initially before being "adopted" by the wife of his father Ser Piero. The idea of depicting the Mother of God with her own mother was therefore particularly close to Leonardo's heart, because he, in a sense, had 'two mothers' himself. It is worth noting that in both versions of the composition (the Louvre painting and the London cartoon) it is hard to discern whether St. Anne is a full generation older than Mary.

Full German text

SCHRIFTEN ZUR ANGEWANDTEN SEELENKUNDE

HERAUSGEGEBEN VON PROF. DR. SIGM. FREUD SIEBENTES HEFT.


EINE KINDHEITSERINNERUNG DES LEONARDO DA VINCI


VON


SIGM. FREUD

IN WIEN.


MIT EINEM TITELBILD


LEIPZIG und WIEN 1910

KRAUS REPRINT

Nendeln/ Liechtenstein

1970


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— fn.


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Wenn die seelenärztliche Forschung, die sich sonst mit schwächlichem Menschenmaterial begnügt, an einen der Großen des Menschengeschlechtes herantritt, so folgt sie dabei nicht den Motiven, die ihr von den Laien so häufig zugeschoben werden. Sie strebt nicht danach, >das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen« ; es bereitet ihr keine Befriedigung, den Abstand zwischen jener Vollkommen- heit und der Unzulänglichkeit ihrer gewöhnlichen Objekte zu verringern. Sondern sie kann nicht anders, als alles des Ver- ständnisses wert finden, was sich an jenen Vorbildern erkennen läßt, und sie meint, es sei niemand so groß, daß es für ihn eine Schande wäre, den Gesetzen zu unterliegen, die normales und krankhaftes Tun mit gleicher Strenge beherrschen.

Als einer der größten Männer der italienischen Re- naissance ist Leonardo da Vinci (1452 — 1519) schon von den Zeitgenossen bewundert worden und doch bereits ihnen rätselhaft erschienen, wie auch jetzt noch uns. Ein allseitiges Genie, »dessen Umrisse man nur ahnen kann, — nie ergrün- den,« 1 ) übte er den maßgebendsten Einfluß auf seine Zeit als Maler aus; erst uns blieb es vorbehalten, die Größe des Natur- forschers zu erkennen, der sich in ihm mit dem Künstler ver- band. Wenngleich er Meisterwerke der Malerei hinterlassen, während seine wissenschaftlichen Entdeckungen unveröffent- licht und unverwertet blieben, hat doch in seiner Entwicklung der Forscher den Künstler nie ganz frei gelassen, ihn oft- mals schwer beeinträchtigt und ihn vielleicht am Ende unter- drückt. Vasari legt ihm in seiner letzten Lebensstunde

') Nach dein Worte J. Burckhardts, zitiert bei Alexandra Kon- stantinowa, Die Entwicklung des Madonnen typus bei Leonardo da Vinci, Straßburg 1907 (Zur Kunstgeschichte des Auslandes, Heft 54).

Freud, Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci. 1


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EIKE KI2n)HEIT8ERI5NERrNG


den Selbst Vorwurf in den Hund, daß er Gott und die Menschen beleidigt, indem er in seiner Kunst nicht seine Pflicht getan. 1 ) Und wenn auch diese Erzählung Vasaris weder die äußere noch viel innere Wahrscheinlichkeit für sich hat, sondern der Legende angehört, die sich um den geheimnisvollen Meister schon zu seinen Lebzeiten zu bilden begann, so verbleibt ihr doch als Zeugnis für das Urteil jener Menschen und jener Zeiten ein unbestreitbarer Wert.

Was war es, was die Persönlichkeit Leonardos dem Ver- ständnis seiner Zeitgenossen entrückte? Gewiß nicht die Viel- seitigkeit seiner Anlagen und Kenntnisse, die ihm gestattete, sich am Hofe desLodovico Sforza, zubenannt il Moro, Herzogs von Mailand, als Lautenspieler auf einem von ihm neugeformten Instrumente einzuführen oder ihn jenen merk- würdigen Brief an eben denselben schreiben ließ, in dem er sich seiner Leistungen als Bau- und Kriegsingenieur berühmte. Denn an solche Vereinigung vielfältigen Könnens in einer Person waren die Zeiten der Renaissance wohl gewöhnt; allerdings war Leonardo selbst eines der glänzendsten Bei- spiele dafür. Auch gehörte er nicht jenem Typus genialer Menschen an, die, von der Natur äußerlich karg bedacht, ihrerseits keinen Wert auf die äußerlichen Formen des Lebens legen und in der schmerzlichen Verdüsterung ihrer Stimmung den Verkehr der Menschen fliehen. Er war vielmehr groß und ebenmäßig gewachsen, von vollendeter Schönheit des Gesichtes und von ungewöhnlicher Körperkraft, bezaubernd in den Formen seines Umgangs, ein Meister der Rede, heiter und liebenswürdig gegen alle; er liebte die Schön- heit auch an den Dingen, die ihm umgaben, trug gern prunkvolle Gewänder und schätzte jede Verfeinerung der Lebensführung. In einer für seine heitere Genußfähigkeit bedeutsamen Stelle des Traktats über Malerei 1 ) hat er die Malerei

') »Egli per reverenza, rizzatosi a seJere sul letto, contando il mal suo e gli accidenti di qaello, mostrava tuttavia quanto aveva offeso Dio e gli uotnini del mondo, non avcndo operato neu* arte come si convenia.«  Vasari, Vit« etc. LXXXII1. 1550—1584.

  • ) Traktat von der Malerei, neu herausgegeben und eingeleitet von

Marie Herzfeld, E. Diedericha, Jena 1909.


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DES LEONARDO DA VINCI.


mit ihren Schwesterkünsten verglichen und die Beschwerden der Arbeit des Bildhauers geschildert : »Da hat er das Ge- sicht ganz beschmiert und mit Marmorstaub eingepudert, so daß er wie ein Bäcker ausschaut, und ist mit kleinen Marmor- splittern über und über bedeckt, daß es aussieht, als hätte es ihm auf den Buckel geschneit, und seine Behausung, die ist voll Steinsplitter und Staub. Ganz das Gegenteil von alle diesem ist beim Maler der Fall, — . . . . denn der Maler sitzt mit großer Bequemlichkeit vor seinem Werke, wohlge- kleidet, und regt den ganz leichten Pinsel mit den anmutigen Farben. Mit Kleidern ist er geschmückt, wie es ihm gefällt. Und seine Behausung, die ist voll heiterer Malereien und glänzend reinlich. Oft hat er Gesellschaft, von Musik, oder von Vorlesern verschiedener schöner Werke, und das wird ohne Hammergedröhn oder sonstigen Lärm mit großem Vergnügen angehört.« 

Es ist ja sehr wohl möglich, daß die Vorstellung eines strahlend heiteren und genußfrohen Leonardo nur für die erste, längere Lebensperiode des Meisters recht hat. Von da an, als der Niedergang der Herrschaft des Lodovico Moro ihn zwang, Mailand, seinen Wirkungskreis und seine ge- sicherte Stellung zu verlassen, um ein unstetes, an äußeren Erfolgen wenig reiches Leben bis zum letzten Asyl in Frank- reich zu führen, mag der Glanz seiner Stimmung verblichen und mancher befremdliche Zug seines Wesens stärker hervorgetreten sein. Auch die mit den Jahren zunehmende Wendung seiner Interessen von seiner Kunst zur Wissenschaft mußte dazu beitragen, die Kluft zwischen seiner Person und seinen Zeit- genossen zu erweitern. Alle die Versuche, mit denen er nach ihrer Meinung seine Zeit vertrödelte, anstatt emsig auf Be- stellung zu malen und sich zu bereichern, wie etwa sein ehemaliger Mitschüler Perugin o, erschienen ihnen als grillen- hafte Spielereien oder brachten ihn selbst in den Verdacht, der »schwarzen Kunst« zu dienen. Wir verstehen ihn hierin besser, die wir aus seinen Aufzeichnungen wissen, welche Künste er übte. In einer Zeit, welche die Autorität der Kirche mit der der Antike zu vertauschen begann und voraus-


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EINE KINDHEITSERINNERUNG


setzungslose Forschung noch nicht kannte, war er, der Vor- läufer, ja ein nicht unwürdiger Mitbewerber von Bacon und Kopernikus, notwendig vereinsamt. Wenn er Pferde- und Menschenleichen zerlegte, Flugapparate baute, die Ernährung der Pflanzen und ihr Verhalten gegen Gifte studierte, rückte er allerdings weit ab von den Kommentatoren des Aristoteles und kam in die Nähe der verachteten Alchymisten, in deren Laboratorien die experimentelle Forschung wenigstens eine Zuflucht während dieser ungünstigen Zeiten gefunden hatte.

Für seine Malerei hatte dies die Folge, daß er ungern den Pinsel zur Hand nahm, immer weniger und seltener malte, das Angefangene meist unfertig stehen ließ und sich um das weitere Schicksal seiner Werke wenig kümmerte. Das war es auch, was ihm seine Zeitgenossen zum Vorwurf machten, denen sein Verhältnis zur Kunst ein Rätsel blieb.

Mehrere der späteren Bewunderer Leonardos haben es versucht, den Makel der Unstetigkeit von seinem Charakter zu tilgen. Sie machen geltend, daß das, was man an Leonardo tadle, Eigentümlichkeit der großen Künstler überhaupt sei. Auch der tatkräftige, sich in die Arbeit verbeißende Michel Angelo habe viele seiner Werke unvollendet gelassen, und es sei so wenig seine Schuld gewesen wie die Leonardos im gleichen Falle. Auch sei so manches Bild nicht so sehr un- fertig geblieben, als von ihm dafür erklärt worden. Was dem Laien schon ein Meisterwerk scheine, das sei für den Schöpfer des Kunstwerkes immer noch eine unbefriedigende Verkörperung seiner Absichten; ihm schwebe eine Vollkommenheit vor, die er im Abbild wiederzugeben jedesmal verzage. Am wenigsten ginge es aber an, den Künstler für das endliche Schicksal ver- antwortlich zu machen, das seine Werke träfe.

So stichhaltig manche dieser Entschuldigungen auch sein mögen, so decken sie doch nicht den ganzen Sachverhalt, der uns bei Leonardo begegnet. Das peinliche Ringen mit dem Werke, die endliche Flucht vor ihm und die Gleichgültigkeit gegen sein weiteres Schicksal mag bei vielen anderen Künstlern wiederkehren ; gewiß aber zeigte Leonardo dies Benehmen im


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DES LEONARDO DA VINCI.


höchsten Grade. Edm. Solmi 1 ) zitiert (p. 12) die Äußerung eines seiner Schüler: »Pareva, che ad ogni ora tremasse, quando si poneva a dipingere, e perö non diede mai fine ad alcuna cosa cominciata, considerando la grandezza dell' arte, tal che egli scorgeva errori in quelle cose, che ad altri pare- vano miracoli.< Seine letzten Bilder, die Leda, die Madonna di Sant' Onofrio, der Bacchus und der San Giovanni Battista giovane seien unvollendet geblieben »come quasi intervenne di tutte le cose sue . . . .« Lomazzo, 2 ) der eine Kopie des Abendmals anfertigte, berief sich auf die bekannte Unfähig- keit Leonardos, etwas fertig zu malen, in einem Sonett :

  • Protogen che il penel di sue pitture

Non levava, agguaglio il Vinci Divo, Di cui opra non e finita pure.« 

Die Langsamkeit, mit welcher Leonardo arbeitete, war sprichwörtlich. Am Abendmal im Kloster zu Santa Maria delle Grazie zu Mailand malte er nach den gründlichsten Vor- studien drei Jahre lang. Ein Zeitgenosse, der Novellenschreiber Matteo Bandelli, der damals als junger Mönch dem Kloster angehörte, erzählt, daß Leonardo häufig schon früh am Morgen das Gerüst bestiegen habe, um bis zur Dämmerung den Pinsel nicht aus der Hand zu legen, ohne an Essen und Trinken zu denken. Dann seien Tage verstrichen, ohne daß er Hand daran anlegte, bisweilen habe er stundenlang vor dem Ge- mälde verweilt und sich damit begnügt, es innerlich zu prüfen. Andere Male sei er aus dem Hofe des Mailänder Schlosses, wo er das Modell des Reiterstandbildes für Francesco Sforza formte, geradewegs ins Kloster gekommen, um ein paar Pinsel- striche an einer Gestalt zu machen, dann aber unverzüglich aufgebrochen. 8 ) An dem Porträt der Monna Lisa, Gemahlin des Florentiners Francesco del Giocondo, malte er nach Vasaris Angabe vier Jahre lang, ohne es zur letzten Vollendung

l ) Solmi. La resurrezione dell' opera di Leonardo in dem Sammel- werk : Leonardo da Vinci. Conferenze Fiorentine. Milano 1910.

  • ) Bei Scognamiglio. Ricerche e Documenti sulla giovinezza di

Leonardo da Vinci. Napoli 1900.

•) W. v. Seidlitz. Leonardo da Vinci, der Wendepunkt der Re- naissance, 1909, I. Bd., p. 203.


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EINE KINDHEITSERINNERUNG


bringen zu können, wozu auch der Umstand stimmen mag, daß das Bild nicht dem Besteller abgeliefert wurde, sondern bei Leonardo verblieb, der es nach Frankreich mitnahm. 1 ) Von König Franz I. angekauft, bildet es heute einen der größten Schätze des Louvre.

Wenn man diese Berichte über die Arbeitsweise Leonardos mit dem Zeugnis der außerordentlich zahlreich von ihm er- haltenen Skizzen und Studienblätter zusammenhält, die jedes in seinen Bildern vorkommende Motiv auf das Vielfältigste variieren, so muß man die Auffassung weit von sich weisen, als hätten Züge von Flüchtigkeit und Unbeständigkeit den mindesten Einfluß auf Leonardos Verhältnis zu seiner Kunst gewonnen. Man merkt im Gegenteile eine ganz außerordent- liche Vertiefung, einen Reichtum an Möglichkeiten, zwischen denen die Entscheidung nur zögernd gefällt wird, Ansprüche, denen kaum zu genügen ist, und eine Hemmung in der Aus- führung, die sich eigentlich auch durch das notwendige Zurück- bleiben des Künstlers hinter seinem idealen Vorsatz nicht erklärt. Die Langsamkeit, die an Leonardos Arbeiten von jeher auffiel, erweist sich als ein Symptom dieser Hemmung, als der Vorbote der Abwendung von der Malerei, die später eintrat. 8 ) Sie war es auch, die das nicht unverschuldete Schicksal des Abendmals bestimmte. Leonardo konnte sich nicht mit der Malerei al fresko befreunden, die ein rasches Arbeiten, solange der Malgrund noch feucht ist, erfordert, darum wählte er Ölfarben, deren Eintrocknen ihm gestattete, die Vollendung des Bildes nach Stimmung und Muße hinaus- zuziehen. Diese Farben lösten sich aber von dem Grunde, auf dem sie aufgetragen wurden, und der sie von der Mauer isolierte; die Fehler dieser Mauer und die Schicksale des Raumes kamen hinzu, um die, wie es scheint, unabwendbare Verderbnis des Bildes zu entscheiden. 3 )

") v. Seidlitz 1. c, II. Bd., p. 48.

  • ) W. Pater. Die Renaissance. Aus dem Englischen. Zweite Auflage 1906.

»Doch sicher ist es, daß er in einem gewissen Abschnitt seines Lebens beinahe aufgehört hatte, Künstler zu sein.« 

  • ) Vgl. bei v. Seidlitz, Bd. I die Geschichte der Restauration*- und

Rettungsversuche


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Durch das Mißglücken eines ähnlichen technischen Ver- suches scheint das Bild der Reiterschlacht bei Anghiari unter- gegangen zu sein, das er später in einer Konkurrenz mit Michel Angelo an eine Wand der Sala del Consiglio in Florenz zu malen begann und auch im unfertigen Zustand im Stiche ließ. Es ist hier, als ob ein fremdes Interesse, das des Ex- perimentators, das künstlerische zunächst verstärkt habe, um dann das Kunstwerk zu schädigen.

Der Charakter des Mannes Leonardo zeigte noch manche andere ungewöhnliche Züge und anscheinende Widersprüche. Eine gewisse Inaktivität und Indifferenz schien an ihm unver- kennbar. Zu einer Zeit, da jedes Individuum den breitesten Raum für seine Betätigung zu gewinnen suchte, was nicht ohne Entfaltung energischer Aggression gegen andere abgehen kann, fiel er durch ruhige Friedfertigkeit, durch Vermeidung aller Gegnerschaften und Streitigkeiten auf. Er war mild und gütig gegen alle, lehnte angeblich die Fleischnahrung ab, weil er es nicht für gerechtfertigt hielt, Tieren das Leben zu rauben, und machte sich einen besonderen Genuß daraus, Vögeln, die er auf dem Markte kaufte, die Freiheit zu schenken. 1 ) Er verurteilte Krieg und Blutvergießen und hieß den Menschen nicht so sehr den König der Tierwelt als vielmehr die ärgste der wilden Bestien. 2 ) Aber diese weibliche Zartheit des Emp- findens hielt ihn nicht ab, verurteilte Verbrecher auf ihrem Wege zur Hinrichtung zu begleiten, um deren von Angst ver- zerrte Mienen zu studieren und in seinem Taschenbuche ab- zuzeichnen, hinderte ihn nicht, die grausamsten Angriffswaffen zu entwerfen und als oberster Kriegsingenieur in die Dienste des Cesare Borgia zu treten. Er erschien oft wie indifferent gegen Gut und Böse, oder er verlangte mit einem besonderen Maße gemessen zu werden. In einer maßgebenden Stellung machte er den Feldzug des Cesare mit, der diesen rücksichts-


l ) E. Müntz. Leonard de Vinci. Paris 1899, p. 18. (Ein Brief eines Zeitgenossen aus Indien an einen Medici spielt auf diese Eigentümlichkeit Leonardos an. Nach Richter: The literary Works of L. d. V.)

  • ) F. Botazzi. Leonardo biologo e anatomico. In Conferenze fior-

entine, p. 186, 1910.


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EINE KINDHEITSERINNERUNG


losesten und treulosesten aller Gegner in den Besitz der Romagna brachte. Nicht eine Zeile der Aufzeichnungen Leonardos verrät eine Kritik oder Anteilnahme an den Vor- gängen jener Tage. Der Vergleich mit Goethe während der Campagne in Frankreich ist hier nicht ganz abzuweisen.

Wenn ein biographischer Versuch wirklich zum Verständ- nis des Seelenlebens seines Helden durchdringen will, darf er nicht, wie dies in den meisten Biographien aus Diskretion oder aus Prüderie geschieht, die sexuelle Betätigung, die ge- schlechtliche Eigenart des Untersuchten mit Stillschweigen übergehen. Was hierüber bei Leonardo bekannt ist, ist wenig, aber dieses wenige bedeutungsvoll. In einer Zeit, die schran- kenlose Sinnlichkeit mit düsterer Askese ringen sah, war Leo- nardo ein Beispiel von kühler Sexualablehnung, die man beim Künstler und Darsteller der Frauenschönheit nicht erwarten würde. Solmi 1 ) zitiert von ihm folgenden Satz, der seine Frigidität kennzeichnet : >Der Zeugungsakt und alles, was da- mit in Verbindung steht, ist so abscheulich, daß die Menschen bald aussterben würden, wäre es nicht eine althergebrachte Sitte und gäbe es nicht noch hübsche Gesichter und sinnliche Veranlagungen.^ Seine hinterlassenen Schriften, die ja nicht nur die höchsten wissenschaftlichen Probleme behandeln, son- dern auch Harmlosigkeiten enthalten, welche uns eines so großen Geistes kaum würdig erscheinen (eine allegorische Naturgeschichte, Tierfabeln, Schwanke, Prophezeiungen 2 ) sind in einem Grade keusch — man möchte sagen : abstinent — , der an einem Werke der schönen Literatur auch heute Wun- der nehmen würde. Sie weichen allem Sexuellen so entschie- den aus, als wäre allein der Eros, der alles Lebende erhält, kein würdiger Stoff für den Wissensdrang des Forschers. 3 ) Es


  • ) E. Solmi. Leonardo da Vinci. Deutsche Übersetzung von Emmi

Hirschberg. Berlin 1908.

■j Marie Herzfeld, Leonardo da Vinci der Denker, Forscher und Poet. Zweite Auflage. Jena 1906.

3 ) Vielleicht machen hier die von ihm gesammelten Schwanke — belle facezie, — die nicht übersetzt vorliegen, eine, übrigens belanglose, Ausnahme. Vgl. Herzfeld, L. d. V., p. CLL


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DES LEONARDO DA VINCI.


ist bekannt, wie häufig große Künstler sich darin gefallen, ihre Phantasie in erotischen und selbst derb obszönen Dar- stellungen auszutoben ; von Leonardo besitzen wir zum Gegen- satze nur einige anatomische Zeichnungen über die inneren Genitalien des Weibes, die Lage der Frucht im Mutterleibe u. dgl.

Es ist zweifelhaft, ob Leonardo jemals ein Weib in Liebe umarmt hat ; auch von einer intimen seelischen Beziehung zu einer Frau, wie die Michel Angelos zur Vittoria Colonna, ist nichts bekannt. Als er noch als Lehrling im Hause seines Meisters Verrocchio lebte, traf ihn mit anderen jungen Leuten eine Anzeige wegen verbotenen homosexuellen Umganges, die mit seinem Freispruch endete. Es scheint, daß er in diesen Verdacht geriet, weil er sich eines übel beleumundeten Kna- ben als Modells bediente. 1 ) Als Meister umgab er sich mit schönen Knaben und Jünglingen, die er zu Schülern annahm. Der letzte dieser Schüler, Francesco Melzi, begleitete ihn nach Frankreich, blieb bis zu seinem Tode bei ihm und wurde von ihm zum Erben eingesetzt. Ohne die Sicherheit seiner modernen Biographen zu teilen, die die Möglichkeit eines se- xuellen Verkehres zwischen ihm und seinen Schülern natürlich als eine grundlose Beschimpfung des großen Mannes verwerfen, mag man es für weitaus wahrscheinlicher halten, daß die zärt- lichen Beziehungen Leonardos zu den jungen Leuten, die nach damaliger Schülerart sein Leben teilten, nicht in geschlecht- liche Betätigung ausliefen. Man wird ihm auch von sexueller Aktivität kein hohes Maß zumuten dürfen.

Die Eigenart dieses Gefühls- und Geschlechtslebens läßt sich im Zusammenhalt mit Leonardos Doppelnatur als Künst- ler und Forscher nur in einer Weise begreifen. Von den Bio- graphen, denen psychologische Gesichtspunkte oft sehr ferne liegen, hat meines Wissens nur einer, Edm. Solmi, sich der Lösung des Rätsels genähert ; ein Dichter aber, der Leonardo zum Helden eines großen historischen Romans gewählt hat,


') Auf diesen Zwischenfall bezieht sich nach Scognamiglio (1. c, p. 49) eine dunkle und selbst verschieden gelesene Stelle des Codex Atlanticus: »Quando io feci Domeneddio putto voi mi metteste in prigione, ora s'io lo fo grande, Toi mi farete peggio.« 


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10 EINE KINDHE1T8ERIXXERUNO

Dmitry Sergewitsch Mereschkowski, hat seine Dar- stellung auf solches Verständnis des ungewöhnlichen Mannes gegründet und seine Auffassung, wenn auch nicht in dürren Worten, so doch nach der Weise des Dichters in plastischem Ausdruck unverkennbar geäußert. 1 ) Solmi urteilt über Leo- nardo: »Aber das unstillbare Verlangen, alles ihn Umgebende zu erkennen und mit kalter Überlegenheit das tiefste Geheim- nis alles Vollkommenen zu ergründen, hatte Leonardos Werke dazu verdammf, stets unfertig zu bleiben.« 2 ) In einem Aufsatze der Conferenze Fiorentine wird die Äußerung Leonar- dos zitiert, die sein Glaubensbekenntnis und den Schlüssel zu seinem Wesen ausliefert :

»Xessuna cosa si puö amare nö odiare, se prima non si ha Cognition di quell a.« 8 )

Also: Man hat kein Recht, etwas zu lieben oder zu hassen, wenn man sich nicht eine gründliche Erkenntnis sei- nes Wesens verschafft hat. Und dasselbe wiederholt Leonardo an einer Stelle des Traktates von der Malerei, wo er sich gegen den Vorwurf der Irreligiosität zu verteidigen scheint:

»Solche Tadler mögen aber stillschweigen. Denn jenes (Tun) ist die Weise, den Werkmeister so vieler bewunderns- werter Dinge kennen zu lernen, und dies der Weg, einen so großen Erfinder zu lieben. Denn wahrlich, große Liebe ent- springt aus großer Erkenntnis des geliebten Gegenstandes, und wenn du diesen wenig kennst, so wirst du ihn nur wenig oder gar nicht lieben können . . .«*)


') Mereschkowski, Leonardo da Vinci. Ein biographischer Roman aus der Wende des XV. Jahrhunderts. Deutsche Obersetzung von G. v. Gülschow, Leipilg 1903. Das Mittelstück einer großen Romantrilogie, die »Christ und Antichrist^ betitelt ist. Diebeiden anderen Bände heißen »Julian Apostata«  und »Peter der Große und Alexe!-.

  • ) Solmi. Leonardo da Vinci. Deutsche Obersetzung von Emmi

Hirschberg. Berlin 1908, p. 46.

  • ) Filippo Botazzi. Leonardo biologo e anatomico, p. 198.
  • ) Marie Hersfeld. Leonardo da Vinci. Traktat von der Malerei.

Nach der Obersetzung von Heinrich Ludwig neu herausgegeben und ein- geleitet. Jena 1909 (Abschnitt I, 64, p. 54).


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DES LEONARDO DA VINCI. 11

Der Wert dieser Äußerungen Leonardos kann nicht darin gesucht werden, daß sie eine bedeutsame psychologische Tat- sache mitteilen, denn was sie behaupten, ist offenkundig falsch, und Leonardo mußte dies ebensogut wissen wie wir. Es ist nicht wahr, daß die Menschen mit ihrer Liebe oder ihrem Haß warten, bis sie den Gegenstand, dem diese Affekte gelten, studiert und in seinem Wesen erkannt haben, vielmehr lieben sie impulsiv auf Gefühlsmotive hin, die mit Erkenntnis nichts zu tun haben, und deren Wirkung durch Besinnung und Nachdenken höchstens abgeschwächt wird. Leonardo konnte also nur gemeint haben, was die Menschen üben, das sei nicht die richtige, einwandfreie Liebe, man sollte so lieben, daß man den Affekt aufhalte, ihn der Gedankenarbeit unterwerfe und erst frei gewähren lasse, nachdem er die Prü- fung durch das Denken bestanden hat. Und wir verstehen da- bei, daß er uns sagen will, bei ihm sei es so; es wäre für alle anderen erstrebenswert, wenn sie es mit Liebe und Haß so hielten wie er selbst.

Und bei ihm scheint es wirklich so gewesen zu sein. Seine Affekte waren gebändigt, dem Forschertrieb unterworfen ; er liebte und haßte nicht, sondern fragte sich, woher das komme, was er lieben oder hassen sollte, ,und was es bedeute, und so mußte er zunächst indifferent erscheinen gegen Gut und Böse, gegen Schönes und Häßliches. Während dieser Forscherarbeit warfen Liebe und Haß ihre Vorzeichen ab und wandelten sich gleichmäßig in Denkinteresse um. In Wirklichkeit war Leonardo nicht leidenschaftslos, er entbehrte nicht des gött- lichen Funkens, der mittelbar oder unmittelbar die Triebkraft — il primo motore — alles menschlichen Tuns ist. Er hatte die Leidenschaft nur in Wissensdrang verwandelt; er ergab sich nun der Forschung mit jener Ausdauer, Stetigkeit, Vertiefung, die sich aus der Leidenschaft ableiten, und auf der Höhe der geistigen Arbeit, nach gewonnener Erkenntnis, läßt er den lange zurückgehaltenen Affekt losbrechen, frei abströmen, wie einen vom Strome abgeleiteten Wasserarm, nachdem er das Werk getrieben hat. Auf der Höhe einer Er- kenntnis, wenn er ein großes Stück des Zusammenhanges


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12 EINE KINDHEITSERINNERUNG

überschauen kann, dann erfaßt ihn das Pathos und er preist in schwärmerischen Worten die Großartigkeit jenes Stückes der Schöpfung, das er studiert hat, oder — in religiöser Einkleidung — die Größe seines Schöpfers. Solmi hat diesen Prozeß der Umwandlung bei Leonardo richtig erfaßt. Nach dem Zitat einer solchen Stelle, in der Leonardo den hehren Zwang der Natur (»O mirabile necessita . . .«) gefeiert hat, sagt er : Tale trasfigurazione della scienza della natura in emozione, quasi direi, religiosa, ö uno dei tratti caratteristici de' manoscritti vinciani, e si trova cento e cento volte espressa . . .*)

Man hat Leonardo wegen seines unersättlichen und unermüdlichen Forscherdranges den italienischen Faust ge- heißen. Aber von allen Bedenken gegen die mögliche Rück- verwandlung des Forschertriebes in Lebenslust abgesehen, die wir als die Voraussetzung der Fausttragödie an- nehmen müssen, möchte man die Bemerkung wagen, daß die Entwicklung Leonardos an spinozistische Denkweise streift.

Die Umsetzungen der psychischen Triebkraft in verschie- dene Formen der Betätigung sind vielleicht ebenso wenig ohne Einbuße konvertierbar, wie die der physikalischen Kräfte. Das Beispiel Leonardos lehrt, wie vielerlei anderes an diesen Prozessen zu verfolgen ist. Aus dem Aufschub, erst zu lieben, nachdem man erkannt hat, wird ein Ersatz. Man liebt und haßt nicht mehr recht, wenn man zur Erkenntnis durch- gedrungen ist; man bleibt jenseits von Liebe und Haß. Man hat geforscht, anstatt zu lieben. Und darum vielleicht ist Leonardos Leben so viel ärmer an Liebe gewesen als das an- derer Großer und anderer Künstler. Die stürmischen Leiden- schaften erhebender und verzehrender Natur, in denen an- dere ihr Bestes erlebten, scheinen ihn nicht getroffen zu haben.

Und noch andere Folgen. Man hat auch geforscht, anstatt zu handeln, zu schaffen. Wer die Großartigkeit des Welt- zusammenhanges und dessen Notwendigkeiten zu ahnen be- gonnen hat, der verliert leicht sein eigenes kleines Ich. In Bewunderung versunken, wahrhaft demütig geworden, ver-


') Solmi. La resurrezione etc., p. 11,


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DES LEONARDO DA VINCI. 13

gißt man zu leicht, daß man selbst ein Stück jener wirkenden Kräfte ist und es versuchen darf, nach dem Ausmaß seiner persönlichen Kraft ein Stückchen jenes notwendigen Ablaufes der Welt abzuändern, der Welt, in welcher das Kleine doch nicht minder wunderbar und bedeutsam ist als das Große.

Leonardo hatte vielleicht, wie Solmi meint, im Dienste seiner Kunst zu forschen begonnen, l ) er bemühte sich um die Eigenschaften und Gesetze des Lichtes, der Farben, Schatten, der Perspektive, um sich die Meisterschaft in der Nachahmung der Natur zu sichern und anderen den gleichen Weg zu weisen. Wahrscheinlich überschätzte er schon damals den Wert dieser Kenntnisse für den Künstler. Dann trieb es ihn, noch immer am Leitseil des malerischen Bedürfnisses, zur Erforschung der Objekte der Malerei, der Tiere und Pflanzen, der Pro- portionen des menschlichen Körpers, vom Äußeren derselben weg zur Kenntnis ihres inneren Baues und ihrer Lebensfunk- tionen, die sich ja auch in ihrer Erscheinung ausdrücken und von der Kunst Darstellung verlangen. Und endlich riß ihn der übermächtig gewordene Trieb fort, bis der Zusammen- hang mit den Anforderungen seiner Kunst zerriß, so daß er die allgemeinen Gesetze der Mechanik auffand, daß er die Ge- schichte der Ablagerungen und Versteinerungen im Arnotal erriet, und bis daß er in sein Buch die Erkenntnis mit großen Buchstaben eintragen konnte: II sole non si move. Auf so ziemlich alle Gebiete der Naturwissenschaft dehnte er seine Forschungen aus, auf jedem einzelnen ein Entdecker oder we- nigstens Vorhersager und Pfadfinder. 2 ) Doch blieb sein Wis- sensdrang auf die Außenwelt gerichtet, von der Erforschung des Seelenlebens der Menschen hielt ihn etwas fern; in der »Academia Vinciana«, für die er kunstvoll verschlungene Embleme zeichnete, war für die Psychologie wenig Raum.

  • ) La resurrezione etc., p. 8: * Leonardo aveva posto, come regola al pit-

tore, lo studio della natura . . . ., poi la passione dello studio era divenuta dominante, egli aveva voluto acquistare non piu la scienza per l'arte, ma la scienza per la scienza.« 

  • ) Siehe die Aufzählung seiner wissenschaftlichen Leistungen in der

schönen biographischen Einleitung der Marie Herz fei d (Jena 1906), in den einzelnen Essays der Conferenze Fiorentine 1910 und anderwärts.


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14 EINE KINDHEITSERINNERUNG

Versuchte er dann von der Forschung zur Kunstübung zurückzukehren, von der er ausgegangen war, so erfuhr er an sich die Störung durch die neue Einstellung seiner Inter- essen und die veränderte Natur seiner psychischen Arbeit. Am Bild interessierte ihn vor allem ein Problem, und hinter diesem einen sah er ungezählte andere Probleme auftauchen, wie er es in der endlosen und unabschließbaren Natur- forschung gewohnt war. Er brachte sich nicht mehr dazu, seinen Anspruch zu beschränken, das Kunstwerk zu isolieren, es aus dem großen Zusammenhang zu reißen, in den eres gehörig wußte. Nach den erschöpfendsten Bemühungen, alles in ihm zum Ausdruck zu bringen, was sich in seinen Gedanken daran knüpfte, mußte er es unfertig im Stiche lassen oder es für unvollendet erklären.

Der Künstler hatte einst den Forscher als Handlanger in seinen Dienst genommen, nun war der Diener der stärkere geworden und unterdrückte seinen Herrn.

Wenn wir im Charakterbilde einer Person einen einzigen Trieb überstark ausgebildet finden, wie bei Leonardo die Wißbegierde, so berufen wir uns zur Erklärung auf eine be- sondere Anlage, über deren wahrscheinlich organische Bedingt- heit meist noch nichts Näheres bekannt ist. Durch unsere psycho- analytischen Studien an Nervösen werden wir aber zwei weiteren Erwartungen geneigt, die wir gern in jedem ein- zelnen Falle bestätigt finden möchten. Wir halten es für wahrscheinlich, daß jener überstarke Trieb sich bereits in der frühesten Kindheit der Person betätigt hat, und daß seine Oberherrschaft durch Eindrücke des Kinderlebens festgelegt wurde, und wir nehmen ferner an, daß er ursprünglich sexuelle Triebkräfte zu seiner Verstärkung herangezogen hat, so daß er späterhin ein Stück des Sexuallebens vertreten kann. Ein solcher Mensch würde also z. B. forschen mit jener leiden- schaftlichen Hingabe, mit der ein anderer seine Liebe aus- stattet, und er könnte forschen anstatt zu lieben. Nicht nur beim Forschertrieb, sondern auch in den meisten anderen Fällen von besonderer Intensität eines Triebes würden wir den Schluß auf eine sexuelle Verstärkung desselben wagen.


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DES LEONARDO DA VINCI. 15

Die Beobachtung des täglichen Lebens der Menschen zeigt uns, daß es den meisten gelingt, ganz ansehnliche Anteile ihrer sexuellen Triebkräfte auf ihre Berufstätigkeit zu leiten. Der Sexualtrieb eignet sich ganz besonders dazu, solche Beiträge abzugeben, da er mit der Fähigkeit der Sublimierung begabt, d. h. im stände ist, sein nächstes Ziel gegen andere, eventuell höher gewertete und nicht sexuelle, Ziele zu ver- tauschen. Wir halten diesen Vorgang für erwiesen, wenn uns die Kindergeschichte, also die seelische Entwicklungsgeschichte einer Person zeigt, daß zur Kinderzeit der übermächtige Trieb im Dienste sexueller Interessen stand. Wir finden eine weitere Bestätigung darin, wenn sich im Sexualleben reifer Jahre eine auffällige Verkümmerung dartut, gleichsam als ob ein Stück der Sexualbetätigung nun durch die Betätigung des übermächtigen Triebes ersetzt wäre.

Die Anwendung dieser Erwartungen auf den Fall des übermächtigen Forschertriebs scheint besonderen Schwierig- keiten zu unterliegen, da man gerade den Kindern weder diesen ernsthaften Trieb noch bemerkenswerte sexuelle Inter- essen zutrauen möchte. Indes sind diese Schwierigkeiten leicht zu beheben. Von der Wißbegierde der kleinen Kinder zeugt deren unermüdliche Fragelust, die dem Erwachsenen rätsel- haft ist, so lange er nicht versteht, daß alle diese Fragen nur Umschweife sind, und daß sie kein Ende nehmen können, weil das Kind durch sie nur eine Frage ersetzen will, die es doch nicht stellt. Ist das Kind größer und einsichtsvoller ge- worden, so bricht diese Äußerung der Wißbegierde oft plötz- lich ab. Eine volle Aufklärung gibt uns aber die psycho- analytische Untersuchung, indem sie uns lehrt, daß viele, vielleicht die meisten, jedenfalls die bestbegabten Kinder etwa vom dritten Lebensjahr an eine Periode durchmachen, die man als die der infantilen Sexualforschung bezeichnen darf. Die Wißbegierde erwacht bei den Kindern dieses Alters, soviel wir wissen, nicht spontan, sondern wird durch den Eindruck eines wichtigen Erlebnisses geweckt, durch die erfolgte oder nach auswärtigen Erfahrungen gefürchtete Geburt eines Ge- schwisterchens, in der das Kind eine Bedrohung seiner egoisti-


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16 EINE KINDHEITSERINXERÜXG

sehen Interessen erblickt. Die Forschung richtet sich auf die Frage, woher die Kinder kommen, gerade so, als ob das Kind nach Mitteln und Wegen suchte, ein so unerwünschtes Ereignis zu verhüten. Wir haben so mit Erstaunen erfahren, daß das Kind den ihm gegebenen Auskünften den Glauben verweigert, z. B. die mythologisch so sinnreiche Storchfabel energisch abweist, daß es von diesem Akte des Unglaubens an seine geistige Selbständigkeit datiert, sich oft in ernstem Gegensatze zu den Erwachsenen fühlt und diesen eigentlich niemals mehr verzeiht, daß es bei diesem Anlasse um die Wahrheit be- trogen wurde. Es forscht auf eigenen Wegen, errät den Auf- enthalt des Kindes im Mutterleibe und schafft sich, von den Regungen der eigenen Sexualität geleitet, Ansichten über die Herkunft des Kindes vom Essen, über sein Geboren- werden durch den Darm, über die schwer zu ergründende Rolle des Vaters, und es ahnt bereits damals die Exi- stenz des sexuellen Aktes, der ihm als etwas Feindseliges und Gewalttätiges erscheint. Aber wie seine eigene Sexual- konstitution der Aufgabe der Kinderzeugung noch nicht ge- wachsen ist, so muß auch seine Forschung, woher die Kinder kommen, im Sande verlaufen und als unvollendbar im Stiche gelassen werden. Der Eindruck dieses Mißglückens bei der ersten Probe intellektueller Selbständigkeit scheint ein nach- haltiger und tief deprimierender zu sein. 1 )

Wenn die Periode der infantilen Sexualforschung durch einen Schub energischer Sexualverdrängung abgeschlossen worden ist, leiten sich für das weitere Schicksal des Forscher- triebes drei verschiedene Möglichkeiten aus seiner frühzeit- lichen Verknüpfung mit sexuellen Interessen ab. Entweder die Forschung teilt das Schicksal der Sexualität, die Wiß-

  • ) Zur Erhärtung dieser unwahrscheinlich klingenden Behauptungen

nehme man Einsicht in die » Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben^, Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische Forschungen Bd. I., 1909 und die ähnliche Beobachtung im II. B., 1910. In einem Aufsatze über die »Infantilen Sexualtheorien ', 1908 (Sammlung kleiner Schriften zur Neur- osenlehre, zweite Folge, 1909), schrieb ich: -Dieses Grübeln und Zweifeln wird aber vorbildlich für alle spätere Denkarbeit an Problemen und der erste Mißerfolg wirkt für alle Zeiten lähmend fort« (p. 167).


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DES LEONARDO DA VINCI. 17

begierde bleibt von da an gehemmt und die freie Betätigung der Intelligenz vielleicht für Lebenszeit eingeschränkt, be- sonders da kurze Zeit nachher durch die Erziehung die mächtige religiöse Denkhemmung zur Geltung gebracht wird. Dies ist der Typus der neurotischen Hemmung. Wir verstehen sehr wohl, daß die so erworbene Denkschwäche dem Ausbruch einer neur- otischen Erkrankung wirksamen Vorschub leistet. In einem zweiten Typus ist die intellektuelle Entwicklung kräftig genug, um der an ihr zerrenden Sexualverdrängung zu widerstehen. Einige Zeit nach dem Untergang der infantilen Sexualforschung, wenn die Intelligenz erstarkt ist, bietet sie eingedenk der alten Verbindung ihre Hilfe zur Umgehung der Sexualver- drängung, und die unterdrückte Sexualforschung kehrt als Grübelzwang aus dem Unbewußten zurück, allerdings entstellt und unfrei, aber mächtig genug, um das Denken selbst zu sexuali- sieren und die intellektuellen Operationen mit der Lust und der Angst der eigentlichen Sexualvorgänge zu betonen. Das Forschen wird hier zur Sexualbetätigung, oft zur ausschließ- lichen, das Gefühl der Erledigung in Gedanken, der Klärung, wird an die Stelle der sexuellen Befriedigung gesetzt; aber der unabschließbare Charakter der Kinderforschung wiederholt sich auch darin, daß dies Grübeln nie ein Ende findet, und daß das gesuchte intellektuelle Gefühl der Lösung immer weiter in die Ferne rückt.

Der dritte, seltenste und vollkommenste, Typus entgeht Kraft besonderer Anlage der Denkhemmung wie dem neur- otischen Denkzwang. Die Sexualverdrängung tritt zwar auch hier ein, aber es gelingt ihr nicht, einen Partialtrieb der Sexuallust ins Unbewußte zu weisen, sondern die Libido ent- zieht sich dem Schicksal der Verdrängung, indem sie sich von Anfang an in Wißbegierde sublimiert und sich zu dem kräftigen Forschertrieb als Verstärkung schlägt. Auch hier wird das Forschen gewissermaßen zum Zwang und zum Ersatz der Sexualbetätigung, aber infolge der völligen Verschieden- heit der zu Grunde liegenden psychischen Prozesse (Subli- mierung an Stelle des Durchbruches aus dem Unbewußten) bleibt der Charakter der Neurose aus, die Gebundenheit an die

Freud, Eine Kindheitserinnerunjr des Leonardo da Vinci. 2


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18 EINE KINDHEITSERINNERUNG

ursprünglichen Komplexe der infantilen Sexualforschung ent- fällt, und der Trieb kann sich frei im Dienste des intellektu- ellen Interesses betätigen. Der Sexualverdrängung, die ihn durch den Zuschuß von sublimierter Libido so stark gemacht hat, trägt er noch Rechnung, indem er die Beschäftigung mit sexuellen Themen vermeidet.

Wenn wir das Zusammentreffen des übermächtigen Forschertriebes bei Leonardo mit der Verkümmerung seines Sexuallebens erwägen, welches sich auf sogenannte ideelle Homosexualität einschränkt, werden wir geneigt sein, ihn als einen Musterfall unseres dritten Typus in Anspruch zu nehmen. Daß es ihm nach infantiler Betätigung der Wißbegierde im Dienste sexueller Interessen dann gelungen ist, den größeren Anteil seiner Libido in Forscherdrang zu sublimieren, das wäre der Kern und das Geheimnis seines Wesens. Aber frei- lich der Beweis für diese Auffassung ist nicht leicht zu er- bringen. Wir bedürften hiezu eines Einblickes in die seeli- sche Entwicklung seiner ersten Kinderjahre, und es erscheint töricht, auf solches Material zu hoffen, wenn die Nachrichten über sein Leben so spärlich und so unsicher sind, und wenn es sich überdies um Auskünfte über Verhältnisse handelt, die sich noch bei Personen unserer eigenen Generation der Auf- merksamkeit der Beobachter entziehen.

Wir wissen sehr wenig von der Jugend Leonardos. Er wurde 1452 in dem kleinen Städtchen Vinci zwischen Florenz und Empoli geboren; er war ein uneheliches Kind, was in jener Zeit gewiß nicht als schwerer bürgerlicher Makel betrachtet wurde; sein Vater war Ser Piero da Vinci, ein Notar und Abkömmling einer Familie von Notaren und Landbebauern, die ihren Namen nach dem Orte Vinci führten ; seine Mutter eine Cat arina, wahrscheinlich ein Bauernmädchen, die später mit einem anderen Einwohner von Vinci verheiratet war. Diese Mutter kommt in der Lebensgeschichte Leonardos nicht mehr vor, nur der Dichter Mereschkowski glaubt ihre Spur nachweisen zu können. Die einzige sichere Auskunft über Leonardos Kindheit gibt ein amtliches Dokument aus dem Jahre 1457, ein Florentiner Steuerkataster, in welchem


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unter den Hausgenossen der Familie Vinci Leonardo als fünf- jähriges illegitimes Kind des Ser Piero angeführt wird. 1 ) Die Ehe Ser Pieros mit einer Donna Albiera blieb kinderlos, darum konnte der kleine Leonardo im Hause seines Vaters aufgezogen werden. Dies Vaterhaus verließ er erst, als er, unbekannt in welchem Alter, als Lehrling in die Werkstatt des Andrea del Verrocchio eintrat. Im Jahre 1472 findet sich Leonardos Name bereits im Verzeichnis der Mitglieder der »Compagnia dei Pittori«. Das ist alles.

IL

Ein einziges Mal, soviel mir bekannt ist, hat Leonardo in eine seiner wissenschaftlichen Niederschriften eine Mit- teilung aus seiner Kindheit eingestreut. An einer Stelle, die vom Fluge des Geiers handelt, unterbricht er sich plötzlich, um einer in ihm auftauchenden Erinnerung aus sehr frühen Jahren zu folgen.

»Es scheint, daß es mir schon vorher bestimmt war, mich so gründlich mit dem Geier zu befassen, denn es kommt mir als eine ganz frühe Erinnerung in den Sinn, als ich noch in der Wiege lag, ist ein Geier zu mir herabgekommen, hat mir den Mund mit seinem Schwanz geöffnet und viele Male mit diesem seinen Schwanz gegen meine Lippen gestoßen.« 2 )

Eine Kindheitserinnerung also, und zwar höchst befremden- der Art. Befremdend wegen ihres Inhaltes und wegen der Lebens- zeit, in die sie verlegt wird. Daß ein Mensch eine Erinnerung an seine Säuglingszeit bewahren könne, ist vielleicht nicht un- möglich, kann aber keineswegs als gesichert gelten. Was jedoch diese Erinnerung Leonardos behauptet, daß ein Geier dem Kinde mit seinem Schwanz den Mund geöffnet, das klingt so un- wahrscheinlich, so märchenhaft, daß eine andere Auffassung,


  • ) Scognamiglio 1. c, p. 15.

s ) »Questo scriver si distintamente del nibio par che sia mio destino, perche nella mia prima ricordatione della mia infantia e mi parea che essen do io in culla, che im nibio venissi a me e mi aprissi la bocca colla sua coda e molte volte mi percuotesae con tal coda dentro alle labbra.« (Cod. atlant. F. 65 V. nach Scognamiglio.)

2*


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20 EINE KINDHEITSERINNERUNG


die beiden Schwierigkeiten mit einem Schlage ein Ende macht, sich unserem Urteile besser empfiehlt. Jene Szene mit dem Geier wird nicht eine Erinnerung Leonardos sein, sondern eine Phantasie, die er sich später gebildet und in seine Kind- heit versetzt hat. Die Kindheitserinnerungen der Menschen haben oft keine andere Herkunft; sie werden überhaupt nicht, wie die bewußten Erinnerungen aus der Zeit der Reife vom Erlebnis an fixiert und wiederholt, sondern erst in späterer Zeit, wenn die Kindheit schon vorüber ist, hervorgeholt, dabei verändert, verfälscht, in den Dienst späterer Tendenzen ge- stellt, so daß sie sich ganz allgemein von Phantasien nicht strenge scheiden lassen. Vielleicht kann man sich ihre Natur nicht besser klar machen, als indem man an die Art und Weise denkt, wie bei den alten Völkern die Geschicht- schreibung entstanden ist. Solange das Volk klein und schwach war, dachte es nicht daran, seine Geschichte zu schreiben; man bearbeitete den Boden des Landes, wehrte sich seiner Existenz gegen die Nachbarn, suchte ihnen Land abzugewinnen und zu Reichtum zu kommen. Es war eine heroische und unhistorische Zeit. Dann brach eine andere Zeit an, in der man zur Besinnung kam, sich reich und mächtig fühlte, und nun entstand das Bedürfnis zu erfahren, woher man gekommen und wie man geworden war. Die Geschichtschreibung, welche begonnen hatte, die Erlebnisse der Jetztzeit fortlaufend zu verzeichnen, warf den Blick auch nach rückwärts in die Ver- gangenheit, sammelte Traditionen und Sagen, deutete die Überlebsei alter Zeiten in Sitten und Gebräuchen und schuf so eine Geschichte der Vorzeit. Es war unvermeidlich, daß diese Vorgeschichte eher ein Ausdruck der Meinungen und Wünsche der Gegenwart als ein Abbild der Vergangenheit wurde, denn vieles war von dem Gedächtnis des Volkes be- seitigt, anderes entstellt worden, manche Spur der Vergangen- heit wurde mißverständlich im Sinne der Gegenwart gedeutet, und überdies schrieb man ja nicht Geschichte aus den Motiven objektiver Wißbegierde, sondern weil man auf seine Zeit- genossen wirken, sie aneifern, erheben oder ihnen einen Spiegel vorhalten wollte. Das bewußte Gedächtnis eines


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DES LEONARDO DA VINCI. 21

Menschen von den Erlebnissen seiner Reifezeit ist nun durch- aus jener Geschichtschreibung zu vergleichen, und seine Kindheitserinnerungen entsprechen nach ihrer Entstehung und Verläßlichkeit wirklich der spät und tendenziös zurecht- gemachten Geschichte der Urzeit eines Volkes.

Wenn die Erzählung Leonardos vom Geier, der ihn in der Wiege besucht, also nur eine spätgeborene Phantasie ist, so sollte man meinen, es könne sich kaum verlohnen, länger bei ihr zu verweilen. Zu ihrer Erklärung könnte man sich ja mit der offen kundgegebenen Tendenz begnügen, seiner Beschäftigung mit dem Problem des Vogelfluges die Weihe einer Schicksalsbestimmung zu leihen. Allein mit dieser Ge- ringschätzung beginge man ein ähnliches Unrecht, wie wenn man das Material von Sagen, Traditionen und Deutungen in der Vorgeschichte eines Volkes leichthin verwerfen würde. Allen Entstellungen und Mißverständnissen zum Trotze ist die Realität der Vergangenheit doch durch sie repräsentiert; sie sind das, was das Volk aus den Erlebnissen seiner Urzeit ge- staltet hat, unter der Herrschaft einstens mächtiger und heute noch wirksamer Motive, und könnte man nur durch die Kenntnis aller wirkenden Kräfte diese Entstellungen rück- gängig machen, so müßte man hinter diesem sagenhaften Material die historische Wahrheit aufdecken können. Gleiches gilt für die Kindheitserinnerungen oder Phantasien der Ein- zelnen. Es ist nicht gleichgültig, was ein Mensch aus seiner Kindheit zu erinnern glaubt; in der Regel sind hinter den von ihm selbst nicht verstandenen Erinnerungsresten unschätz- bare Zeugnisse für die bedeutsamsten Züge seiner seelischen Entwicklung verborgen. Da wir nun in den psychoanalytischen Techniken vortreffliche Hilfsmittel besitzen, um dies Ver- borgene ans Licht zu ziehen, wird uns der Vorsuch gestattet sein, die Lücke in Leonardos Lebensgeschichte durch die Analyse seiner Kindheitsphantasie auszufüllen. Erreichen wir dabei keinen befriedigenden Grad von Sicherheit, so müssen wir uns damit trösten, daß so vielen anderen Untersuchungen über den großen und rätselhaften Mann kein besseres Schicksal beschieden war.


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22 EINE KINDHEITSERINNERUNG

Wenn wir aber die Geierphantasie Leonardos mit dem Auge des Psychoanalytikers betrachten, so erscheint sie uns nicht lange fremdartig; wir glauben uns zu erinnern, daß wir oftmals, z. B. in Träumen, ähnliches gefunden haben, so daß wir uns getrauen können, diese Phantasie aus der ihr eigentümlichen Sprache in gemeinverständliche Worte zu über- setzen. Die Übersetzung zielt dann aufs Erotische. Schwanz, »coda«, ist eines der bekanntesten Symbole und Ersatz- bezeichnungen des männlichen Gliedes, im Italienischen nicht minder als in anderen Sprachen; die in der Phantasie ent- haltene Situation, daß ein Geier den Mund des Kindes öffnet und mit dem Schwanz tüchtig darin herumarbeitet, entspricht der Vorstellung einer Fellatio, eines sexuellen Aktes, bei dem das Glied in den Mund der gebrauchten Person eingeführt wird. Sonderbar genug, daß diese Phantasie so durchwegs passiven Charakter an sich trägt; sie ähnelt auch gewissen Träumen und Phantasien von Frauen oder passiven Homo- sexuellen (die im Sexualverkehr die weibliche Rolle spielen).

Möge der Leser nun an sich halten und nicht in auf- flammender Entrüstung der Psychoanalyse die Gefolgschaft verweigern, weil sie schon in ihren ersten Anwendungen zu einer unverzeihlichen Schmähung des Andenkens eines großen und reinen Mannes führt. Es ist doch offenbar, daß diese Entrüstung uns niemals wird sagen können, was die Kindheitsphantasie Leonardos bedeutet; anderseits hat sich Leonardo in unzweideutigster Weise zu dieser Phantasie be- kannt, und wir lassen die Erwartung — wenn man will : das Vorurteil — nicht fallen, daß eine solche Phantasie wie jede psychische Schöpfung, wie ein Traum, eine Vision, ein Deli- rium, irgend eine Bedeutung haben muß. Schenken wir darum lieber der analytischen Arbeit, die ja noch nicht ihr letztes Wort gesprochen hat, für eine Weile gerechtes Gehör.

Die Neigung, das Glied des Mannes in den Mund zu nehmen, um daran zu saugen, die in der bürgerlichen Ge- sellschaft zu den abscheulichen sexuellen Perversionen ge- rechnet wird, kommt doch bei den Frauen unserer Zeit — und, wie alte Bildwerke beweisen, auch früherer Zeiten — sehr häufig


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vor und scheint im Zustande der Verliebtheit ihren anstößigen Charakter völlig abzustreifen. Der Arzt begegnet Phantasien, die sich auf diese Neigung gründen, auch bei weiblichen Personen, die nicht durch die Lektüre der Psychopathia sexualis von v. Krafft-Ebing oder durch sonstige Mitteilung zur Kennt- nis von der Möglichkeit einer derartigen Sexualbefriedigung gelangt sind. Es scheint, daß es den Frauen leicht wird, aus Eigenem solche Wunschphantasien zu schaffen. 1 ) Die Nach- forschung lehrt uns denn auch, daß diese von der Sitte so schwer geächtete Situation die harmloseste Ableitung zuläßt. Sie ist nichts anderes als die Umarbeitung einer anderen Situation, in welcher wir uns einst alle behaglich fühlten, als wir im Säuglingsalter (»essendo io in culla«) die Brustwarze der Mutter oder Amme in den Mund nahmen, um an ihr zu saugen. Der organische Eindruck dieses unseres ersten Lebensgenusses ist wohl unzerstörbar eingeprägt geblieben; wenn das Kind später das Euter der Kuh kennen lernt, das seiner Funktion nach eine Brustwarze, seiner Gestalt und Lage am Unterleib nach aber einem Penis gleichkommt, hat es die Vorstufe für die spätere Bildung jener anstößigen sexuellen Phantasie gewonnen.

Wir verstehen jetzt, warum Leonardo die Erinnerung an das angebliche Erlebnis mit dem Geier in seine Säuglings- zeit verlegt. Hinter dieser Phantasie verbirgt sich doch nichts anderes als eine Reminiszenz an das Saugen — oder Gesäugt- werden — an der Mutterbrust, welche menschlich schöne Szene er wie soviele andere Künstler an der Mutter Gottes und ihrem Kinde mit dem Pinsel darzustellen unternommen hat. Aller- dings wollen wir auch festhalten, was wir noch nicht ver- stehen, daß diese für beide Geschlechter gleich bedeutsame Reminiszenz von dem Manne Leonardo zu einer passiven homosexuellen Phantasie umgearbeitet worden ist. Wir werden die Frage vorläufig bei Seite lassen, welcher Zusammenhang etwa die Homosexualität mit dem Saugen an der Mutterbrust verbindet, und uns bloß daran erinnern, daß die Tradition Leo-

! ) Vgl. hiezu das »Bruchstück einer Hysterieanalyse« in Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre. Zweite Folge, 1909.


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24 EINE KINDHEITSERINXERÜNG

nardo wirklich als einen homosexuell Fühlenden bezeichnet. Dabei gilt es uns gleich, ob jene Anklage gegen den Jüngling Leonardo berechtigt war oder nicht; nicht die reale Be- tätigung, sondern die Einstellung des Gefühls entscheidet für uns darüber, ob wir irgend jemand die Eigentümlichkeit der Homosexualität zuerkennen sollen.

Ein anderer unverstandener Zug der Kindheitsphantasie Leonardos nimmt unser Interesse zunächst in Anspruch. Wir deuten die Phantasie auf das Gesäugtwerden durch die Mutter und finden die Mutter ersetzt durch einen — Geier. Woher rührt dieser Geier und wie kommt er an diese Stelle?

Ein Einfall bietet sich da, so fernab liegend, daß man ver- sucht wäre, auf ihn zu verzichten. In der heiligen Bilder- schrift der alten Ägypter wird die Mutter allerdings mit dem Bilde des Geiers geschrieben. 1 ) Diese Ägypter verehrten auch eine mütterliche Gottheit, die geierköpfig gebildet wurde oder mit mehreren Köpfen, von denen wenigstens einer der eines Geiers war. 2 ) Der Name dieser Göttin wurde Mut aus- gesprochen; ob die Lautähnlichkeit mit unserem Worte »Mutter« nur eine zufällige ist ? So steht der Geier wirklich in Beziehung zur Mutter, aber was kann uns das helfen? Dürfen wir Leonardo denn diese Kenntnis zumuten, wenn die Lesung der Hieroglyphen erst Francis Champollion (1790—1832) gelungen ist? 3 )

Man möchte sich dafür interessieren, auf welchem Wege auch nur die alten Ägypter dazu gekommen sind, den Geier zum Symbol der Mütterlichkeit zu wählen. Nun war die Religion und Kultur der Ägypter bereits den Griechen und Römern Gegenstand wissenschaftlicher Neugierde, und lange, ehe wir selbst die Denkmäler Ägyptens lesen konnten, standen uns einzelne Mitteilungen darüber aus erhaltenen Schriften des


1 ) Ilorapollo. Hieroglyphica 1, 11. Mr^pa U Ypcrpovre; yv-a C«j-

ypa'ioüaiv.

  • ) Koscher. Ausf. Lexikon der griechischen und römischen Mythologie.

Artikel Mut, II. Band, 1894—1897. — Lanzone. Dizionario di mitologia egizia. Torino 1882.

8 ) II. Ilartlehen, Champollion. Sein Leben und sein Werk, 1906.


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klassischen Altertums zu Gebote, Schriften, die teils von be- kannten Autoren herrühren, wie Strabo, Plutarch, Ami- nianus Marcellus, teils unbekannte Namen tragen und unsicher in ihrer Herkunft und Abfassungszeit sind wie die Hieroglyphica des Horapollo Nilus und das unter dem Götternamen des Hermes Trismegistos überlieferte Buch orientalischer Priesterweisheit. Aus diesen Quellen erfahren wir, daß der Geier als Symbol der Mütterlichkeit galt, weil man glaubte, es gäbe nur weibliche Geier und keine männ- lichen von dieser Vogelart. 1 ) Die Naturgeschichte der Alten kannte auch ein Gegenstück zu dieser Einschränkung; bei den Skarabäen, den von den Ägyptern als göttlich verehrten Käfern, meinten sie, gebe es nur Männchen. 2 )

Wie sollte nun die Befruchtung der Geier vor sich gehen, wenn sie alle nur Weibchen waren ? Darüber gibt eine Stelle des Horapollo 3 ) guten Aufschluß. Zu einer gewissen Zeit halten diese Vögel im Fluge inne, öffnen ihre Scheide und empfangen vom Winde.

Wir sind jetzt unerwarteter Weise dazu gelangt, etwas für recht wahrscheinlich zu halten, was wir vor kurzem noch als absurd zurückweisen mußten. Leonardo kann das wissenschaftliche Märchen, dem es der Geier verdankt, daß die Ägypter mit seinem Bild den Begriff der Mutter schrieben, sehr wohl gekannt haben. Er war ein Vielleser, dessen Interesse alle Gebiete der Literatur und des Wissens umfaßte. Wir besitzen im Codex atlanticus ein Verzeichnis aller Bücher, die er zu einer gewissen Zeit besaß, 4 ) dazu zahl- reiche Notizen über andere Bücher, die er von Freunden


') »7OH* hk apprva o\» «pasry^via&ai roxe, it)A dyjXcfa; d-asa; bei t. Römer. Über die androgynische Idee des Lebens. Jahrb. f. sexuelle Zwischenstufen, V, 1903, p. 732.

  • ) Plutarch. Veluti scarabaeos mares tan tum esse putarunt Ägyptii

sie inter vultures mares non inveniri statucrunt.

a ) Uorapollinis Niloi Hieroglyphica edidit Conradus Leemans Amste- lodami 1835. Die auf das Geschlecht der Geier bezüglichen Worte lauten (p. 14) : ( uij?£p« jiiv £retS$) ofpj>ev h to-jtu) Tq> f^vti xtöv £u>u>v ojy ur.apyei.

4 ) E. Müntz. Leonard de Vinci, Paris 1899, p. 282.


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26 EINE KINDHEITSERINNERUNG

entlehnt hatte, und nach den Exzerpten, die Fr. Richter 1 ) aus seinen Aufzeichnungen zusammengestellt hat, können wir den Umfang seiner Lektüre kaum überschätzen. Unter dieser Zahl fehlen auch ältere wie gleichzeitige Werke von natur- wissenschaftlichem Inhalte nicht. Alle diese Bücher waren zu jener Zeit schon im Drucke vorhanden, und gerade Mailand war für Italien die Hauptstätte der jungen Buchdruckerkunst.

Wenn wir nun weiter gehen, stoßen wir auf eine Nach- richt, welche die Wahrscheinlichkeit, Leonardo habe das Geier- märchen gekannt, zur Sicherheit steigern kann. Der gelehrte Herausgeber und Kommentator des Horapollo bemerkt zu dem bereits zitierten Text (p. 172) : Caeterum hanc fabulam de vulturibus cupide amplexi sunt Patres Ecclesiastici, ut ita ar- gumenta ex rerum natura petito refutarent eos, qui Virginis partum negabant; itaque apud omnes fere hujus rei mentio occurit.

Also die Fabel von der Eingeschlechtigkeit und der Emp- fängnis der Geier war keineswegs eine indifferente Anekdote geblieben wie die analoge von den Skarabäen; die Kirchen- väter hatten sich ihrer bemächtigt, um gegen die Zweifler an der heiligen Geschichte ein Argument aus der Naturgeschichte zur Hand zu haben. Wenn nach den besten Nachrichten aus dem Altertum die Geier darauf angewiesen waren, sich vom Winde be- fruchten zu lassen, warum sollte nicht auch einmal das gleiche mit einem menschlichen Weibe vorgegangen sein ? Dieser Ver- wertbarkeit wegen pflegten die Kirchenväter »fast alle< die Geierfabel zu erzählen, und nun kann es kaum zweifelhaft sein, daß sie durch so mächtige Patronanz auch Leonardo be- kannt geworden ist.

Die Entstehung der Geierphantasie Leonardos können wir uns nun in folgender Weise vorstellen. Als er einmal bei einem Kirchenvater oder in einem naturwissenschaftlichen Buche davon las, die Geier seien alle Weibchen und wüßten sich ohne Mithilfe von Männchen fortzupflanzen, da tauchte in ihm eine Erinnerung auf, die sich zu jener Phantasie um- gestaltete, die aber besagen wollte, er sei ja auch so ein

>) Müntz 1. c.


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DES LEONARDO DA VINCI. 27

Geierkind gewesen, das eine Mutter, aber keinen Vater ge- habt habe, und dazu gesellte sich in der Art, wie so alte Ein- drücke sich allein äußern können, ein Nachhall des Genusses, der ihm an der Mutterbrust zu teil geworden war. Die von den Autoren hergestellte Anspielung auf die jedem Künstler teure Vorstellung der heiligen Jungfrau mit dem Kinde mußte dazu beitragen, ihm diese Phantasie wertvoll und bedeutsam erscheinen zu lassen. Kam er doch so dazu, sich mit dem Christusknaben, dem Tröster und Erlöser nicht nur des einen Weibes, zu identifizieren.

Wenn wir eine Kindheitsphantasie zersetzen, streben wir danach, deren realen Erinnerungsinhalt von den späteren Mo- tiven zu sondern, welche denselben modifizieren und entstellen. Im Falle Leonardos glauben wir jetzt den realen Inhalt der Phantasie zu kennen; die Ersetzung der Mutter durch den Geier weist darauf hin, daß das Kind den Vater vermißt und sich mit der Mutter allein gefunden hat. Die Tatsache der illegitimen Geburt Leonardos stimmt zu seiner Geierphantasie ; nur darum konnte er sich einem Geierkinde vergleichen. Aber wir haben als die nächste gesicherte Tatsache aus seiner Ju- gend erfahren, daß er im Alter von fünf Jahren in den Haus- halt seines Vaters aufgenommen war; wann dies geschah, ob wenige Monate nach seiner Geburt, ob wenige Wochen vor der Aufnahme jenes Katasters, ist uns völlig unbekannt. Da tritt nun die Deutung der Geierphantasie ein und will uns belehren, daß Leonardo die entscheidenden ersten Jahre seines Lebens nicht bei seinem Vater und seiner Stief- mutter, sondern bei der armen, verlassenen, echten Mutter verbrachte, so daß er Zeit hatte, seinen Vater zu vermissen. Dies scheint ein mageres und dabei noch immer gewagtes Er- gebnis der psychoanalytischen Bemühung, allein es wird bei weiterer Vertiefung an Bedeutung gewinnen. Der Sicherheit kommt noch die Erwägung der tatsächlichen Verhältnisse in der Kindheit Leonardos zu Hilfe. Den Berichten nach heiratete sein Vater Ser Piero da Vinci noch im Jahre von Leonardos Geburt die vornehme Donna Albiera ; der Kinderlosigkeit dieser Ehe verdankte der Knabe seine im fünften Jahre doku-


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28 EINE KIXDHEITSERINNERUNG

mentarisch bestätigte Aufnahme ins väterliche oder vielmehr großväterliche Haus. Nun ist es nicht gebräuchlich, daß man der jungen Frau, die noch auf Kindersegen rechnet, von An- fang an einen illegitimen Sprößling zur Pflege übergibt. Es mußten wohl erst Jahre von Enttäuschung hingegangen sein, ehe man sich entschloß, das wahrscheinlich reizend entwickelte uneheliche Kind zur Entschädigung für die vergeblich er- hofften ehelichen Kinder anzunehmen. Es steht im besten Einklang mit der Deutung der Geierphantasie, wenn mindestens drei Jahre, vielleicht fünf, von Leonardos Leben verflossen waren, ehe er seine einsame Mutter gegen ein Elternpaar vertauschen konnte. Dann aber war es bereits zu spät ge- worden. In den ersten drei oder vier Lebensjahren fixieren sich Eindrücke und bahnen sich Reaktionsweisen gegen die Außenwelt an, die durch kein späteres Erleben mehr ihrer Bedeutung beraubt werden können.

Wenn es richtig ist, daß die unverständlichen Kindheits- erinnerungen und die auf sie gebauten Phantasien eines Men- schen stets das Wichtigste aus seiner seelischen Entwicklung herausheben, so muß die durch die Geierphantasie erhärtete Tatsache, daß Leonardo seine ersten Lebensjahre allein mit der Mutter verbracht hat, von entscheidendstem Einfluß auf die Gestaltung seines inneren Lebens gewesen sein. Unter den Wirkungen dieser Konstellation kann es nicht gefehlt haben, daß das Kind, welches in seinem jungen Leben ein Problem mehr vorfand als andere Kinder, mit besonderer Leidenschaft über diese Rätsel zu grübeln begann und so frühzeitig ein Forscher wurde, den die großen Fragen quäl- ten, woher die Kinder kommen, und was der Vater mit ihrer Entstehung zu tun habe. Die Ahnung dieses Zusammenhanges zwischen seiner Forschung und seiner Kindheitsgeschichte hat ihm dann später den Ausruf entlockt, ihm sei es wohl von jeher bestimmt gewesen, sich in das Problem des Vogelfluges zu vertiefen, da er schon in der Wiege von einem Geier heim- gesucht worden war. Die Wißbegierde, die sich auf den Vogel- flug richtet, von der infantilen Sexualforschung abzuleiten, wird eine spätere, unschwer zu erledigende Aufgabe sein.


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III.

In der Kindheitsphantasie Leonardos repräsentierte uns das Element des Geiers den realen Erinnerungsinhalt; der Zusammenhang, in den Leonardo selbst seine Phantasie gestellt hatte, warf ein helles Licht auf die Bedeutung dieses Inhaltes für sein späteres Leben. Bei fortschreitender Deutungsarbeit stoßen wir nun auf das befremdliche Problem, warum dieser Erinnerungsinhalt in eine homosexuelle Situation umgearbeitet worden ist. Die Mutter, die das Kind säugt — besser: an der das Kind saugt — , ist in einen Geiervogel verwandelt, der dem Kinde seinen Schwanz in den Mund steckt. Wir behaup- ten, daß die »Coda* des Geiers nach gemeinem substituierenden Sprachgebrauch gar nichts anderes als ein männliches Geni- tale, einen Penis, bedeuten kann. Aber wir verstehen nicht, wie die Phantasietätigkeit dazu gelangen kann, gerade den mütterlichen Vogel mit dem Abzeichen der Männlichkeit aus- zustatten, und werden angesichts dieser Absurdität an der Möglichkeit irre, dieses Phantasiegebilde auf einen vernünf- tigen Sinn zu reduzieren.

Indes wir dürfen nicht verzagen. Wieviel scheinbar ab- surde Träume haben wir nicht schon genötigt, ihren Sinn einzugestehen! Warum sollte es bei einer Kindheitsphantasie schwieriger werden als bei einem Traum !

Erinnern wir uns daran, daß es nicht gut ist, wenn sich eine Sonderbarkeit vereinzelt findet, und beeilen wir uns, ihr eine zweite, noch auffälligere, zur Seite zu stellen.

Die geierköpfig gebildete Göttin Mut der Ägypter, eine Gestalt von ganz unpersönlichem Charakter, wie Drexler in Roschers Lexikon urteilt, wurde häufig mit anderen mütterlichen Gottheiten von lebendigerer Individualität wie Isis und Hat hör verschmolzen, behielt aber daneben ihre gesonderte Existenz und Verehrung. Es war eine besondere Eigentümlichkeit des ägyptischen Pantheons, daß die einzel- nen Götter nicht im Synkretismus untergingen. Neben der Götterkomposition blieb die einfache Göttergestalt in ihrer Selbständigkeit bestehen. Diese geierköpfige mütterliche Gott- heit wurde nun von den Ägyptern in den meisten Darstellun-


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gen phallisch gebildet; 1 ) ihr durch die Brüste als weiblich ge- kennzeichneter Körper trägt auch ein männliches Glied im Zustande der Erektion.

Bei der Göttin Mut also dieselbe Vereinigung mütter- licher und männlicher Charaktere wie in der Geierphantasie Leonardos! Sollen wir dies Zusammentreffen durch die An- nahme aufklären, Leonardo habe aus seinen Bücherstudien auch die androgyne Natur des mütterlichen Geiers gekannt ? Solche Möglichkeit ist mehr als fraglich; es scheint, daß die ihm zugänglichen Quellen von dieser merkwürdigen Bestim- mung nichts enthielten. Es liegt wohl näher, die Übereinstim- mung auf ein gemeinsames, hier wie dort wirksames und noch unbekanntes Motiv zurückzuführen.

Die Mythologie kann uns berichten, daß die androgyne Bildung, die Vereinigung männlicher und weiblicher Geschlechts- charaktere, nicht nur der Mut zukam, sondern auch anderen Gottheiten wie der Isis und Hathor, aber diesen vielleicht nur, insofern sie auch mütterliche Natur hatten und mit der Mut verschmolzen wurden. *) Sielehrtuns ferner, daß andere Gottheiten der Ägypter, wie die Neith von Sais, aus der später die griechische Athene wurde, ursprünglich androgyn, di hermaphroditisch aufgefaßt wurden, und daß das gleiche für viele der griechischen Götter besonders aus dem Kreise des Dionysos, aber auch für die später zur weiblichen Liebesgöttin eingeschränkten Aphrodite galt. Sie mag dann die Erklärung versuchen, daß der dem weiblichen Körper an- gefügte Phallus die schöpferische Urkraft der Natur bedeuten solle, und daß alle diese hermaphroditischen Götterbildungen die Idee ausdrücken, erst die Vereinigung von Männlichem und Weiblichem könne eine würdige Darstellung der göttlichen Vollkommenheit ergeben. Aber keine dieser Bemerkungen klärt uns das psychologische Rätsel, daß die Phantasie der Menschen keinen Anstoß daran nimmt, eine Gestalt, die ihr das Wesen der Mutter verkörpern soll, mit dem zur Mütter-


') Vgl. die Abbildungen bei Lanzone 1. c, T. CXXXVI— VIII.

  • ) t. Römer 1. c.


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lichkeit gegensätzlichen Zeichen der männlichen Kraft zu versehen.

Die Aufklärung kommt von Seiten der infantilen Sexual- theorien. Es hatte allerdings eine Zeit gegeben, in der das männliche Genitale mit der Darstellung der Mutter vereinbar gefunden wurde. Wenn das männliche Kind seine Wißbegierde zuerst auf die Rätsel des Geschlechtslebens richtet, wird es von dem Interesse für sein eigenes Genitale beherrscht. Es findet diesen Teil seines Körpers zu wertvoll und zu wichtig, als daß es glauben könnte, er würde anderen Personen fehlen, denen es sich so ähnlich fühlt. Da es nicht erraten kann, daß es noch einen anderen, gleichwertigen Typus von Genital- bildung gibt, muß es zur Annahme greifen, daß alle Menschen, auch die Frauen, ein solches Glied wie er besitzen. Dieses Vorurteil setzt sich bei dem jugendlichen Forscher so fest, daß es auch durch die ersten Beobachtungen an den Geni- talien kleiner Mädchen nicht zerstört wird. Die Wahrneh- mung sagt ihm allerdings, daß da etwas anders ist als bei ihm, aber er ist nicht im stände, sich als Inhalt dieser Wahr- nehmung einzugestehen, daß er beim Mädchen das Glied nicht finden könne. Daß das Glied fehlen könne, ist ihm eine un- heimliche, unerträgliche Vorstellung, er versucht darum eine vermittelnde Entscheidung : das Glied sei auch beim Mädchen vorhanden, aber es sei noch sehr klein; es werde später wachsen. 1 ) Scheint sich diese Erwartung bei späteren Beobach- tungen nicht zu erfüllen, so bietet sich ihm ein anderer Aus- weg. Das Glied war auch beim kleinen Mädchen da, aber es ist abgeschnitten worden, an seiner Stelle ist eine Wunde ge- blieben. Dieser Fortschritt der Theorie verwertet bereits eigene Erfahrungen von peinlichem Charakter; er hat unterdeß die Drohung gehört, daß man ihm das teure Organ wegnehmen wird, wenn er sein Interesse dafür allzu deutlich betätigt. Unter dem Einfluß dieser Kastrationsandrohung deutet er jetzt seine Auffassung des weiblichen Genitales um ; er wird von nun an für seine Männlichkeit zittern, dabei aber die unglücklichen

') Vgl. die Beobachtungen im Jahrbuch für psychoanalyt. u. psycho- path. Forschungen, Bd. I, 1909.


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EINE KINDHEITSERINNERUNG


Geschöpfe verachten, an denen nach seiner Meinung die grau- same Bestrafung bereits vollzogen worden ist.

Ehe das Kind unter die Herrschaft des Kastrations- komplexes geriet, zur Zeit, als ihm das Weib noch als voll- wertig galt, begann eine intensive Schaulust als erotische Triebbetätigung sich bei ihm zu äußern. Es wollte die Ge- nitalien anderer Personen sehen, ursprünglich wahrscheinlich, um sie mit den eigenen zu vergleichen. Die erotische An- ziehung, die von der Person der Mutter ausging, gipfelte bald in der Sehnsucht nach ihrem für einen Penis gehaltenen Genitale. Mit der erst spät erworbenen Erkenntnis, daß das Weib keinen Penis besitzt, schlägt diese Sehnsucht oft in ihr Gegenteil um, macht einem Abscheu Platz, der in den Jahren der Pubertät zur Ursache der psychischen Impotenz, der Misogynie, der dauernden Homosexualität werden kann. Aber die Fixierung an das einst heiß begehrte Objekt, den Penis des Weibes, hinterläßt unauslöschliche Spuren im Seelenleben des Kindes, welches jenes Stück infantiler Sexualforschung mit besonderer Vertiefung durchgemacht hat. Die fetischartige Verehrung des weiblichen Fußes und Schuhes scheint den Fuß nur als Ersatzsymbol für das einst verehrte, seither vermißte Glied des Weibes zu nehmen; die »Zopfabschneider« spielen, ohne es zu wissen, die Rolle von Personen, die am weiblichen Genitale den Akt der Kastration ausführen.

Man wird zu den Betätigungen der kindlichen Sexualität kein richtiges Verhältnis gewinnen und wahrscheinlich zur Auskunft greifen, diese Mitteilungen für unglaubwürdig zu erklären, solange man den Standpunkt unserer kulturellen Geringschätzung der Genitalien und der Geschlechtsfunktionen überhaupt nicht verläßt. Zum Verständnis des kindlichen Seelenlebens bedarf es urzeitlicher Analogien. Für uns sind die Genitalien schon seit einer langen Reihe von Generationen die Pudenda, Gegenstände der Scham, und bei weiter ge- diehener Sexualverdrängung sogar des Ekels. Widerwillig fügen sich die heute Lebenden in ihrer Mehrheit den Geboten der Fortpflanzung und fühlen sich dabei in ihrer mensch- lichen Würde gekränkt und herabgesetzt. Was an anderer


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Auffassung des Geschlechtslebens unter uns vorhanden ist, hat sich auf die roh gebliebenen, niedrigen Volksschichten zurückgezogen, versteckt sich bei den höheren und ver- feinerten als kulturell minderwertig und wagt seine Betätigung nur unter den verbitternden Mahnungen eines schlechten Ge- wissens. Anders war es in den Urzeiten des Menschen- geschlechtes. Aus den mühseligen Sammlungen der Kultur- forscher kann man sich die Überzeugung holen, daß die Ge- nitalien ursprünglich der Stolz und die Hoffnung der Lebenden waren, göttliche Verehrung genossen und die Göttlichkeit ihrer Funktionen auf alle neu erlernten Tätigkeiten der Menschen übertrugen. Ungezählte Göttergestalten erhoben sich durch Sublimierung aus ihrem Wesen, und zur Zeit, da der Zusammenhang der offiziellen Religionen mit der Ge- schlechtstätigkeit bereits dem allgemeinen Bewußtsein ver- hüllt war, bemühten sich Geheimkulte, ihn bei einer Anzahl von Eingeweihten lebend zu erhalten. Endlich geschah es im Laufe der Kulturentwicklung, daß so viel Göttliches und Heiliges aus der Geschlechtlichkeit extrahiert war, bis der erschöpfte Rest der Verachtung verfiel. Aber bei der Unvertilgbarkeit, die in der Natur aller seelischen Spuren liegt, darf man sich nicht verwundern, daß selbst die primitivsten Formen von Anbetung der Genitalien bis in ganz rezente Zeiten nachzu- weisen sind, und daß Sprachgebrauch, Sitten und Aberglauben der heutigen Menschheit die Überlebsei von allen Phasen dieses Entwicklungsganges enthalten. 1 )

Wir sind durch gewichtige biologische Analogien darauf vorbereitet, daß die seelische Entwicklung des Einzelnen den Lauf der Menschheitsentwicklung abgekürzt wiederhole, und werden darum nicht unwahrscheinlich finden, was die psychoanalytische Erforschung der Kinderseele über die infan- tile Schätzung der Genitalien ergeben hat. Die kindliche An- nahme des mütterlichen Penis ist nun die gemeinsame Quelle, aus der sich die androgyne Bildung der mütterlichen Gott- heiten wie der ägyptischen Mut und die »Coda« des Geiers in Leo-

  • ) Vgl. Richard PayneKnight. Le culte du Priape. Traduit de

PAnglais, Bruxelles 1883.

Freud, Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci. 3

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34 EINE KINDHEITSERINNERUNG

nardos Kindheitsphantasie ableiten. Wir heißen ja diese Götter- darstellungen nur mißverständlich hermaphroditisch im ärzt- lichen Sinne des Wortes. Keine von ihnen vereinigt die wirk- lichen Genitalien beider Geschlechter, wie sie in manchen Mißbildungen vereinigt sind zum Abscheu jedes menschlichen Auges ; sie fügen bloß den Brüsten als Abzeichen der Mütter- lichkeit das männliche Glied hinzu, wie es in der ersten Vor- stellung des Kindes vom Leibe der Mutter vorhanden war. Die Mythologie hat diese ehrwürdige, uranfänglich phantasierte Körperbildung der Mutter für die Gläubigen erhalten. Die Hervorhebung des Geierschwanzes in der Phantasie Leo- nardos können wir nun so übersetzen : Damals, als sich meine zärtliche Neugierde auf die Mutter richtete, und ich ihr noch ein Genitale wie mein eigenes zuschrieb. Ein weiteres Zeugnis für die frühzeitige Sexualforschung Leonardos, die nach unserer Meinung ausschlaggebend für sein ganzes späteres Leben wurde.

Eine kurze Überlegung mahnt uns jetzt, daß wir uns mit der Aufklärung des Geierschwanzes in Leonardos Kind- heitsphantasie nicht begnügen dürfen. Es scheint mehr in ihr enthalten, was wir noch nicht verstehen. Ihr auffälligster Zug war doch, daß sie das Saugen an der Mutterbrust in ein Ge- säugtwerden, also in Passivität und damit in eine Situation von unzweifelhaft homosexuellem Charakter verwandelte. Ein- gedenk der historischen Wahrscheinlichkeit, daß sich Leonardo im Leben wie ein homosexuell Fühlender benahm, drängt sich uns die Frage auf, ob diese Phantasie nicht auf eine ursäch- liche Beziehung zwischen Leonardos Kinderverhältnis zu seiner Mutter und seiner späteren manifesten, wenn auch ideellen Homosexualität hinweist. Wir würden uns nicht getrauen, eine solche aus der entstellten Reminiszenz Leonardos zu erschließen, wenn wir nicht aus den psychoanalytischen Untersuchungen von homosexuellen Patienten wüßten, daß eine solche besteht, ja daß sie eine innige und notwendige ist.

Die homosexuellen Männer, die in unseren Tagen eine energische Aktion gegen die gesetzliche Einschränkung ihrer Sexualbetätigung unternommen haben, lieben es, sich durch


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ihre theoretischen Wortführer als eine von Anfang an ge- sonderte geschlechtliche Abart, als sexuelle Zwischenstufen, als »ein drittes Geschlecht« hinstellen zu lassen. Sie seien Männer, denen organische Bedingungen vom Keime an das Wohlgefallen am Mann aufgenötigt, das am Weibe versagt hätten. So gerne man nun aus humanen Rücksichten ihre Forderungen unter- schreibt, so zurückhaltend darf man gegen ihre Theorien sein, die ohne Berücksichtigung der psychischen Genese der Homo- sexualität aufgestellt worden sind. Die Psychoanalyse bietet die Mittel, diese Lücke auszufüllen und die Behauptungen der Homosexuellen der Probe zu unterziehen. Sie hat dieser Auf- gabe erst bei einer geringen Zahl von Personen genügen können, aber alle bisher vorgenommenen Untersuchungen brachten das nämliche überraschende Ergebnis. 1 ) Bei allen unseren homosexuellen Männern gab es in der ersten, vom Individuum später vergessenen, Kindheit eine sehr intensive erotische Bindung an eine weibliche Person, in der Regel an die Mutter, hervorgerufen oder begünstigt durch die Über- zärtlichkeit der Mutter selbst, ferner unterstützt durch ein Zurücktreten des Vaters im kindlichen Leben. Sadger hebt hervor, daß die Mütter seiner homosexuellen Patienten häufig Mannweiber waren, Frauen mit energischen Charakterzügen, die den Vater aus der ihm gebührenden Stellung drängen konnten; ich habe gelegentlich das gleiche gesehen, aber stärkeren Eindruck von jenen Fällen empfangen, in denen der Vater von Anfang an fehlte oder frühzeitig wegfiel, so daß der Knabe dem weiblichen Einfluß preisgegeben war. Sieht es doch fast so aus, als ob das Vorhandensein eines starken Vaters dem Sohne die richtige Entscheidung in der Objektwahl für das entgegengesetzte Geschlecht versichern würde.

Nach diesem Vorstadium tritt eine Umwandlung ein, deren Mechanismus uns bekannt ist, deren treibende Kräfte


') Es sind dies vornehmlich Untersuchungen von I. Sadger, die ich aus eigener Erfahrung im Wesentlichen bestätigen kann. Überdies ist mir be- kannt, daß W. Stekel in Wien und S. Ferenczi in Budapest zu den gleichen Resultaten gekommen sind.


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36 EINE KINDHEITSERINNERUNG

wir noch nicht erfassen. Die Liebe zur Mutter kann die weitere bewußte Entwicklung nicht mitmachen, sie verfällt der Ver- drängung. Der Knabe verdrängt die Liebe zur Mutter, indem er sich selbst an deren Stelle setzt, sich mit der Mutter identifiziert und seine eigene Person zum Vorbild nimmt, in dessen Ähnlichkeit er seine neuen Liebesobjekte auswählt. Er ist so homosexuell geworden ; eigentlich ist er in den Autoerotis- mus zurückgeglitten, da die Knaben, die der Heranwachsende jetzt liebt, doch nur Ersatzpersonen und Erneuerungen seiner eigenen kindlichen Person sind, die er so liebt, wie die Mutter ihn als Kind geliebt hat. Wir sagen, er findet seine Liebes- objekte auf dem Wege des Narzißmus, da die griechische Sage einen Jüngling Narzissus nennt, dem nichts so wohl gefiel wie das eigene Spiegelbild, und der in die schöne Blume dieses Namens verwandelt wurde.

Tiefer reichende psychologische Erwägungen rechtfertigen die Behauptung, daß der auf solchem Wege homosexuell Ge- wordene im Unbewußten an das Erinnerungsbild seiner Mutter fixiert bleibt. Durch die Verdrängung der Liebe zur Mutter kon- serviert er dieselbe in seinem Unbewußten und bleibt von nun an der Mutter treu. Wenn er als Liebhaber Knaben nachzulaufen scheint, so läuft er in Wirklichkeit vor den anderen Frauen davon, die ihn untreu machen könnten. Wir haben auch durch direkte Einzelbeobachtung nachweisen können, daß der scheinbar nur für männlichen Reiz Empfängliche in Wahrheit der Anziehung, die vom Weibe ausgeht, unterliegt wie ein Normaler ; aber er beeilt sich jedesmal, die vom Weibe empfangene Erregung auf ein männliches Objekt zu überschreiben und wiederholt auf solche Weise immer wieder den Mechanismus, durch den er seine Homosexualität erworben hat.

Es liegt uns ferne, die Bedeutung dieser Aufklärungen über die psychische Genese der Homosexualität zu übertreiben. Es ist ganz unverkennbar, daß sie den offiziellen Theorien der homosexuellen Wortführer grell widersprechen, aber wir wissen, daß sie nicht umfassend genug sind, um eine end- gültige Klärung des Problems zu ermöglichen. Was man aus praktischen Gründen Homosexualität heißt, mag aus mannig-


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DES LEONARDO DA VINCI. 37

faltigen psychosexuellen Hemmungsprozessen hervorgehen, und der von uns erkannte Vorgang ist vielleicht nur einer unter vielen und bezieht sich nur auf einen Typus von »Homosexualität*. Wir müssen auch zugestehen, daß bei unserem homosexuellen Typus die Anzahl der Fälle, in denen die von uns geforderten Bedingungen aufzeigbar sind, weitaus die jener Fälle übersteigt, in denen der abgeleitete Effekt wirklich eintritt, so daß auch wir die Mitwirkung unbekannter konstitutioneller Faktoren nicht abweisen können, von denen man sonst das Ganze der Homosexualität abzuleiten pflegt. Wir hätten überhaupt keinen Anlaß gehabt, auf die psychische Genese der von uns studierten Form von Homosexualität ein- zugehen, wenn nicht eine starke Vermutung dafür spräche, daß gerade Leonardo, von dessen Geierphantasie wir ausge- gangen sind, diesem einen Typus der Homosexuellen angehört.

So wenig Näheres über das geschlechtliche Verhalten des großen Künstlers und Forschers bekannt ist, so darf man sich doch der Wahrscheinlichkeit anvertrauen, daß die Aus- sagen seiner Zeitgenossen nicht im Gröbsten irre gingen. Im Lichte dieser Überlieferungen erscheint er uns also als ein Mann, dessen sexuelle Bedürftigkeit und Aktivität außerordent- lich herabgesetzt war, als hätte ein höheres Streben ihn über die gemeine animalische Not der Menschen erhoben. Es mag dahingestellt bleiben, ob er jemals und auf welchem Wege er die direkte sexuelle Befriedigung gesucht, oder ob er ihrer gänzlich entraten konnte. Wir haben aber ein Recht, auch bei ihm nach jenen Gefühlsströmungen zu suchen, die andere gebieterisch zur sexuellen Tat drängen, dfenn wir können kein menschliches Seelenleben glauben, an dessen Aufbau nicht das sexuelle Begehren im weitesten Sinne, die Libido, ihren Anteil hätte, mag dasselbe sich auch weit vom ursprüng- lichen Ziel entfernt oder von der Ausführung zurückgehalten haben.

Anderes als Spuren von unverwandelter sexueller Neigung werden wir bei Leonardo nicht erwarten dürfen. Diese weisen aber nach einer Richtung und gestatten, ihn noch den Homo- sexuellen zuzurechnen. Es wurde von jeher hervorgehoben,


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88 EINE KIKDHEITSERINNERÜNG

daß er nur auffällig schöne Knaben und Jünglinge zu seinen Schulern nahm. Er war gütig und nachsichtig gegen sie, be- sorgte sie und pflegte sie selbst, wenn sie krank waren, wie eine Mutter ihre Kinder pflegt, wie seine eigene Mutter ihn betreut haben mochte. Da er sie nach ihrer Schönheit und nicht nach ihrem Talent ausgewählt hatte, wurde keiner von ihnen : Cesare da Sesto, G. Boltraffio, Andrea Salaino, Fran- cesco Melzi u. a., ein bedeutender Maler. Meist brachten sie es nicht dazu, ihre Selbständigkeit vom Meister zu erringen, sie verschwanden nach seinem Tode, ohne der Kunstgeschichte eine bestimmtere Physiognomie zu hinterlassen. Die anderen, die sich nach ihrem Schaffen mit Recht seine Schüler nennen durften, wie Luini und Bazzi, genannt Sodoma, hat er wahrscheinlich persönlich nicht gekannt.

Wir wissen, daß wir der Einwendung zu begegnen haben, das Verhalten Leonardos gegen seine Schüler habe mit ge- schlechtlichen Motiven überhaupt nichts zu tun und gestatte keinen Schluß auf eine sexuelle Eigenart. Dagegen wollen wir mit aller Vorsicht geltend machen, daß unsere Auffassung einige sonderbare Züge im Benehmen des Meisters aufklärt, die sonst rätselhaft bleiben müßten. Leonardo führte ein Tagebuch ; er machte in seiner kleinen, von rechts nach links geführten Schrift Aufzeichnungen, die nur für ihn bestimmt waren. In diesem Tagebuch redete er sich bemerkenswerter Weise mit »du« an: »Lerne bei Meister Luca die Multiplika- tion der Wurzeln.« 1 ) »Laß dir vom Meister d'Abacco die Quadratur des Zirkels zeigen.« 1 ) — Oder bei Anlaß einer Reise: 2 ) »Ich gehe meiner Gartenangelegenheit wegen nach Mailand .... Lasse zwei Tragsäcke machen. Lasse dir die Drechselbank von Boltraffio zeigen und einen Stein darauf bearbeiten. — Lasse das Buch dem Meister Andrea il To- desco.« 8 ) Oder, ein Vorsatz von ganz anderer Bedeutung:

') Edm.Solmi. Leonardo da Vinci. Deutsche Übersetzung, 1908, p. 152.

  • ) Solmi. Leonardo da Vinci, p. 203.
  • ) Leonardo benimmt sich dabei wie jemand der gewöhnt war, einer

anderen Person seine tägliche Beichte abzulegen, und der sich jetzt diese Person durch das Tagebuch ersetzt. Eine Vermutung, wer das gewesen sein mag, siehe bei Mereschkowsk i, S. 367.


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»Du hast in deiner Abhandlung zu zeigen, daß die Erde ein Stern ist, wie der Mond oder ungefähr, und so den Adel un- serer Welt zu erweisen.« 1 )

In diesem Tagebuch, welches übrigens — wie die Tagebücher anderer Sterblicher — oft die bedeutsamsten Begebenheiten des Tages nur mit wenigen Worten streift oder völlig ver- schweigt, finden sich einige Eintragungen, die ihrer Sonder- barkeit wegen von allen Biographen Leonardos zitiert werden. Es sind Aufzeichnungen über kleine Ausgaben des Meisters von einer peinlichen Exaktheit, als sollten sie von einem philiströs gestrengen und sparsamen Hausvater herrühren, während die Nachweise über die Verwendung größerer Summen fehlen und nichts sonst dafür spricht, daß der Künstler sich auf Wirt- schaft verstanden habe. Eine dieser Aufschreibungen betrifft einen neuen Mantel, den er dem Schüler Andrea Salaino gekauft : 2 )

»Silberbrokat 15 Lire 4 Soldi

Roten Samt zum Besatz 9 » — »

Schnüre — » 9

Knöpfe — » 12

Eine andere sehr ausführliche Notiz stellt alle die Aus- gaben zusammen, die ihm ein anderer Schüler 3 ) durch seine schlechten Eigenschaften und seine Neigung zum Diebstahl verursacht: »Am Tage 21 des April 1490 begann ich dieses Buch und begann wieder das Pferd. 4 ) Jacomo kam zu mir am Magdalenentage tausend 490, im Alter von 10 Jahren. (Rand- bemerkung: diebisch, lügnerisch, eigensinnig, gefräßig.) Am zweiten Tage ließ ich ihm zwei Hemden schneiden, ein Paar Hosen und einen Wams, und als ich mir das Geld beiseite legte, um genannte Sachen zu bezahlen, stahl er mir das Geld aus der Geldtasche, und war es nie möglich, ihn das beichten zu machen, obwohl ich davon eine wahre Sicherheit hatte (Randnote: 4 Lire ...).« So geht der Bericht über die Misse-

x ) M. Herzfeld. Leonardo da Vinci, 1906, p. CXLI. 8 ) Der Wortlaut nach Mereschkowski 1. c, p. 282. 8 ) oder Modell. 4 ) Vom Reiterdenkmal des Francesco Sforza.


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40 EINE KIXDHEIT8ERINNERÜNG

taten des Kleinen weiter und schließt mit der Kostenrechnung : »Im ersten Jahr, ein Mantel, Lire 2; 6 Hemden, Lire 4; 3 Wämser, Lire 6; 4 Paar Strumpfe, Lire 7 u. s. w.^ 1 )

Die Biographen Leonardos, denen nichts ferner liegt, als die Rätsel im Seelenleben ihres Helden aus seinen kleinen Schwächen und Eigenheiten ergründen zu wollen, pflegen an diese sonderbaren Verrechnungen eine Bemerkung anzu- knüpfen, welche die Güte und Nachsicht des Meisters gegen seine Schüler betont. Sie vergessen daran, daß nicht Leo- nardos Benehmen, sondern die Tatsache, daß er uns diese Zeugnisse desselben hinterließ, einer Erklärung bedarf. Da man ihm unmöglich das Motiv zuschreiben kann, uns Belege für seine Gutmütigkeit in die Hände zu spielen, müssen wir die Annahme machen, daß ein anderes, affektives Motiv ihn zu diesen Niederschriften veranlaßt hat. Es ist nicht leicht zu erraten, welches, und wir würden keines anzugeben wissen, wenn nicht eine andere unter Leonardos Papieren gefundene Rechnung ein helles Licht auf diese seltsam kleinlichen No- tizen über Schülerkleidungen u. dgl. würfe:*)

»Auslagen nach dem Tode zum Begräbnis der

Katharina 27 florins

2 Pfund Wachs 18

Katafalk 12

Für das Tragen und Aufrichten des Kreuzes . . 4

Leichenträger 8 »

An 4 Geistliche und 4 Kleriker 20 »

Glockenläuten 2 *

Den Totengräbern 16 »

Für die Genehmigung — den Beamten 1

Summa . . . 108 florins Frühere Auslagen :

Dem Arzte 4 florins

Für Zucker und Lichte 12 - 16


Summa Summarum. . . 124 florins.*

  • ) Der volle» Wortlaut bei M. Herzfeld 1. c, p. XLV.

a ) Mo res Hi kowsk i I. e. f p. 37*2. — Als betrübenden Beleg für die Unsicherheit der ohnedies spärlichen Nachrichten über Leonardos intimes Leben erwähne Mi. dafl die «deiche Kostenrechnung bei Solmi (deutsche


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DES LEONARDO DA VINCI. 41

Der Dichter Mereschkowski ist der einzige, der uns zu sagen weiß, wer diese Katharina war. Aus zwei anderen kurzen Notizen erschließt er, daß die Mutter Leonardos, die arme Bäuerin aus Vinci, im Jahre 1493 nach Mailand gekom- men war, um ihren damals 41jährigen Sohn zu besuchen, daß sie dort erkrankte, von Leonardo im Spital untergebracht, und als sie starb, von ihm unter so ehrenvollem Aufwand zu Grabe gebracht worden sei. 1 )

Erweisbar ist diese Deutung des seelenkundigen Roman- schreibers nicht, aber sie kann auf so viel innere Wahrschein- lichkeit Anspruch machen, stimmt so gut zu allem, was wir sonst von Leonardos Gefühls betätigung wissen, daß ich mich nicht enthalten kann, sie als richtig anzuerkennen. Er hatte es zu stände gebracht, seine Gefühle unter das Joch der For- schung zu zwingen und den freien Ausdruck derselben zu hemmen ; aber es gab auch für ihn Fälle, in denen das Unter- drückte sich eine Äußerung erzwang, und der Tod der einst so heiß geliebten Mutter war ein solcher. In dieser Rechnung über die Begräbniskosten haben wir die bis zur Unkenntlich- keit entstellte Äußerung der Trauer um die Mutter vor uns. Wir verwundern uns, wie solche Entstellung zu stände kommen konnte, und können es auch unter den Gesichtspunkten der normalen seelischen Vorgänge nicht verstehen. Aber unter den abnormen Bedingungen der Neurosen und ganz be- sonders der sogenannten Zwangsneurose ist uns ähnliches wohlbekannt. Dort sehen wir die Äußerung intensiver, aber durch Verdrängung unbewußt gewordener Gefühle auf gering- fügige, ja läppische Verrichtungen verschoben. Es ist den widerstrebenden Mächten gelungen, den Ausdruck dieser ver- drängten Gefühle so sehr zu erniedrigen, daß man die Inten-

Übersctzung, p. 104) mit erheblichen Abänderungen wiedergegeben ist. Am bedenklichsten erscheint, daß die Florins in ihr durch Soldi ersetzt sind. Man darf annehmen, daß in dieser Rechnung Florins nicht die alten Goldgulden, sondern die später gebräuchliche Rechnungsgroße, die l'/s I-ire oder 33 l 3 Soldi gleich- kommt, bedeuten. — Solmi macht die Katharina zu einer Magd, die Leonardos Hauswesen durch eine gewisse Zeit geleitet hatte. Die Quelle, aus der die beiden Darstellungen dieser Rechnung geschöpft haben, winde mir nicht zugänglich.

  • ) Katharina ist am t6. Juli 1493 eingetroffen. — Giovannina —

ein märchenhaftes Gesicht — frage bei Katharina im Krankenhause nach.


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42 EINE KINDHEITSERINNERUXG

sität dieser Gefühle für eine höchst geringfügige einschätzen müßte ; aber in dem gebieterischen Zwang, mit dem sich diese kleinliche Ausdruckshandlung durchsetzt, verrät sich die wirk- liche, im Unbewußten wurzelnde Macht der Regungen, die das Bewußtsein verleugnen möchte. Nur ein solcher Anklang an das Geschehen bei der Zwangsneurose kann die Leichenkosten- rechnung Leonardos beim Tode seiner Mutter erklären. Im Unbewußten war er noch wie in Kinderzeiten durch erotisch gefärbte Neigung an sie gebunden ; der Widerstreit der später eingetretenen Verdrängung dieser Kinderliebe gestattete nicht, daß ihr im Tagebuche ein anderes, würdigeres Denkmal ge- setzt werde, aber was sich als Kompromiß aus diesem neuro- tischen Konflikt ergab, das mußte ausgeführt werden, und so wurde die Rechnung eingetragen und kam als Unbegreiflich- keit zur Kenntnis der Nachwelt.

Es scheint kein Wagniß, die an der Leichenrechnung ge- wonnene Einsicht auf die Schülerkostenrechnungen zu über- tragen. Demnach wäre auch dies ein Fall, in dem sich bei Leonardo die spärlichen Reste libidinöser Regungen zwangsartig einen entstellten Ausdruck schufen. Die Mutter und die Schüler, die Ebenbilder seiner eigenen knabenhaften Schönheit, wären seine Sexualobjekte gewesen — soweit die sein Wesen beherrschende Sexualverdrängung eine solche Kennzeichnung zuläßt — , und der Zwang, die für sie gemachten Ausgaben mit peinlicher Ausführlichkeit zu notieren, wäre der befremdliche Verrat dieser rudimentären Konflikte. Es würde sich so ergeben, daß Leonardos Liebesleben wirklich dem Typus von Homosexualität angehört, dessen psychische Ent- wicklung wir aufdecken konnten, und das Auftreten der homosexuellen Situation in seiner Geierphantasie würde uns verständlich, denn es besagte nichts anderes, als was wir vorhin von jenem Typus behauptet haben. Es erforderte die Übersetzung: Durch diese erotische Beziehung zur Mutter bin ich ein Homosexueller geworden. 1 )

') Die Ausdrucksformen, in denen sich die verdrängte Libido bei Leonardo äußern darf, Umständlichkeit und Geldinteresse, gehören den aus der Anal- erotik hervorgegangenen Charakterzügen an. Vgl. : Charakter und Analcrotik in der Zweiten Folge meiner Sammlung zur Xeurosenlehre, 1909.


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IV.

Die Geierphantasie Leonardos hält uns noch immer fest. In Worten, welche nur allzudeutlich an die Beschreibung eines Sexualaktes anklingen (»und hat viele Male mit seinem Schwanz gegen meine Lippen gestoßen«), betont Leonardo die Inten- sität der erotischen Beziehungen zwischen Mutter und Kind. Es hält nicht schwer, aus dieser Verbindung der Aktivität der Mutter (des Geiers) mit der Hervorhebung der Mund- zone einen zweiten Erinnerungsinhalt der Phantasie zu er- raten. Wir können übersetzen : Die Mutter hat mir ungezählte leidenschaftliche Küsse auf den Mund gedrückt. Die Phan- tasie ist zusammengesetzt aus der Erinnerung an das Gesäugt- werden und an das Geküßtwerden durch die Mutter.

Dem Künstler hat eine gütige Natur gegeben, seine ge- heimsten, ihm selbst verborgenen Seelenregungen durch Schöp- fungen zum Ausdruck zu bringen, welche die Anderen, dem Künstler Fremden, mächtig ergreift, ohne daß sie selbst an- zugeben wüßten, woher diese Ergriffenheit rührt. Sollte in dem Lebenswerk Leonardos nichts Zeugnis ablegen von dem, was seine Erinnerung als den stärksten Eindruck seiner Kind- heit bewahrt hat? Man müßte es erwarten. Wenn man aber erwägt, was für tiefgreifende Umwandlungen ein Lebensein- druck des Künstlers durchzumachen hat, ehe er seinen Bei- trag zum Kunstwerk stellen darf, wird man gerade bei Leo- nardo den Anspruch auf Sicherheit des Nachweises auf ein ganz bescheidenes Maß herabsetzen müssen.

Wer an Leonardos Bilder denkt, den wird die Erinne- rung an ein merkwürdiges, berückendes und rätselhaftes Lächeln mahnen, das er auf die Lippen seiner weiblichen Figuren gezaubert hat. Ein stehendes Lächeln auf langgezo- genen, geschwungenen Lippen ; es ist für ihn charakteristisch geworden und wird vorzugsweise »Leonardesk« genannt. In dem fremdartig schönen Antlitz der Florentinerin Monna Lisa del Giocondo hat es die Beschauer am stärksten ergriffen und in Verwirrung gebracht. Dies Lächeln verlangte nach einer Deutung und fand die verschiedenartigsten, von denen keine befriedigte. »Voilä quatre sifecles bientöt que Mona Lisa fait


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perdre la tete ä tous ceux qui parlent (Teile, aprfes l'avoir longtemps regardee.« *)

Mut her: 2 ) »Was den Betrachter namentlich bannt, ist der dämonische Zauber dieses Lächelns. Hunderte von Dichtern und Schriftstellern haben über dieses Weib geschrieben, das bald verführerisch uns anzulächeln, bald kalt und seelenlos ins Leere zu starren scheint, und niemand hat ihr Lächeln ent- rätselt, niemand ihre Gedanken gedeutet. Alles, auch die Landschaft ist geheimnisvoll traumhaft, wie in gewitter- schwüler Sinnlichkeit zitternd.« 

Die Ahnung, daß sich in dem Lächeln der Monna Lisa zwei verschiedene Elemente vereinigen, hat sich bei mehreren Beurteilern geregt. Sie erblicken darum in dem Mienenspiel der schönen Florentinerin die vollkommenste Darstellung der Gegensätze, die das Liebesleben des Weibes beherrschen, der Reserve und der Verführung, der hingebungsvollen Zärtlich- keit und der rücksichtlos heischenden, den Mann wie etwas Fremdes verzehrenden Sinnlichkeit. So äußert Müntz: 3 ) On sait quelle enigme indechiffrable et passionante Monna Lisa Gioconda ne cesse depuis bientöt quatre stecles, de proposer aux admirateurs presses devant eile. Jamais artiste (j'em- prunte la plume du delicat ecrivain qui se cache sous le Pseu- donyme de Pierre de Corlay) »a-t-il traduit ainsi J Tessence meme de la feminite : tendresse et coquetterie, pudeur et sourde volupte, tout le mystere d'un coeur qui se reserve, d'un cerveau qui reflechit, d'une personnalite qui se garde

et ne livre d'elle-meme que son rayonnement « Der

Italiener Angelo Conti 4 ) sieht das Bild im Louvre von einem Sonnenstrahl belebt. »La donna sorrideva in una calma regale : i suoi instinti di conquista, di ferocia, tutta l'eredita della specie, la volontä della seduzione e dell' agguato, la grazia del inganno, la bontä che cela un proposito crudele, tutto cio appariva alternativamente e scompariva dietro il velo


') Gm vor nach Seidlitz. L. da V., II. B., p. 280.

  • ) Geschichte der Malerei, Bd. I, p. 314.
) L. c. p. 417.
  • ) A. Conti. Leonardo pittore, Conferenze fiorentine 1. c, p. 93.


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ridente e si fondeva nel poema del suo sorriso Buona

e malvaggia, crudele e compassionevole, graziosa e felina, ella rideva « 

Leonardo malte vier Jahre an diesem Bilde, vielleicht von 1503 bis 1507, während seines zweiten Aufenthaltes in Florenz, selbst über 50 Jahre alt. Er wendete nach Vasaris Bericht die ausgesuchtesten Künste an, um die Dame während der Sitzungen zu zerstreuen und jenes Lächeln auf ihren Zügen festzuhalten. Von all den Feinheiten, die sein Pinsel damals auf der Leinwand wiedergab, hat das Bild in seinem heutigen Zustand wenig nur bewahrt ; es galt, als es im Entstehen war, als das höchste, was die Kunst leisten könnte; sicher ist aber, daß es Leonardo selbst nicht befriedigte, daß er es für nicht vollendet erklärte, dem Besteller nicht ablieferte und mit sich nach Frankreich nahm, wo sein Beschützer Franz I. es von ihm für das Louvre erwarb.

Lassen wir das physiognomische Rätsel der Monna Lisa ungelöst und verzeichnen wir die unzweifelhafte Tatsache, daß ihr Lächeln den Künstler nicht minder stark fasziniert hat, als alle die Beschauer seit 400 Jahren. Dies berückende Lächeln kehrt seitdem auf allen seinen Bildern und den seiner Schüler wieder. Da die Monna Lisa Leonardos ein Porträt ist, können wir nicht annehmen, er habe ihrem Angesicht aus eigenem einen so ausdrucksschweren Zug geliehen, den sie selbst nicht besaß. Es scheint, wir können kaum anders als glauben, daß er dies Lächeln bei seinem Modell fand und so sehr unter dessen Zauber geriet, daß er von da an die freien Schöpfungen seiner Phantasie mit ihm ausstattete. Dieser naheliegenden Auffassung gibt z. B. A. Konstan- tin o w a x ) Ausdruck :

»Während der langen Zeit, in welcher sich der Meister mit dem Porträt der Monna Lisa del Giocondo beschäftigte, hatte er sich mit solcher Teilnahme des Gefühls in die phy- siognomischen Feinheiten dieses Frauenantlitzes hineingelebt, daß er diese Züge — besonders das geheimnisvolle Lächeln


l ) L. c. p. 45.


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und den seltsamen Blick — auf alle Gesichter übertrug, welche er in der Folge malte oder zeichnete ; die mimische Eigen- tümlichkeit der Gioconda kann selbst auf dem Bilde Johannes des Täufers im Louvre wahrgenommen werden ; — vor allem aber sind sie in Marias Gesichtszügen auf dem Anna Selbdritt- Bilde deutlich erkennbar.« 

Allein es kann auch anders zugegangen sein. Das Be- dürfnis nach einer tieferen Begründung jener Anziehung, mit welcher das Lächeln der Gioconda den Künstler ergriff, um ihn nicht mehr freizulassen, hat sich bei mehr als einem seiner Biographen geregt. W. Pater, der in dem Bilde der Monna Lisa die »Verkörperung aller Liebeserfahrung der Kultur- menschheit« sieht, und sehr fein »jenes unergründliche Lächeln, welches bei Leonardo stets wie mit etwas Unheilverkündendem verbunden scheint,« behandelt, führt uns auf eine andere Spur, wenn er äußert : l )

»Übrigens ist das Bild ein Porträt. Wir können ver- folgen, wie es sich von Kindheit auf in das Gewebe seiner Träume mischt, so daß man, sprächen nicht ausdrückliche Zeugnisse dagegen, glauben möchte, es sei sein endlich gefun- denes und verkörpertes Frauenideal « 

Etwas ganz Ähnliches hat wohl M. Herzfeld im Sinne, wenn sie ausspricht, in der Monna Lisa habe Leonardo sich selbst begegnet, darum sei es ihm möglich geworden, soviel von seinem eigenen Wesen in das Bild einzutragen, »dessen Züge von jeher in rätselhafter Sympathie in Leonardos Seele gelegen haben.« 2 )

Versuchen wir diese Andeutungen zur Klarheit zu ent- wickeln. Es mag also so gewesen sein, daß Leonardo vom Lächeln der Monna Lisa gefesselt wurde, weil dieses etwas in ihm aufweckte, was seit langer Zeit in seiner Seele geschlum- mert hatte, eine alte Erinnerung wahrscheinlich. Diese Erin- nerung war bedeutsam genug, um ihn nicht mehr loszulassen, nachdem sie einmal erweckt worden war; er mußte ihr immer

  • ) W. Pater. Die Renaissance. 2. Aufl., 1906, p. 157. (Aus dem

Englischen.)

2 ) M. Herzfeld. L. d. V., p. LXXXVIII.


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wieder neuen Ausdruck geben. Die Versicherung Paters, daß wir verfolgen können, wie sich ein Gesicht, wie das der Monna Lisa, von Kindheit auf in das Gewebe seiner Träume mischt, scheint glaubwürdig und verdient wörtlich verstanden zu werden.

Vasari erwähnt als seine ersten künstlerischen Versuche >teste di femmine, che ridono« 1 ). Die Stelle, die ganz unver- dächtig ist, weil sie nichts erweisen will, lautet vollständiger in deutscher Übersetzung : *) »indem er in seiner Jugend einige lachende weibliche Köpfe aus Erde formte, die in Gyps ver- vielfältigt wurden, und einige Kinderköpfe, so schön, als ob sie von Meisterhand gebildet wären , p. 6.« 

Wir erfahren also, daß seine Kunstübung mit der Dar- stellung von zweierlei Objekten begann, die uns an die zweierlei Sexualobjekte mahnen müssen, welche wir aus der Analyse seiner Geierphantasie erschlossen haben. Waren die schönen Kinder- köpfe Vervielfältigungen seiner eigenen kindlichen Person, so sind die lächelnden Frauen nichts anderes als Wiederholungen der Catarina, seiner Mutter, und wir beginnen die Möglich- keit zu ahnen, daß seine Mutter das geheimnisvolle Lächeln besessen, das er verloren hatte, und das ihn so fesselte, als er es bei der Florentiner Dame widerfand. 3 )

Das Gemälde Leonardos, welches der Monna Lisa zeitlich am nächsten steht, ist die sogenannte »heilige Anna selbdritt< , die heilige Anna mit Maria und dem Christusknaben. Es zeigt das leonardeske Lächeln in schönster Ausprägung an beiden Frauenköpfen. Es ist nicht zu ermitteln, um wieviel früher oder später als das Porträt der Monna Lisa Leonardo daran zu malen begann. Da beide Arbeiten sich über Jahre er- streckten, darf man wohl annehmen, daß sie den Meister gleichzeitig beschäftigten. Zu unserer Erwartung würde es

  • ) Bei Scognamiglio 1. c, p. 32.
  • ) Von L. Schorn, III. Bd., 1843, p. 6.
  • ) Das nämliche nimmt Mereschkowski an, der doch für Leonardo

eine Kindheitsgeschichte imaginiert, welche in den wesentlichen Punkten von unseren, aus der Geierphantasie geschöpften, Ergebnissen abweicht Wenn aber Leonardo selbst dies Lächeln gezeigt hätte, so hätte die Tradition es wohl kaum unterlassen, uns dies Zusammentreffen zu berichten.


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am besten stimmen, wenn gerade die Vertiefung in die Züge der Monna Lisa Leonardo angeregt hätte, die Komposition der hl. Anna aus seiner Phantasie zu gestalten. Denn wenn das Lächeln der Gioconda die Erinnerung an die Mutter in ihm heraufbeschwor, so verstehen wir, daß es ihn zunächst dazu trieb, eine Verherrlichung der Mütterlichkeit zu schaffen, und das Lächeln, das er bei der vornehmen Dame gefunden hatte, der Mutter wiederzugeben. So dürfen wir denn unser Interesse vom Porträt der Monna Lisa auf dies andere, kaum minder schöne Bild, das sich jetzt auch im Louvre befindet, hinübergleiten lassen.

Die heilige Anna mit Tochter und Enkelkind ist ein in der italienischen Malerei selten behandelter Gegenstand ; die Darstellung Leonardos weicht jedenfalls weit von allen sonst bekannten ab. Muther sagt: 1 )

»Einige Meister, wie Hans Fries, der ältere Holbein und Girolamo dai Libri, ließen Anna neben Maria sitzen und stellten zwischen beide das Kind. Andere, wie Jakob Cornelisz in seinem Berliner Bilde, zeigten im eigentlichen Wortsinn die »heilige Anna selbdritt«, das heißt, sie stellten sie dar, wie sie im Arme das kleine Figürchen Marias hält, auf dem das noch kleinere des Christkindes sitzt«. Bei Leonardo sitzt Maria auf dem Schöße ihrer Mutter vorgeneigt und greift mit beiden Armen nach dem Knaben, der mit einem Lämmchen spielt, es wohl ein wenig mißhandelt. Die Großmutter hat den einen unverdeckten Arm in die Hüfte gestemmt und blickt mit seligem Lächeln auf die beiden herab. Die Gruppierung ist gewiß nicht ganz ungezwungen. Aber das Lächeln, welches auf den Lippen beider Frauen spielt, hat, obwohl unverkenn- bar dasselbe wie im Bilde der Monna Lisa, seinen unheim- lichen und rätselhaften Charakter verloren ; es drückt Innig- keit und stille Seligkeit aus. *)


l ) L. c. p. 309.

a ) A. Konstantin owa 1. c: »Maria schaut voll Innigkeit zu ihrem Liebling herab, mit einem Lächeln, das an den rätselhaften Ausdruck der Giocondo erinnert,- und anderswo von der Maria: -Um ihre Züge schwebt das Lächeln der Gioconda."


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Bei einer gewissen Vertiefung in dieses Bild kommt es wie ein plötzliches Verständnis über den Beschauer: Nur Leonardo konnte dieses Bild malen, wie nur er die Geier- phantasie dichten konnte. In dieses Bild ist die Synthese seiner Kindheitsgeschichte eingetragen; die Einzelheiten desselben sind aus den allerpersönlichsten Lebenseindrücken Leonardos erklärlich. Im Hause seines Vaters fand er nicht nur die gute Stiefmutter Donna Albiera, sondern auch die Großmutter, Mutter seines Vaters, Monna Lucia, die, wir wollen es an- nehmen, nicht unzärtlicher gegen ihn war, als Großmütter zu sein pflegen. Dieser Umstand mochte ihm die Darstellung der von Mutter und Großmutter behüteten Kindheit nahe- bringen. Ein anderer auffälliger Zug des Bildes gewinnt eine noch größere Bedeutung. Die hl. Anna, die Mutter der Maria und Großmutter des Knaben, die eine Matrone sein müßte, ist hier vielleicht etwas reifer und ernster als die hl. Maria, aber noch als junge Frau von unverwelkter Schönheit gebildet. Leonardo hat in Wirklichkeit dem Knaben zwei Mütter ge- geben, eine, die die Arme nach ihm ausstreckt, und eine andere im Hintergrunde, und beide mit dem seligen Lächeln des Mutterglückes ausgestattet. Diese Eigentümlichkeit des Bildes hat nicht verfehlt, die Verwunderung der Autoren zu erregen ; Mut her meint z. B., daß Leonardo sich nicht entschließen konnte, Alter, Falten und Runzeln zu malen und darum auch Anna zu einer Frau von strahlender Schönheit machte. Ob man sich mit dieser Erklärung zufrieden geben kann ? Andere haben zur Auskunft gegriffen, die »Gleichaltrigkeit von Mutter und Tochter« überhaupt in Abrede zu stellen. *) Aber der Muth ersehe Erklärungsversuch genügt wohl für den Beweis, daß der Eindruck von der Verjüngung der hl. Anna dem Bilde entnommen und nicht durch eine Tendenz vorge- täuscht ist.

Leonardos Kindheit war gerade so merkwürdig gewesen wie dieses Bild. Er hatte zwei Mütter gehabt, die erste seine wahre Mutter, die Catarina, der er im Alter zwischen drei und fünf Jahren entrissen wurde, und eine junge und zärtliche Stief-

') S. v. Seidlitz 1. c, II. Bd., p. 274, Anmerkungen. Freud, Eine Kindhcitserinnerung des Leonardo da Vinci. 4


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mutter, die Frau seines Vaters, Donna Albiera. Indem er diese Tatsache seiner Kindheit mit der ersterwähnten zusammen- zog, sie zu einer Mischeinheit verdichtete, gestaltete sich ihm die Komposition der hl. Anna selbdritt. Die mütterliche Ge- stalt weiter weg vom Knaben, die Großmutter heißt, entspricht nach ihrer Erscheinung und ihrem räumlichen Verhältnis zum Knaben der echten früheren Mutter Catarina. Mit dem seligen Lächeln der hl. Anna hat der Künstler wohl den Neid verleugnet und überdeckt, den die Unglückliche verspürte, als sie der vornehmeren Rivalin wie früher den Mann, so nun auch den Sohn abtreten mußte.

So wären wir von einem anderen Werke Leonardos her zur Bestätigung der Ahnung gekommen, daß das Lächeln der Monna Lisa del Giocondo in dem Manne die Erinnerung an die Mutter seiner ersten Kinderjahre erweckt hatte. Madonnen und vornehme Damen zeigten von da an bei den Malern Italiens die demütige Kopfneigung und das seltsam-selige Lächeln des armen Bauernmädchens Catarina, das der Welt den herrlichen, zum Malen, Forschen und Dulden bestimmten Sohn geboren hatte.

Wenn es Leonardo gelang, im Angesicht der Monna Lisa den doppelten Sinn wiederzugehen, den dies Lächeln hatte, das Versprechen schrankenloser Zärtlichkeit wie die unheil- verkündende Drohung (nach Paters Worten), so war er auch darin dem Inhalte seiner frühesten Erinnerung treu geblieben. Denn die Zärtlichkeit der Mutter wurde ihm zum Verhängnis, bestimmte sein Schicksal und die Entbehrungen, die seiner warteten. Die Heftigkeit der Liebkosungen, auf die seine Geierphantasie deutet, war nur allzu natürlich ; die arme ver- lassene Mutter mußte all ihre Erinnerungen an genossene Zärtlichkeiten wie ihre Sehnsucht nach neuen in die Mutter- liebe einfließen lassen ; sie war dazu gedrängt, nicht nur sich dafür zu entschädigen, daß sie keinen Mann, sondern auch das Kind, daß es keinen Vater hatte, der es liebkosen wollte. So nahm sie nach der Art aller unbefriedigten Mütter den kleinen Sohn an Stelle ihres Mannes an und raubte ihm durch die allzu frühe Reifung seiner Erotik ein Stück seiner Männlich-


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keit. Die Liebe der Mutter zum Säugling, den sie nährt und pflegt, ist etwas weit tiefgreifenderes als ihre spätere Affektion für das heranwachsende Kind. Sie ist von der Natur eines vollbefriedigenden Liebesverhältnisses, das nicht nur alle see- lischen Wünsche, sondern auch alle körperlichen Bedürfnisse erfüllt, und wenn sie eine der Formen des dem Menschen erreichbaren Glückes darstellt, so rührt dies nicht zum min- desten von der Möglichkeit her, auch längst verdrängte und pervers zu nennende Wunschregungen ohne Vorwurf zu be- friedigen. *) In der glücklichsten jungen Ehe verspürt es der Vater, daß das Kind, besonders der kleine Sohn, sein Neben- buhler geworden ist, und eine im Unbewußten tief wurzelnde Gegnerschaft gegen den Bevorzugten nimmt von daher ihren Ausgang.

Als Leonardo auf der Höhe seines Lebens jenem selig verzückten Lächeln wieder begegnete, wie es einst den Mund seiner Mutter bei ihren Liebkosungen umspielt hatte, stand er längst unter der Herrschaft einer Hemmung, die ihm ver- bot, je wieder solche Zärtlichkeiten von Frauenlippen zu be- gehren. Aber er war Maler geworden und so bemühte er sich, dieses Lächeln mit dem Pinsel wieder zu erschaffen, und er gab es allen seinen Bildern, ob er sie nun selbst ausführte oder unter seiner Leitung von seinen Schülern ausführen ließ, der Leda, dem Johannes und dem Bacchus. Die beiden letzten sind Abänderungen desselben Typus. Mut her sagt: »Aus dem Heuschreckenesser der Bibel hat Leonardo einen Bac- chus, einen Apollino gemacht, der, ein rätselhaftes Lächeln auf den Lippen, die weichen Schenkel übereinander geschlagen, uns mit sinnbetörendem Auge anblickt.« Diese Bilder atmen eine Mystik, in deren Geheimnis einzudringen man nicht wagt; man kann es höchstens versuchen, den Anschluß an die früheren Schöpfungen Leonardos herzustellen. Die Gestalten sind wieder mannweiblich, aber nicht mehr im Sinne der Geierphantasie, es sind schöne Jünglinge von weiblicher Zartheit mit weibischen Formen ; sie schlagen


  • ) Vgl. »Drei Abhandlungen zur Sexual theorie«, 2. Aufl., 1910.

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die Augen nicht nieder, sondern blicken geheimnisvoll triumphierend, als wüßten sie von einem großen Glücks- erfolg, von dem man schweigen muß; das bekannte be- rückende Lächeln läßt ahnen, daß es ein Liebesgeheimnis ist. Möglich, daß Leonardo in diesen Gestalten das Unglück seines Liebeslebens verleugnet und künstlerisch überwunden hat, indem er die Wunscherfüllung des von der Mutter be- törten Knaben in solch seliger Vereinigung von männlichem und weiblichem Wesen darstellte.

V.

Unter den Eintragungen in den Tagebüchern Leonardos findet sich eine, die durch ihren bedeutsamen Inhalt und wegen eines winzigen formalen Fehlers die Aufmerksamkeit des Lesers festhält:

Er schreibt im Juli 1504.

»Adi 9 di Luglio 1504 mercoledi a ore 7 mori Ser Piero da Vinci, notalio al palazzo del Potestä, mio padre, a ore 7. Era d'etä d'anni 80, lasciö 10 figlioli maschi e 2 femmine.« *)

Die Notiz handelt also vom Tode des Vaters Leonardos. Die kleine Irrung in ihrer Form besteht darin, daß die Zeit- bestimmung »a ore 7« zweimal wiederholt wird, als hätte Leo- nardo am Ende des Satzes vergessen, daß er sie zu Anfang bereits hingeschrieben. Es ist nur eine Kleinigkeit, aus der ein anderer als ein Psychoanalytiker nichts machen würde. Vielleicht würde er sie nicht bemerken, und auf sie aufmerksam gemacht, würde er sagen : Das kann in der Zerstreutheit oder im Affekt jedem passieren und hat weiter keine Bedeutung.

Der Psychoanalytiker denkt anders; ihm ist nichts zu klein als Äußerung verborgener seelischer Vorgänge; er hat längst gelernt, daß solches Vergessen oder Wiederholen be- deutungsvoll ist, und daß man es der »Zerstreutheit« danken muß, wenn sie den Verrat sonst verborgener Regungen ge- stattet.

Wir werden sagen, auch diese Notiz entspricht, wie die Leichenrechnung der Catarina, die Kostenrechnungen der

1 ) Nach E. Müntz 1. c, p. 13, Anmerkung.


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Schüler, einem Falle, in dem Leonardo die Unterdrückung seiner Affekte mißglückte und das lange Verhohlene sich einen entstellten Ausdruck erzwang. Auch die Form ist eine ähn- liche, dieselbe pedantische Genauigkeit, die gleiche Vordring- lichkeit der Zahlen. 1 )

Wir heißen eine solche Wiederholung eine Perseveration. Sie ist ein ausgezeichnetes Hilfsmittel, um die affektive Be- tonung anzuzeigen. Man denke z. B. an die Zornesrede des heiligen Petrus gegen seinen unwürdigen Stellvertreter auf Erden in Dantes Paradiso: 2 )

>Quegli ch'usurpa in terra il luogo mio II luogo mio, il luogo mio, che vaca Nella presenza del Figliuol di Dio,

Fatto ha del cimiterio mio cloaca.^

Ohne Leonardos Affekthemmung hätte die Eintragung im Tagebuch etwa lauten können: Heute "um 7 Uhr starb mein Vater, Ser Piero da Vinci, mein armer Vater ! Aber die Verschiebung der Perseveration auf die gleichgültigste Be- stimmung der Todesnachricht, auf die Sterbestunde, raubt der Notiz jedes Pathos und läßt uns gerade noch erkennen, daß hier etwas zu verbergen und zu unterdrücken war.

Ser Piero da Vinci, Notar und Abkömmling von Notaren, war ein Mann von großer Lebenskraft, der es zu Ansehen und Wohlstand brachte. Er war viermal verheiratet, die beiden ersten Frauen starben ihm kinderlos weg, erst von der dritten erzielte er 1476 den ersten legitimen Sohn, als Leonardo bereits 24 Jahre alt war und das Vaterhaus längst gegen das Atelier seines Meisters Verrocchio vertauscht hatte ; mit der vierten und letzten Frau, die er bereits als Fünfziger geheiratet hatte, zeugte er noch neun Söhne und zwei Töchter. 3 )

') Von einem größeren Irrtum, den Leonardo in dieser Notiz beging, indem er dem 77 jährigen Vater 80 Jahre gab, will ich absehen.

  • ) Canto, XXVII, V. 22—25.
  • ) Es scheint, daß Leonardo in jener Tagebuehstclle sich auch in der

Anzahl seiner Geschwister geirrt hat, was zur anscheinenden Exaktheit der- selben in einem merkwürdigen Gegensatze steht.


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Gewiß ist auch dieser Vater für die psychosexuelle Ent- wicklung Leonardos bedeutsam geworden, und zwar nicht nur negativ, durch seinen Wegfall in den ersten Kinderjahren des Knaben, sondern auch unmittelbar durch seine Gegenwart in dessen späterer Kindheit. Wer als Kind die Mutter begehrt, der kann es nicht vermeiden, sich an die Stelle des Vaters setzen zu wollen, sich in seiner Phantasie mit ihm zu iden- tifizieren und später seine Überwindung zur Lebensaufgabe zu machen. Als Leonardo, noch nicht fünf Jahre alt, ins groß- väterliche Haus aufgenommen wurde, trat gewiß die junge Stiefmutter Albiera an die Stelle seiner Mutter in seinem Fühlen, und er kam in jenes normal zu nennende Rivalitäts- verhältnis zum Vater. Die Entscheidung zur Homosexualität tritt bekanntlich erst in der Nähe der Pubertätsjahre auf. Al3 diese für Leonardo gefallen war, verlor die Identifizierung mit dem Vater jede Bedeutung für sein Sexualleben, setzte sich aber auf anderen Gebieten von nicht erotischer Betäti- gung fort. Wir hören, daß er Prunk und schöne Kleider liebte, sich Diener und Pferde hielt, obwohl er nach Vasaris Worten »fast nichts besaß und wenig arbeitete« ; wir werden nicht allein seinen Schönheitssinn für diese Vorlieben verant- wortlich machen, wir erkennen in ihnen auch den Zwang, den Vater zu kopieren und zu übertreffen. Der Vater war gegen das arme Bauernmädchen der vornehme Herr gewesen, daher verblieb in dem Sohne der Stachel, auch den vornehmen Herrn zu spielen, der Drang »to out-herod Herod,« dem Vater vorzuhalten, wie erst die richtige Vornehmheit aussehe.

Wer als Künstler schafft, der fühlt sich gegen seine Werke gewiß als Vater. Für Leonardos Schaffen als Maler hatte die Identifizierung mit dem Vater eine verhängnisvolle Folge. Er schuf sie und kümmerte sich nicht mehr um sie, wie sein Vater sich nicht um ihn bekümmert hatte. Die spätere Sorge des Vaters konnte an diesem Zwange nichts ändern, denn dieser leitete sich von den Eindrücken der ersten Kinderjahre ab, und das unbewußt gebliebene Verdrängte ist unkorrigierbar durch spätere Erfahrungen.


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Zur Zeit der Renaissance bedurfte jeder Künstler — wie auch noch viel später — eines hohen Herrn und Gönners, eines Padrone, der ihm Aufträge gab, in dessen Händen sein Schicksal ruhte. Leonardo fand seinen Padrone in dem hoch- strebenden, prachtliebenden, diplomatisch verschlagenen, aber unsteten und unverläßlichen LodovicoSforza, zubenannt : il Moro. An seinem Hofe in Mailand verbrachte er die glän- zendste Zeit seines Lebens, in seinen Diensten entfaltete er am ungehemmtesten die Schaffenskraft, von der das Abendmahl und das Reiterstandbild des Francesco Sforza Zeugnis ab- legten. Er verließ Mailand, ehe die Katastrophe über Lodo- vico Moro hereinbrach, der als Gefangener in einem fran- zösischen Kerker starb. Als die Nachricht vom Schicksal seines Gönners Leonardo erreichte, schrieb er in sein Tage- buch : »Der Herzog verlor sein Land, seinen Besitz, seine Freiheit, und keines der Werke, die er unternommen, wurde zu Ende geführt.« *) Es ist merkwürdig und gewiß nicht be- deutungslos, daß er hier gegen seinen Padrone den nämlichen Vorwurf erhob, den die Nachwelt gegen ihn wenden sollte, als wollte er eine Person aus der Vaterreihe dafür verant- wortlich machen, daß er selbst seine Werke unvollendet ließ. In Wirklichkeit hatte er auch gegen den Herzog nicht Unrecht.

Aber wenn die Nachahmung des Vaters ihn als Künstler schädigte, so war die Auflehnung gegen den Vater die infan- tile Bedingung seiner vielleicht ebenso großartigen Leistung als Forscher. Er glich, nach dem schönen Gleichnis Meresch- kowskis, einem Menschen, der in der Finsternis zu früh er- wacht war, während die anderen noch alle schliefen. 2 ) Er wagte es, den kühnen Satz auszusprechen, der doch die Recht- fertigung jeder freien Forschung enthält :WerimStreiteder Meinungen sich auf die Autorität beruft, der ar- beitet mit seinem Gedächtnis, anstatt mit seinem Verstand. 8 ) So wurde er der erste moderne Naturforscher,

l ) »II duca perse lo stato e la roba e libertä e nessuna sua opera ei fini per lui.« — v. Seidlitz 1. c, II, p. 270.

•) 1. c, p. 348.

8 ) Chi disputa allegando l'autoritä non adopra l'ingegno ma piuttosto la memoria; Solmi, Com*, fior, p. 13.


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und eine Fülle von Erkenntnissen und Ahnungen belohnte seinen Mut, seit den Zeiten der Griechen als der erste, nur auf Be- obachtung und eigenes Urteil gestützt, an die Geheimnisse der Natur zu rühren. Aber wenn er die Autorität geringschätzen und die Nachahmung der >Alten< verwerfen lehrte und immer wieder auf das Studium der Natur als auf die Quelle aller Wahrheit hinwies, so wiederholte er nur in der höchsten, dem Menschen erreichbaren Sublimierung die Parteinahme, die sich bereits dem kleinen, verwundert in die Welt blicken- den Knaben aufgedrängt hatte. Aus der wissenschaftlichen Abstraktion in die konkrete individuelle Erfahrung rücküber- setzt, entsprachen die Alten und die Autorität doch nur dem Vater, und die Natur wurde wieder die zärtliche, gütige Mutter, die ihn genährt hatte. Während bei den meisten an- deren Menschenkindern — auch noch heute wie in Urzeiten — das Bedürfnis nach dem Anhalt an irgend einer Autorität so gebieterisch ist, daß ihnen die Welt ins Wanken gerät, wenn diese Autorität bedroht wird, konnte Leonardo allein dieser Stütze entbehren ; er hätte es nicht können, wenn er nicht in den ersten Lebensjahren gelernt hätte, auf den Vater zu verzichten. Die Kühnheit und Unabhängigkeit seiner spä- teren wissenschaftlichen Forschung setzt die vom Vater un- gehemmte infantile Sexualforschung voraus und setzt sie unter Abwendung vom Sexuellen fort.

Wenn jemand wie Leonardo in seiner Kindheit der Einschüchterung durch den Vater entgangen ist und in seiner Forschung die Fesseln der Autorität abgeworfen hat, so wäre es der grellste Widerspruch ^ugen unsere Er- wartung, wenn wir fänden, daß derselbe Mann ein Gläu- biger geblieben ist und es nicht vermocht hat, sich der dogmatischen Religion zu entziehen. Die Psychoanalyse hat uns den intimen Zusammenhang zwischen dem Vater- komplex und der Gottesgläubigkeit kennen gelehrt, hat uns gezeigt, daß der persönliche Gott psychologisch nichts anderes ist als ein erhöhter Vater, und führt uns täglich vor Augen, wie jugendliche Personen den religiösen Glauben verlieren, sobald die Autorität des Vaters bei ihnen zusammenbricht.


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DES LEONARDO DA VINCI. 57

Im Elternkomplex erkennen wir so die Wurzel des religiösen Bedürfnisses; der allmächtige, gerechte Gott und die gütige Xatur erscheinen uns als großartige Sublimierungen von Vater und Mutter, vielmehr als Erneuerungen und Wieder- herstellungen der frühkindlichen Vorstellungen von beiden. Die Religiosität führt sich biologisch auf die lang anhaltende Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit des kleinen Menschenkindes zurück, welches, wenn es später seine wirkliche Verlassenheit und Schwäche gegen die großen Mächte des Lebens erkannt hat, seine Lage ähnlich wie in der Kindheit empfindet und deren Trostlosigkeit durch die regressive Erneuerung der infantilen Schutzmächte zu verleugnen sucht.

Es scheint nicht, daß das Beispiel Leonardos diese Auf- fassung der religiösen Gläubigkeit des Irrtums überführen könnte. Anklagen, die ihn des Unglaubens, oder, was jener Zeit ebensoviel hieß, des Abfalles vom Christenglauben be- schuldigten, regten sich bereits zu seinen Lebzeiten und haben in der ersten Lebensbeschreibung, die Vasari von ihm gab, einen bestimmten Ausdruck gefunden. *) In der zweiten Aus- gabe seiner Vite 1568 hat Vasari diese Bemerkungen weg- gelassen. Uns ist es vollkommen begreiflich, wenn Leonardo angesichts der außerordentlichen Empfindlichkeit seines Zeit- alters in religiösen Dingen sich direkter Äußerungen über seine Stellung zum Christentum auch in seinen Aufzeichnun- gen enthielt. Als Forscher ließ er sich durch die Schöpfungs- berichte der Heiligen Schrift nicht im mindesten beirren; er bestritt z. B. die Möglichkeit einer universellen Sündflut und rechnete in der Geologie ebenso unbedenklich wie die Moder- nen mit Jahrhunderttausenden.

Unter seinen »Prophezeiungen« finden sich so manche, die das Feingefühl eines gläubigen Christen beleidigen müßten, z. B. : 2 ) Die Bilder der Heiligen angebetet.

»Es werden die Menschen mit Menschen reden, die nichts vernehmen, welche die Augen offen haben und nicht sehen ; sie werden zu diesen reden und keine Antwort bekommen ;

x ) Mfintz 1. c. La religio d de Leonard, 1. c, p. 292 u. ff.

  • ) Nach Herzfeld, p. 292.


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58 EINE KINDHEITSERINXERUKG

sie werden Gnaden erbitten von dem, welcher Ohren hat und nicht hört; sie werden Lichter anzünden für den, der blind ist.« 

Oder: Vom Klagen am Karfreitag (p. 297).

»In allen Teilen Europas wird von großen Völkerschaften geweint werden um den Tod eines einzigen Mannes, der im Orient gestorben.« 

Von Leonardos Kunst hat man geurteilt, daß er den heiligen Gestalten den letzten Rest kirchlicher Gebundenheit benahm und sie ins Menschliche zog, um große und schöne menschliche Empfindungen an ihnen darzustellen. Mut her rühmt von ihm, daß er die Dekadenzstimmung überwand und den Menschen das Recht auf Sinnlichkeit und frohen Lebensgenuß wiedergab. In den Aufzeichnungen, welche Leo- nardo in die Ergründung der großen Naturrätsel vertieft zeigen, fehlt es nicht an Äußerungen der Bewunderung für den Schöpfer, den letzten Grund all dieser herrlichen Geheim- nisse, aber nichts deutet darauf hin, daß er eine persönliche Beziehung zu dieser Gottesmacht festhalten wollte. Die Sätze, in welche er die tiefe Weisheit seiner letzten Lebensjahre ge- legt hat, atmen die Resignation des Menschen, der sich der 'Avflrp"3, den Gesetzen der Natur, unterwirft und von der Güte oder Gnade Gottes keine Milderung erwartet. Es ist kaum ein Zweifel, daß Leonardo die dogmatische wie die persönliche Religion überwunden und sich durch seine Forscher- arbeit weit von der Weltanschauung des gläubigen Christen entfernt hatte.

Aus unseren vorhin erwähnten Einsichten in die Ent- wicklung des kindlichen Seelenlebens wird uns die Annahme nahe gelegt, daß auch Leonardos erste Forschungen im Kindes- alter sich mit den Problemen der Sexualität beschäftigten. Er verrät es uns aber selbst in durchsichtiger Verhüllung, indem er seinen Forscherdrang an die Geierphantasie knüpft und das Problem des Vogelfluges als eines hervorhebt, das ihm durch besondere Schicksalsverkettung zur Bearbeitung zu- gefallen sei. Eine recht dunkle, wie eine Prophezeiung klin- gende Stelle in seinen Aufzeichnungen, die den Vogelflug be- handeln, bezeugt aufs Schönste, mit wie viel Affektinteresse


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DES LEONARDO DA VINCI. 59

er an dem Wunsche hing, die Kunst des Fliegens selbst nach- ahmen zu können : »Es wird seinen ersten Flug nehmen der große Vogel, vom Rücken seines großen Schwanes aus, das Universum mit Verblüffung, alle Schriften mit seinem Ruhme füllen und ewige Glorie sein dem Neste, wo er geboren ward.« 2 ) Er hoffte wahrscheinlich, selbst einmal fliegen zu können, und wir wissen aus den wunscherfüllenden Träumen der Menschen, welche Seligkeit man sich von der Erfüllung dieser Hoffnung erwartet.

Warum träumen aber so viele Menschen vom Fliegen- können? Die Psychoanalyse gibt hierauf die Antwort, weil das Fliegen oder Vogel sein, nur die Verhüllung eines anderen Wunsches ist, zu dessen Erkennung mehr als eine sprachliche und sachliche Brücke führt. Wenn man der wißbegierigen Jugend erzählt, ein großer Vogel, wie der Storch, bringe die kleinen Kinder, wenn die Alten den Phallus geflügelt gebildet haben, wenn die gebräuchlichste Bezeichnung der Geschlechts- tätigkeit des Mannes im Deutschen »vögeln« lautet, das Glied des Mannes bei den Italienern direkt Puccello (Vogel) heißt, so sind das nur kleine Bruchstücke aus einem großen Zu- sammenhange, der uns lehrt, daß der Wunsch, fliegen zu können, im Traume nichts anderes bedeutet als die Sehnsucht, geschlechtlicher Leistungen fähig zu sein. Es ist dies ein frühinfantiler Wunsch. Wenn der Erwachsene seiner Kind- heit gedenkt, so erscheint sie ihm als eine glückliche Zeit, in der man sich des Augenblickes freute und wunschlos der Zu- kunft entgegenging, und darum beneidet er die Kinder. Aber die Kinder selbst, wenn sie darüber Auskunft geben könnten, würden wahrscheinlich anderes berichten. Es scheint, daß die Kindheit nicht jenes selige Idyll ist, zu dem wir es nach- träglich entstellen, daß die Kinder vielmehr von dem einen Wunsch, groß zu werden, es den Erwachsenen gleich zu tun, durch die Jahre der Kindheit gepeitscht werden. Dieser Wunsch treibt alle ihre Spiele. Ahnen die Kinder im Verlaufe ihrer Sexualforschung, daß der Erwachsene auf dem einen rätsei« 

  • ) Nach M. Herzfeld, L. d. V., p. 32. »Der große Schwan« soll einen

Hügel, Monte Cecero, bei Florenz bedeuten.


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60 EINE KINDHEITSERINNERUXG

vollen und doch so wichtigen Gebiete etwas Großartiges kann, was ihnen zu wissen und zu tun versagt ist, so regt sich in ihnen ein ungestümer Wunsch, dasselbe zu können, und sie träumen davon in der Form des Fliegens oder bereiten diese Einkleidung des Wunsches für ihre späteren Flugträume vor. So hat also auch die Aviatik, die in unseren Zeiten endlich ihr Ziel erreicht, ihre infantile erotische Wurzel.

Indem uns Leonardo eingesteht, daß er zu dem Problem des Fliegens von Kinheit an eine besondere persönliche Be- ziehung verspürt hat, bestätigt er uns, daß seine Kinder- forschung auf Sexuelles gerichtet war, wie wir es nach unse- ren Untersuchungen an den Kindern unserer Zeit vermuten mußten. Dies eine Problem wenigstens hatte sich der Ver- drängung entzogen, die ihn später der Sexualität entfrem- dete; von den Kinderjahren an bis in die Zeit der vollsten intellektuellen Reife war ihm das nämliche mit leichter Sinnes- abänderung interessant geblieben, und es ist sehr wohl möglich, daß ihm die gewünschte Kunst im primären sexuellen Sinne ebensowenig gelang wie im mechanischen, daß beide für ihn versagte Wünsche blieben.

Der große Leonardo blieb überhaupt sein ganzes Leben über in manchen Stücken kindlich; man sagt, daß alle großen Männer etwas Infantiles bewahren müssen. Er spielte auch als Erwachsener weiter und wurde auch da- durch manchmal seinen Zeitgenossen unheimlich und unbe- greiflich. Wenn er zu höfischen Festlichkeiten und feier- lichen Empfängen die kunstvollsten mechanischen Spielereien verfertigte, so sind nur wir damit unzufrieden, die den Meister nicht gern seine Kraft an solchen Tand wenden sehen ; er selbst scheint sich nicht ungern mit diesen Dingen abgegeben zu haben, denn Vasari berichtet, daß er ähnliches machte, wo kein Auftrag ihn dazu nötigte : »Dort (in Rom) verfer- tigte er einen Teig von Wachs und formte daraus, wenn er fließend war, sehr zarte Tiere, mit Luft gefüllt; blies er hinein, so flogen sie, war die Luft heraus, so fielen sie zur Erde. Einer seltsamen Eidechse, welche der Winzer von I'elvedere fand, machte er Flügel aus der abgezogenen Haut


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DES LEONARDO DA VINCI. 61

anderer Eidechsen, welche er mit Quecksilber füllte, so daß sie sich bewegten und zitterten, wenn sie ging ; sodann machte er ihr Augen, Bart und Hörner, zähmte sie, tat sie in eine Schachtel und jagte alle seine Freunde damit in Furcht.« *) Oft dienten ihm solche Spielereien zum Ausdruck inhalt- schwerer Gedanken: »Oftmals ließ er die Därme eines Ham- mels so fein ausputzen, daß man sie in der hohlen Hand hätte halten können; diese trug er in ein großes Zimmer, brachte in eine anstoßende Stube ein paar Schmiedeblasebälge, be- festigte daran die Därme und blies sie auf, bis sie das ganze Zimmer einnahmen und man in eine Ecke flüchten mußte, so zeigte er, wie sie allmählich durchsichtig und von Luft er- füllt wurden, und indem sie anfangs auf einen kleinen Platz beschränkt sich mehr und mehr in den weiten Raum aus- breiteten, verglich er sie dem Genie.« 2 ) Dieselbe spielerische Lust am harmlosen Verbergen und kunstvollen Einkleiden bezeugen seine Fabeln und Rätsel, letztere in die Form von »Prophezeiungen« gebracht, fast alle gedankenreich und in bemerkenswertem Maße des Witzes entbehrend.

Die Spiele und Sprünge, die Leonardo seiner Phantasie gestattete, haben in einigen Fällen seine Biographen, die diesen Charakter verkannten, in argen Irrtum gebracht. In den Mailänder Manuskripten Leonardos finden sich z. B. Ent- würfe zu Briefen an den »Diodario von Sorio (Syrien), Statt- halter des heiligen Sultan von Baby lonia«, in denen Leonardo sich als Ingenieur einführt, der in diese Gegenden des Orients geschickt wurde, um gewisse Arbeiten auszuführen, sich gegen den Vorwurf der Trägheit verteidigt, geographische Beschrei- bungen von Städten und Bergen liefert und endlich ein großes Elementarereignis schildert, das dort in Leonardos Anwesen- heit vorgefallen ist. 8 )

J. P. Richter hat im Jahre 1881 aus diesen Schrift- stücken zu beweisen gesucht, daß Leonardo wirklich im Dienste

l ) Vasari, übersetzt von Schorn, 1843.

  • ) Ebenda, p. 89.
  • ) Cber diese Briefe und die an sie geknüpften Kombinationen siehe:

Müntz 1. c., p. 82 ff.; den Wortlaut derselben und anderer an sie anschlie- ßender Aufzeichnungen bei M. Herzfeld 1. c, p. 223 u. ff.


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62 EINE KINDHEITSERINNERUNG

des Sultans von Ägypten diese Reisebeobachtungen angestellt und selbst im Orient die mohammedanische Religion angenommen habe. Dieser Aufenthalt sollte in die Zeit vor 1483, also vor der Übersiedlung an den Hof des Herzogs von Mailand fallen. Allein der Kritik anderer Autoren ist es nicht schwer gewor- den, die Belege für die angebliche Orientreise Leonardos als das zu erkennen, was sie in Wirklichkeit sind, phantastische Produktionen des jugendlichen Künstlers, die er zu seiner eigenen Unterhaltung schuf, in denen er vielleicht seine Wünsche, die Welt zu sehen und Abenteuer zu erleben, zum Ausdruck brachte.

Ein Phantasiegebilde ist wahrscheinlich auch die »Aca- demia Vinciana«, deren Annahme auf dem Vorhandensein von fünf oder sechs höchst künstlich verschlungenen Emblemen mit der Inschrift der Akademie beruht. V a s a r i erwähnt diese Zeichnungen, aber nicht die Akademie. 1 ) Müntz, der ein solches Ornament auf den Deckel seines großen Leonardo- werkes gesetzt hat, gehört zu den wenigen, die an die Realität einer »Academia Vinciana« glauben.

Es ist wahrscheinlich, daß dieser Spieltrieb Leonardos in seinen reiferen Jahren schwand, daß auch er in die For- schertätigkeit einmündete, welche die letzte und höchste Ent- faltung seiner Persönlichkeit bedeutete. Aber seine lange Er- haltung kann uns lehren, wie langsam sich von seiner Kind- heit losreißt, wer in seinen Kinderzeiten die höchste, später nicht wieder erreichte, erotische Seligkeit genossen hat.

VI.

Es wäre vergeblich sich darüber zu täuschen, daß die Leser heute alle Pathographie unschmackhaft finden. Die Ablehnung bekleidet sich mit dem Vorwurf, bei einer pathographischen Bearbeitung eines großen Mannes gelange man


J ) »Außerdem verlor er manche Zeit, indem er sogar ein Schnurgeflechte zeichnete, worin man den Faden von einem Ende bis zum anderen verfolgen konnte, bis er eine völlig kreisförmige Figur beschrieb; eine sehr schwierige und schöne Zeichnung der Art ist in Kupfer gestochen, in deren Mitte man die Worte liest: -Leonardus Vinci Academia* (p. 8).


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DES LEONARDO DA VINCI. 63

nie zum Verständnis seiner Bedeutung und seiner Leistung; es sei daher unnützer Mutwillen, an ihm Dinge zu studieren, die man ebensowohl beim erstbesten anderen finden könne. Allein diese Kritik ist so offenbar ungerecht, daß sie nur als Vorwand und Verhüllung verständlich wird. Die Pathographie setzt sich überhaupt nicht das Ziel, die Leistung des großen Mannes verständlich zu machen; man darf doch niemand zum Vorwurf machen, daß er etwas nicht gehalten hat, was er niemals versprochen hatte. Die wirklichen Motive des Wider- strebens sind andere. Man findet sie auf, wenn man in Er- wägung zieht, daß Biographen in ganz eigentümlicher Weise an ihren Helden fixiert sind. Sie haben ihn häufig zum Objekt ihrer Studien gewählt, weil sie ihm aus Gründen ihres persönlichen Gefühlslebens von vornherein eine besondere Affektion entgegenbrachten. Sie geben sich dann einer Idealisierungsarbeit hin, die bestrebt ist, den großen Mann in die Reihe ihrer infantilen Vorbilder einzutragen, etwa die kindliche Vorstellung des Vaters in ihm neuzubeleben. Sie löschen diesem Wunsche zuliebe die individuellen Züge in seiner Physiognomie aus, glätten die Spuren seines Lebens- kampfes mit inneren und äußeren Widerständen, dulden an ihm keinen Rest von menschlicher Schwäche oder Unvoll- kommenheit und geben uns dann wirklich eine kalte, fremde Idealgestalt anstatt des Menschen, dem wir uns entfernt ver- wandt fühlen könnten. Es ist zu bedauern, daß sie dies tun, denn sie opfern damit die Wahrheit einer Illusion und ver- zichten zu Gunsten ihrer infantilen Phantasien auf die Ge- legenheit, in die reizvollsten Geheimnisse der menschlichen Natur einzudringen. *)

Leonardo selbst hätte in seiner Wahrheitsliebe und seinem Wissensdrange den Versuch nicht abgewehrt, aus den kleinen Seltsamkeiten und Rätseln seines Wesens die Bedingungen seiner seelischen und intellektuellen Entwicklung zu erraten. Wir huldigen ihm, indem wir an ihm lernen. Es beeinträch- tigt seine Größe nicht, wenn wir die Opfer studieren, die seine

] ) Diese Kritik soll ganz allgemein gelten und nicht etwa auf die Biographen Leonardos besonders zielen.


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64 EINE KINDHEITSERINNERUNG

Entwicklung aus dem Kinde kosten mußte, und die Momente zusammentragen, die seiner Person den tragischen Zug des Mißglückens eingeprägt haben.

Heben wir ausdrücklich hervor, daß wir Leonardo nie- mals zu den Neurotikern oder »Nervenkranken«, wie das ungeschickte Wort lautet, gezählt haben. Wer sich darüber beklagt, daß wir es überhaupt wagen, aus der Pathologie gewonnene Gesichtspunkte auf ihn anzuwenden, der hält noch an Vorurteilen fest, die wir heute mit Recht aufgegeben haben. Wir glauben nicht mehr, daß Gesundheit und Krank- heit, Normale und Nervöse, scharf von einander zu sondern sind, und daß neurotische Züge als Beweise einer allgemeinen Minderwertigkeit beurteilt werden müssen. Wir wissen heute, daß die neurotischen Symptome Ersatzbildungen für gewisse Verdrängungsleistungen sind, welche wir im Laufe unserer Entwicklung vom Kinde bis zum Kulturmenschen zu voll- bringen haben, daß wir alle solche Ersatzbildungen produ- zieren, und daß nur die Anzahl, Intensität und Verteilung dieser Ersatzbildungen den praktischen Begriff des Krankseins und den Schluß auf konstitutionelle Minderwertigkeit recht- fertigen. Nach den kleinen Anzeichen an Leonardos Per- sönlichkeit dürfen wir ihn in die Nähe jenes neurotischen Typus stellen, den wir als »Zwangstypus« bezeichnen, sein Forschen mit dem »Grübelzwang« der Neurotiker, seine Hemmungen mit den sog. Abulien derselben vergleichen.

Das Ziel unserer Arbeit war die Erklärung der Hemmun- gen in Leonardos Sexualleben und in seiner künstlerischen Tätigkeit. Es ist uns gestattet, zu diesem Zwecke zusammen- zufassen, was wir über den Verlauf seiner psychischen Ent- wicklung erraten konnten.

Die Einsicht in seine hereditären Verhältnisse ist uns versagt, dagegen erkennen wir, daß die akzidentellen Um- stände seiner Kindheit eine tiefgreifende störende Wirkung ausüben. Seine illegitime Geburt entzieht ihn bis vielleicht zum fünften Jahre dem Einflüsse des Vaters und überläßt ihn der zärtlichen Verführung einer Mutter, deren einziger Trost er ist. Von ihr zur sexuellen Frühreife emporgeküßt, muß


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er wohl in eine Phase infantiler Sexualbetätigung eingetreten sein, von welcher nur eine einzige Äußerung sicher bezeugt ist, die Intensität seiner infantilen Sexualforschung. Schau- und Wißtrieb werden durch seine frühkindlichen Eindrücke am stärksten erregt; die erogene Mundzone empfängt eine Betonung, die sie nie mehr abgibt. Aus dem später gegen- teiligen Verhalten, wie dem übergroßen Mitleid mit Tieren, können wir schließen, daß es in dieser Kindheitsperiode an kräftigen sadistischen Zügen nicht fehlte.

Ein energischer Verdrängungsschub bereitet diesem kindlichen Übermaß ein Ende und stellt die Dispositionen fest, die in den Jahren der Pubertät zum Vorschein kommen wer- den. Die Abwendung von jeder grobsinnlichen Betätigung wird das augenfälligste Ergebnis der Umwandlung sein; Leonardo wird abstinent leben können und den Eindruck eines asexuellen Menschen machen. Wenn die Fluten der Pubertätserregung über den Knaben kommen, werden sie ihn aber nicht krank machen, indem sie ihn zu kostspieligen und schädlichen Ersatzbildungen nötigen; der größere Anteil der Bedürftigkeit des Geschlechtstriebes wird sich Dank der früh- zeitigen Bevorzugung der sexuellen Wißbegierde zu allge- meinem Wissensdrang sublimieren können und so der Ver- drängung ausweichen. Ein weit geringerer Anteil der Libido wird sexuellen Zielen zugewendet bleiben und das verküm- merte Geschlechtsleben des Erwachsenen repräsentieren. In- folge der Verdrängung der Liebe zur Mutter wird dieser Anteil in homosexuelle Einstellung gedrängt werden und sich als ideelle Knabenliebe kundgeben. Im Unbewußten bleibt die Fixierung an die Mutter und an die seligen Erinnerungen des Verkehres mit ihr bewahrt, verharrt aber vorläufig in inak- tivem Zustand. In solcher Weise teilen sich Verdrängung, Fixierung und Sublimierung in die Verfügung über die Bei- träge, welche der Sexualtrieb zum Seelenleben Leonardos leistet.

Aus dunkler Knabenzeit taucht Leonardo als Künstler, Maler und Plastiker vor uns auf, dank einer spezifischen Begabung, die der frühzeitigen Erweckung des Schautriebes

Freud, Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci. &


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66 EINE KINDHEITSERINNERUNG


in ersten Kinderjahren eine Verstärkung schulden mag. Gerne würden wir angeben wollen, in welcher Weise sich die künst- lerische Betätigung auf die seelischen Urtriebe zurückführt, wenn nicht gerade hier unsere Mittel versagen würden. Wir bescheiden uns die kaum mehr zweifelhafte Tatsache hervor- zuheben, daß das Schaffen des Künstlers auch seinem sexuellen Begehren Ableitung gibt, und für Leonardo auf die von Vasari übermittelte Nachricht hinzuweisen, daß Köpfe von lächelnden Frauen und schönen Knaben, also Darstellungen seiner Sexualobjekte, unter seinen ersten künstlerischen Ver- suchen auffielen. In aufblühender Jugend scheint Leonardo zunächst ungehemmt zu arbeiten. Wie er in seiner äußeren Lebensführung den Vater zum Vorbild nimmt, so durchlebt er eine Zeit von männlicher Schaffenskraft und künstlerischer Produktivität in Mailand, wo ihn die Gunst des Schicksals im Herzog Lodovico Moro einen Vaterersatz finden läßt. Aber bald bewährt sich an ihm die Erfahrung, daß die fast völlige Unterdrückung des realen Sexuallebens nicht die günstigsten Bedingungen für die Betätigung der sublimierten sexuellen Strebungen ergibt. Die Vorbildlichkeit des Sexuallebens macht sich geltend, die Aktivität und die Fähigkeit zu raschem Ent- schluß beginnen zu erlahmen, die Neigung zum Erwägen und Verzögern wird schon beim heiligen Abendmahl störend be- merkbar und bestimmt durch die Beeinflussung der Technik das Schicksal dieses großartigen Werkes. Langsam vollzieht sich nun bei ihm ein Vorgang, den man nur den Regressionen bei Neurotikern an die Seite stellen kann. Die Pubertäts- entfaltung seines Wesens zum Künstler wird durch die früh- infantil bedingte zum Forscher überholt, die zweite Subli- mierung seiner erotischen Triebe tritt gegen die uranfäng- liche, bei der ersten Verdrängung vorbereitete, zurück. Er wird zum Forscher, zuerst noch im Dienste seiner Kunst, später unabhängig von ihr und von ihr weg. Mit dem Ver- lust des den Vater ersetzenden Gönners und der zunehmen- den Verdüsterung im Leben greift diese regressive Ersetzung immer mehr um sich. Er wird »impacientissimo al pennello«, wie ein Korrespondent der Markgräfin Isabella d'Este be-


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DES LEONARDO DA VINCI. 67

richtet, die durchaus noch ein Bild von seiner Hand besitzen will. *) Seine kindliche Vergangenheit hat Macht über ihn be- kommen. Das Forschen aber, das ihm nun das künstlerische Schaffen ersetzt, scheint einige der Züge an sich zu tragen, welche die Betätigung unbewußter Triebe kennzeichnen, die Unersättlichkeit, die rücksichtslose Starrheit, den Mangel an Fähigkeit, sich realen Verhältnissen anzupassen.

Auf der Höhe seines Lebens, in den ersten fünfziger Jahren, zu einer Zeit, da beim Weibe die Geschlechtscharaktere bereits rückgebildet sind, beim Manne nicht selten die Libido noch einen energischen Vorstoß wagt, kommt eine neue Wandlung über ihn. Noch tiefere Schichten seines see- lischen Inhaltes werden von neuem aktiv, aber diese weitere Regression kommt seiner Kunst zu gute, die im Verkümmern war. Er begegnet dem Weibe, welches die Erinnerung an das glückliche und sinnlich verzückte Lächeln der Mutter bei ihm weckt, und unter dem Einfluß dieser Erweckung gewinnt er den Antrieb wieder, der ihn zu Beginn seiner künstlerischen Versuche, als er die lächelnden Frauen bildete, geleitet. Er malt die Monna Lisa, die hl. Anna selbdritt und die Reihe der geheimnisvollen, durch das rätselhafte Lächeln ausgezeich- neten Bilder. Mit Hilfe seiner urältesten erotischen Regungen feiert er den Triumph, die Hemmung in seiner Kunst noch einmal zu überwinden. Diese letzte Entwicklung verschwimmt für uns im Dunkel des herannahenden Alters. Sein Intellekt hat sich noch vorher zu den höchsten Leistungen einer seine Zeit weil hinter sich lassenden Weltanschauung aufgeschwungen. Ich habe in den voranstehenden Abschnitten angeführt, was zu einer solchen Darstellung des Entwicklungsganges Leonardos, zu einer derartigen Gliederung seines Lebens und Aufklärung seines Schwankens zwischen Kunst und Wissen- schaft berechtigen kann. Sollte ich mit diesen Ausführungen auch bei Freunden und Kennern der Psychoanalyse das Urteil hervorrufen, daß ich bloß einen psychoanaly tischen Roman geschrieben habe, so werde ich antworten, daß ich die Sicherheit dieser Ergebnisse gewiß nicht überschätze. Ich bin wie Andere

') v. Seidlitz, II, p 271.


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68 EINE KINDHEITSERINNERUNG


der Anziehung unterlegen, die von diesem großen und rätsel- haften Manne ausgeht, in dessen Wesen man mächtige trieb- hafte Leidenschaften zu verspüren glaubt, die sich doch nur so merkwürdig gedämpft äußern können.

Was immer aber die Wahrheit über Leonardos Leben sein mag, wir können von unserem Versuche, sie psychoana- lytisch zu ergründen, nicht eher ablassen, als bis wir eine andere Aufgabe erledigt haben. Wir müssen ganz allgemein die Grenzen abstecken, welche der Leistungsfähigkeit der Psychoanalyse in der Biographik gesetzt sind, damit uns nicht jede unterbliebene Erklärung als ein Mißerfolg ausgelegt werde. Der psychoanalytischen Untersuchung stehen als Ma- terial die Daten der Lebensgeschichte zur Verfügung, einer- seits die Zufälligkeiten der Begebenheiten und Milieueinflüsse, anderseits die berichteten Reaktionen des Individuums. Ge- stützt auf ihre Kenntnis der psychischen Mechanismen sucht sie nun das Wesen des Individuums aus seinen Reaktionen dynamisch zu ergründen, seine ursprünglichen seelischen Triebkräfte aufzudecken sowie deren spätere Umwandlungen und Entwicklungen. Gelingt dies, so ist das Lebensverhalten der Persönlichkeit durch das Zusammenwirken von Konstitution und Schicksal, inneren Kräften und äußeren Mächten aufge- klärt. Wenn ein solches Unternehmen, wie vielleicht im Falle Leonardos, keine gesicherten Resultate ergibt, so liegt die Schuld nicht an der fehlerhaften oder unzulänglichen Methodik der Psychoanalyse, sondern an der Unsicherheit und Lücken- haftigkeit des Materials, welches die Oberlieferung für diese Person beistellt. Für das Mißglücken ist also nur der Autor verantwortlich zu machen, der die Psychoanalyse genötigt hat, auf so unzureichendes Material hin ein Gutachten abzu- geben.

Aber selbst bei ausgiebigster Verfügung über das hi- storische Material und bei gesichertster Handhabung der psy- chischen Mechanismen würde eine psychoanalytische Unter- suchung an zwei bedeutsamen Stellen die Einsicht in die Not- wendigkeit nicht ergeben können, daß das Individuum nur so und nicht anders werden konnte. Wir haben bei Leonardo


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die Ansicht vertreten müssen, daß die Zufälligkeit seiner ille- gitimen Geburt und die Überzärtlichkeit seiner Mutter den entscheidendsten Einfluß auf seine Charakterbildung und sein späteres Schicksal übten, indem die nach dieser Kindheits- phase eintretende Sexualverdrängung ihn zur Sublimierung der Libido in Wissensdrang veranlaßte und seine sexuelle In- aktivität fürs ganze spätere Leben feststellte. Aber diese Verdrängung nach den ersten erotischen Befriedigungen der Kindheit hätte nicht eintreten müssen; sie wäre bei einem anderen Individuum vielleicht nicht eingetreten oder wäre weit weniger ausgiebig ausgefallen. Wir müssen hier einen Grad von Freiheit anerkennen, der psychoanalytisch nicht mehr aufzulösen ist. Ebensowenig darf man den Ausgang dieses Verdrängungsschubes als den einzig möglichen Ausgang hinstellen wollen. Einer anderen Person wäre es wahr- scheinlich nicht geglückt, den Hauptanteil der Libido der Verdrängung durch die Sublimierung zur Wißbegierde zu ent- ziehen ; unter den gleichen Einwirkungen wie Leonardo hätte sie eine dauernde Beeinträchtigung der Denkarbeit oder eine nicht zu bewältigende Disposition zur Zwangsneurose davon- getragen. Diese zwei Eigentümlichkeiten Leonardos erübrigen also als unerklärbar durch psychoanalytische Bemühung : seine ganz besondere Neigung zu Triebverdrängungen und seine außerordentliche Fähigkeit zur Sublimierung der primitiven Triebe.

Die Triebe und ihre Umwandlungen sind das letzte, das die Psychoanalyse erkennen kann. Von da an räumt sie der biologischen Forschung den Platz. Verdrängungsneigung sowie Sublimierungsfähigkeit sind wir genötigt, auf die orga- nischen Grundlagen des Charakters zurückzuführen, über welche erst sich das seelische Gebäude erhebt. Da die künst- lerische Begabung und Leistungsfähigkeit mit der Sublimie- rung innig zusammenhängt, müssen wir zugestehen, daß auch das Wesen der künstlerischen Leistung uns psychoanalytisch unzugänglich ist. Die biologische Forschung unserer Zeit neigt dazu, die Hauptzüge der organischen Konstitution eines Menschen durch die Vermengung männlicher und weiblicher


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Anlagen im stofflichen Sinne zu erklären ; die Körperschönheit wie die Linkshändigkeit Leonardos gestatteten hier manche Anlehnung. Doch wir wollen den Boden rein psychologischer Forschung nicht verlassen. Unser Ziel bleibt der Nachweis des Zusammenhanges zwischen äußeren Erlebnissen und Reak- tionen der Person über den Weg der Triebbetätigung. Wenn uns die Psychoanalyse auch die Tatsache der Künstlerschaft Leonardos nicht aufklärt, so macht sie uns doch die Äuße- rungen und die Einschränkungen derselben verständlich. Scheint es doch, als hätte nur ein Mann mit den Kindheits- erlebnissen Leonardos die Monna Lisa und die heilige Anna selbdritt malen, seinen Werken jenes traurige Schicksal be- reiten und so unerhörten Aufschwung als Naturforscher nehmen können, als läge der Schlüssel zu all seinen Leistungen und seinem Mißgeschick in der Kindheitsphantasie vom Geier ver- borgen.

Darf man aber nicht Anstoß nehmen an den Ergebnissen einer Untersuchung, welche den Zufälligkeiten der Eltern- konstellation einen so entscheidenden Einfluß auf das Schicksal eines Menschen einräumt, das Schicksal Leonardos z. B. von seiner illegitimen Geburt und der Unfruchtbarkeit seiner ersten Stiefmutter Donna Albiera abhängig macht ? Ich glaube, man hat kein Recht dazu; wenn man den Zufall für unwürdig hält, über unser Schicksal zu entscheiden, ist es bloß ein Rückfall in die fromme Weltanschauung, deren Überwindung Leonardo selbst vorbereitete, als er niederschrieb, die Sonne bewege sich nicht. Wir sind natürlich gekränkt darüber, daß ein gerechter Gott und eine gütige Vorsehung uns nicht besser vor solchen Einwirkungen in unserer wehrlosesten Lebenszeit behüten. Wir vergessen dabei gern, daß eigentlich alles an unserem Leben Zufall ist, von unserer Entstehung an durch das Zusammentreffen von Spermatozoon und Ei, Zufall, der darum doch an der Gesetzmäßigkeit und Notwendigkeit der Natur seinen Anteil hat, bloß der Beziehung zu unseren Wünschen und Illusionen entbehrt. Die Aufteilung unserer Lebensdeterminierung zwischen den »Notwendigkeiten« unserer Konstitution und den »Zufälligkeiten^ unserer Kindheit mag


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DES LEONARDO DA VINCI.


im einzelnen noch ungesichert sein ; im ganzen läßt sich aber ein Zweifel an der Bedeutsamkeit gerade unserer ersten Kinder- jahre nicht mehr festhalten. Wir zeigen alle noch zu wenig Respekt vor der Natur, die nach Leonardos dunklen, an Hamlets Rede gemahnenden Worten »voll ist zahlloser Ur- sachen, die niemals in die Erfahrung traten« (La natura fe piena d'infinite ragioni che non furono mai in isperienza). l ) Jeder von uns Menschenwesen entspricht einem der ungezählten Experimente, in denen diese ragioni der Natur sich in die Erfahrung drängen.

Full English text[1]

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(Sv)


Leonardo da Vinci

A PSYCHOSEXUAL STUDY OF AN INFANTILE REMINISCENCE


BY

PROFESSOR DR. SIGMUND FREUD, LL.D.

(UNIVERSITY OF VIENNA)

TRANSLATED BY A. A. BRILL, Ph.B., M.D.

Lecturer in Psychoanalysis and Abnormal ' Psychology, New York University



NEW YORK

MOFFAT, YARD & COMPANY

1916


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COPYEIGHT, 1916. BY

MOFFAT, YARD & COMPANY


ILLUSTRATIONS

Leonardo Da Vinci Frontispiece

FACING PAGE

Mona Lisa yS

Saint Anne 86

John the Baptist 94



LEONARDO DA VINCI


When psychoanalytic investigation, which usually contents itself with frail human mate- rial, approaches the great personages of hu- manity, it is not impelled to it by motives which are often attributed to it by laymen. It does not strive "to blacken the radiant and to drag the sublime into the mire" ; it finds no satisfac- tion in diminishing the distance between the perfection of the great and the inadequacy of the ordinary objects. But it cannot help find- ing that everything is worthy of understanding that can be perceived through those prototypes, and it also believes that none is so big as to be ashamed of being subject to the laws which con- trol the normal and morbid actions with the same strictness.

Leonardo da Vinci (1452-1519J was ad-


2 LEONARDO DA VmCI

mired even by his contemporaries as one of the greatest men of the Italian Renaissance, still even then he appeared as mysterious to them as he now appears to us. An all-sided genius, 'Vhose form can only be divined but never deeply fathomed/' ^ he exerted the most deci- sive influence on his time as an artist ; and it re- mained to us to recognize his greatness as a naturalist which was united in him with the artist. Although he left masterpieces of the art of painting, while his scientific discoveries remained unpublished and" unused, the investi- gator in him has never quite left the artist, often it has severely injured the artist and in the end it has perhaps suppressed the artist altogether. According to Vasari, Leonardo reproached himself during the last hour of his life for having insulted God and men because he has not done his duty to his art.^ And even if Vasari's story lacks all probability and be- longs to those legends which began to be woven about the mystic master while he was still liv-

1 In the words of J. Burckhard, cited by Alexandra Kon- stantinowa, Die Entwicklung des Madonnentypus by Leonardo da Vinci, Strassbnrg, 1907.

2 Vite, etc. LXXXIII. 1550-1584.


LEONARDO DA VINCI 3

ing, it nevertheless retains indisputable value as a testimonial of the judgment of those peo- ple and of those times.

What was it that removed the personality of Leonardo from the understanding of his con- temporaries? Certainly not the many sided- ness of his capacities and knowledge, which al- lowed him to install himself as a player of the lyre on an instrument invented by himself, in the court of Lodovico Sforza, nicknamed II Moro, the Duke of Milan, or which allowed him to write to the same person that remark- able letter in which he boasts of his abilities as a civil and military engineer. For the combi- nation of manifold talents in the same person was not unusual in the times of the Renais- sance; to be sure Leonardo himself furnished one of the most splendid examples of such per- sons. Nor did he belong to that type of genial persons who are outwardly poorly endowed by nature, and who on their side place no value on the outer forms of life, and in the painful gloominess of their feelings fly from human relations. On the contrary he was tall and symmetrically built, of consummate beauty of


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countenance and of unusual physical strength, he was charming in his manner, a master of speech, and jovial and affectionate to every- body. He loved beauty in the objects of his surroundings, he was fond of wearing magnifi- cent garments and appreciated every refine- ment of conduct. In his treatise ^ on the art of painting he compares in a significant pas- sage the art of painting with its sister arts and thus discusses the difficulties of the sculptor: "Now his face is entirely smeared and pow- dered with marble dust, so that he looks like a baker, he is covered with small marble splin- ters, so that it seems as if it snowed on his back, and his house is full of stone splinters, and dust The case of the painter is quite dif- ferent from that; for the painter is well dressed and sits with great comfort before his work, he gently and very lightly brushes in the beautiful colors. He wears as decorative clothes as he likes, and his house is filled with beautiful paintings and is spotlessly clean. He often enjoys company, music, or some one may

3 Traktat von der Malerei, new edition and introduction by Marie Herzfeld, E. Diederichs, Jena, 1909*


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read for him various nice works, and all this can be listened to with great pleasure, undis- turbed by any pounding from the hammer and other noises."

It is quite possible that the conception of a beaming jovial and happy Leonardo was true only for the first and longer period of the mas- ter's life. From now on, when the downfall of the rule of Lodovico Moro forced him to leave Milan, his sphere of action and his as- sured position, to lead an unsteady and unsuc- cessful life until his last asylum in France, it is possible that the luster of his disposition be- came pale and some odd features of his char- acter became more prominent. The turning of his interest from his art to science which in- creased with age must have also been respon- sible for widening the gap between himself and his contemporaries. All his efforts with which, according to their opinion, he wasted his time instead of diligently filling orders and be- coming rich as perhaps his former classmate Perugino, seemed to his contemporaries as ca- pricious playing, or even caused them to sus- pect him of being in the service of the "black


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art." We who know him from his sketches understand him better. In a time in which the authority of the church began to be substituted by that of antiquity and in which only theo- retical investigation existed, he the forerunner, or better the worthy competitor of Bacon and Copernicus, was necessarily isolated. When he dissected cadavers of horses and human be- ings, and built flying apparatus, or when he studied the nourishment of plants and their be- havior towards poisons, he naturally deviated much from the commentators of Aristotle and came nearer the despised alchemists, in whose laboratories the experimental investigations found some refuge during these unfavorable times.

The effect that this had on his paintings was that he disliked to handle the brush, he painted less and what was more often the case, the things he began were mostly left unfinished; he cared less and less for the future fate of his works. It was this mode of working that was held up to him as a reproach from his contem- poraries to whom his behavior to his art re- mained a riddle.


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Many of Leonardo's later admirers have at- tempted to wipe off the stain of unsteadiness from his character. They maintained that what is blamed in Leonardo is a general char- acteristic of great artists. They said that even the energetic Michelangelo who was absorbed in his work left many incompleted works, which was as little due to his fault as to Leo- nardo's in the same case. Besides some pic- tures were not as unfinished as he claimed, and what the layman would call a masterpiece may still appear to the creator of the work of art as an unsatisfied embodiment of his intentions ; he has a faint notion of a perfection which he de- spairs of reproducing in likeness. Least of all should the artist be held responsible for the fate which befalls his works.

As plausible as some of these excuses may sound they nevertheless do not explain the whole state of affairs which we find in Leo- nardo. The painful struggle with the work, the final flight from it and the indifference to its future fate may be seen in many other artists, but this behavior is shown in Leonardo to high-


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est degree. Edm. Solmi * cites (p. 12) tHe ex- pression of one of his pupils : "Pareva, che ad ogni ora tremasse, quando si poneva a dipin- gere, e pero no diede mai fine ad alcuna cosa cominciata, considerando la grandezza dell'arte, tal che egli scorgeva errori in quelle cose, che ad altri parevano miracoli/' His last pic- tures, Leda, the Madonna di Saint Onofrio, Bacchus and St. John the Baptist, remained unfinished come quasi intervenne di tutte le cose sue." Lomazzo,^ who finished a copy of The Holy Supper, refers in a sonnet to the fa- miliar inability of Leonardo to finish his works :

  • Trotogen che il penel di sue pitture

Non levava, agguaglio il Vinci Divo, Di cui opra non e finita pure."

The slowness with which Leonardo worked was proverbial. After the most thorough pre- liminary studies he painted The Holy Supper for three years in the cloister of Santa Maria

  • Solmi. La resurrezione dell' opera di Leonardo in the col-

lected work; Leonardo da Vinci. Conferenze Florentine, Milan, 1910.

5 Scognamiglio Ricerche e Documenti sulla giovinezza di Leonardo da Vinci. Napoli, 1900.


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delle Grazie in Milan. One of his contem- poraries, Matteo BandelH, the writer of novels, who was then a young monk in the cloister, re- lates that Leonardo often ascended the scaffold very early in the morning and did not leave the brush out of his hand until twilight, never thinking of eating or drinking. Then days passed without putting his hand on it, some- times he remained for hours before the paint- ing and derived satisfaction from studying it by himself. At other times he came directly to the cloister from the palace of the Milanese Castle where he formed the model of the eques- trian statue for Francesco Sforza, in order to add a few strokes with the brush to one of the figures and then stopped immediately.® Ac- cording to Vasari he worked for years on the portrait of Monna Lisa, the wife of the Floren- tine de Gioconda, without being able to bring it to completion. This circumstance may also account for the fact that it was never delivered to the one who ordered it but remained with Leonardo who took it with him to

^W. V. Seidlitz. Leonardo da Vinci, der Wendepunkt der Renaissance, 1909, Bd. I, p. 203.


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France/ Having been procured by King Francis I, it now forms one of the greatest- treasures of the Louvre.

When one compares these reports about Leonardo's way of working with the evidence of the extraordinary amount of sketches and studies left by him, one is bound altogether to reject the idea that traits of flight iness and unsteadiness exerted the slightest influence on Leonardo's relation to his art. On the con- trary one notices a very extraordinary absorp- tion in work, a richness in possibilities in which a decision could be reached only hestitatingly, claims which could hardly be satisfied, and an inhibition in the execution which could not even be explained by the inevitable back- wardness of the artist behind his ideal pur- pose. The slowness which was striking in Leonardo's works from the very beginning proved to be a symptom of his inhibition, a forerunner of his turning away from painting which manifested itself later.^ It was this

7 W. V. Seidlitz, 1. c. Bd. II, p. 48.

8 W. Pater. The Renaissance, p. 107, The Macmillan Co., 1910. "But it is certain that at one period of his life he had almost ceased to be an artist."


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slowness which decided the not undeserving fate of The Holy Supper. Leonardo could not take kindly to the art of fresco painting which demands quick work while the background IS still moist, it was for this reason that he chose oil colors, the drying of which permitted him to complete the picture according to his mood and leisure. But these colors separated themselves from the background upon which they were painted and which isolated them from the brick wall ; the blemishes of this wall and the vicissitudes to which the room was sub- jected seemingly contributed to the inevitable deterioration of the picture.^

The picture of the cavalry battle of An- ghiari, which in competition with Michelangelo he began to paint later on a wall of the Sala de Consiglio in Florence and which he also left in an unfinished state, seemed to have perished through the failure of a similar technical proc- ess. It seems here as if a peculiar interest, that of the experimenter, at first reenf orced the artistic, only later to damage the art production.

® Cf . V. Seidlitz, Bd. I die Geschichte der Restaurations — und Rettungsversuche.


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The character of the man Leonardo evinces still some other unusual traits and apparent contradictions. Thus a certain inactivity and indifference seemed very evident in him. At a time when every individual sought to gain the widest latitude for his activity, which could not take place without the development of energetic aggression towards others, he surprised every one through his quiet peacefulness, his shun- ning of all competition and controversies. He was mild and kind to all, he was said to have rejected a meat diet because he did not con- sider it just to rob animals of their lives, and one of his special pleasures was to buy caged birds in the market and set them free.^^ He condemned war and bloodshed and designated man not so much as the king of the animal world, but rather as the worst of the wild beasts. ^^ But this effeminate delicacy of feel- ing did not prevent him from accompanying

10 Miintz. Leonard de Vinci, Paris, 1899, p. 18. (A letter of a contemporary from India to a Medici alludes to this pe- culiarity of Leonardo Given by Richter : The literary Works of Leonardo da Vmci.)

11 F. Botazzi. Leonardo biologo e anatomico. Conferenze Florentine, p. 186, 1910.


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condemned criminals on their way to execution in order to study and sketch in his notebook their features, distorted by fear, nor did it pre- vent him from inventing the most cruel offen- sive weapons, and from entering the service of Cesare Borgia as chief military engineer. Often he seemed to be indifferent to good and evil, or he had to be measured with a special standard. He held a high position in Cesare's campaign which gained for this most inconsid- erate and most faithless of foes the possession of the Romagna. Not a single line of Leonar- do's sketches betrays any criticism or sympathy of the events of those days. The comparison with Goethe during the French campaign can- not here be altogether rejected.

If a biographical effort really endeavors to penetrate the understanding of the psychic life of its hero it must not, as happens in most biog- raphies through discretion or prudery, pass over in silence the sexual activity or the sex peculiarity of the one examined. What we know about it in Leonardo is very little but full of significance. In a period where there was a constant struggle between riotous licentious-


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ness and gloomy asceticism, Leonardo pre- sented an example of cool sexual rejection which one would not expect in an artist and a portrayer of feminine beauty. Solmi ^^ cites the following sentence from Leonardo showing his frigidity: 'The act of procreation and everything that has any relation to it is so dis- gusting that human beings would soon die out if it were not a traditional custom and if there were no pretty faces and sensuous disposi- tions/' His posthumous works which not only treat of the greatest scientific problems but also comprise the most guileless objects which to us do not seem worthy of so great a mind (an allegorical natural history, animal fables, wit- ticisms, prophecies ),^^ are chaste to a degree — one might say abstinent — that in a work of belle lettres would excite wonder even to-day. They evade everything sexual so thoroughly, as if Eros alone who preserves everything liv- ing was no worthy material for the scientific

12 E. Solmi: Leonardo da Vinci. German Translation by Emmi Hirschberg. Berlin, 1908.

13 Marie Herzf eld : Leonardo da Vinci der Denker, Forscher und Poet. Second edition. Jena, 1906.


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impulse of the investigator.^* It is known how frequently great artists found pleasure in giv- ing vent to their phantasies in erotic and even grossly obscene representations; in contradis- tinction to this Leonardo left only some ana- tomical drawings of the woman's internal gen- itals, the position of the child in the womb, etc. It is doubtful whether Leonardo ever em^ braced a woman in love, nor is it known that he ever entertained an intimate spiritual rela- tion with a woman as in the case of Michel- angelo and Vittoria Colonna. While he still lived as an apprentice in the house of his mas- ter Verrocchio, he with other young men were accused of forbidden homosexual relations which ended in his acquittal. It seems that he came into this suspicion because he employed as a model a boy of evil repute.^^ When he was a master he surrounded himself with band- it His collected witticisms — ^belle facezie, — which are not translated, may be an exception. Cf. Herzfeld, Leonardo da Vinci, p. 151.

15 According to Scognamiglio (1. c. p. 49) reference is made to this episode in an obscure and even variously interpreted passage of the Codex Atlanticus : "Quando io feci Domened- dio putto voi mi metteste in prigione, ora s'io lo fo grande, voi mi f arete peggio."


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some boys and youths whom he took as pupils. The last of these pupils Francesco Melzi, ac- companied him to France, remained with him until his death, and was named by him as his heir. Without sharing the certainty of his modern biographers, who naturally reject the possibility of a sexual relation between himself and his pupils as a baseless insult to this great man, it may be thought by far more probable that the affectionate relationships of Leonardo to the young men did not result in sexual ac- tivity. Nor should one attribute to him a high measure of sexual activity.

The peculiarity of this emotional and sex- ual life viewed in connection with Leonar- do's double nature as an artist and investiga- tor can be grasped only in one way. Of the biographers to whom psychological viewpoints are often very foreign, only one, Edm. Solmi, has to my knowledge approached the solu- tion of the riddle. But a writer, Dimitri Sergewitsch Merejkowski, who selected Leo- nardo as the hero of a great historical novel has based his delineation on such an under- standing of this unusual man, and if not in dry


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words he gave unmistakable utterance in plas- tic expression in the manner of a poet/^ Solmi judges Leonardo as follows: But the unre- quited desire to understand everything sur- rounding him, and with cold reflection to dis- cover the deepest secret of everything that is perfect, has condemned Leonardo's works to remain forever unfinished." " In an essay of the Conferenze Fiorentine the utterances of Leonardo are cited, which show his confession of faith and furnish the key to his character.

Nessuna cosa si pud amare ne odiare, se prima no si ha cognition di quellaf ^^

That is: One has no right to love or to hate anything if one has not acquired a thor- ough knowledge of its nature. And the same is repeated by Leonardo in a passage of the Treaties on the Art of Painting where he seems

16 Merejkowski : The Romance of Leonardo da Vinci, translated by Herbert Trench, G. P. Putnam Sons, New York. It forms the second of the historical Trilogy entitled Christ and Anti-Christ, of which the first volume is Julian Apostata, and the third volume is Peter the Great and Alexei.

17 Solmi 1. c. p. 46.

18 Filippo Botazzi, 1. c. p. 193.


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to defend himself against the accusation of ir- religiousness :

"But such censurers might better remain si- lent. For that action is the manner of show- ing the workmaster so many wonderful things, and this is the way to love so great a discoverer. For, verily great love springs from great knowledge of the beloved object, and if you little know it you will be able to love it only little or not at all." '^

The value of these utterances of Leonardo cannot be found in that they impart to us an important psychological fact, for what they maintain is obviously false, and Leonardo must have known this as well as we do. It is not true that people refrain from loving or hat- ing until they have studied and became famil- iar with the nature of the object to whom they wish to give these affects, on the contrary they love impulsively and are guided by emotional motives which have nothing to do with cogni- tion and whose affects are weakened, if any- thing, by thought and reflection. Leonardo

i» Marie Herzfeld: Leonardo da Vinci, Traktat von der Malerei, Jena, 1909 (Chap. I, 64).


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only could have implied that the love practiced by people is not of the proper and unobjection- able kind, one should so love as to hold back the affect and to subject it to mental elabora- tion, and only after it has stood the test of the intellect should free play be given to it. And we thereby understand that he wishes to tell us that this was the case with himself and that it would be worth the effort of everybody else to treat love and hatred as he himself does. And it seems that in his case it was really so. His affects were controlled and subjected to the investigation impulse, he neither loved nor hated, but questioned himself whence does that arise, which he was to love or hate, and what does it signify, and thus he was at first forced to appear indifferent to good and evil, to beauty and ugliness. During this work of investigation love and hatred threw off their designs and uniformly changed into intellectual interest. As a matter of fact Leonardo was not dispassionate, he did not lack the divine spark which is the mediate or immediate motive power — il primo motore — of all human activ- ity. He only transmuted his passion into in-


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quisitiveness. He then applied himself to study with that persistence, steadiness, and profundity which comes from passion, and on the height of the psychic work, after the cog- nition was won, he allowed the long checked affect to break loose and to flow off freely like a branch of a stream, after it has accomplished its work. At the height of his cognition when he could examine a big part of the whole he was seized with a feeling of pathos, and in ecstatic words he praised the grandeur of that part of creation which he studied, or — in reli- gious cloak — the greatness of the creator. Solmi has correctly divined this process of transformation in Leonardo. According to the quotation of such a passage, in which Leo- nardo celebrated the higher impulse of nature C'O mirabile necessita . . .")hesaid: "Tale trasfigurazione della scienza della natura in emozione, quasi direi, religiosa, e uno dei tratti caratteristici de manoscritti vinciani, e si trova cento e cento volte espressa. . . ." ^^

20 "Such transfiguration of science and of nature into emo- tions, or one might say, religion, is one of the characteristic traits of da Vinci's manuscripts, which one finds expressed hundreds of times." Solmi: La resurrezione, etc., p. ii.


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Leonardo was called the Italian Faust on ac- count of his insatiable and indefatigable desire for investigation. But even if we disregard the fact that it is the possible retransf ormation of the desire for investigation into the joys of life which is presupposed in the Faust trag- edy, one might venture to remark that Leon- ardo's system recalls Spinoza's mode of think- ing.

The transformation of psychic motive power into the different forms of activity is perhaps as little convertible without loss, as in the case of physical powers. Leonardo's example teaches how many other things one must follow up in these processes. Not to love before one gains full knowledge of the thing loved pre- supposes a delay which is harmful. When one finally reaches cognition he neither loves nor hates properly; one remains beyond love and hatred. One has investigated instead of hav- ing loved. It is perhaps for this reason that Leonardo's life was so much poorer in love than those of other great men and great artists. The storming passions of the soul-stirring and consuming kind, in which others experience the


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best part of their lives, seem to have missed him.

There are still other consequences when one follows Leonardo's dictum. Instead of acting and producing one just investigates. He who begins to divine the grandeur of the universe and its needs readily forgets his own insig- nificant self. When one is struck with admi- ration and becomes truly humble he easily for- gets that he himself is a part of that living force, and that according to the measure of his own personality he has the right to make an effort to change that destined course of the world, the world in which the insignificant is no less wonderful and important than the great.

Solmi thinks that Leonardo's investigations started with his art,^^ he tried to investigate the attributes and laws of light, of color, of shades and of perspective so as to be sure of becoming a master in the imitation of nature and to be able to show the way to others. It

21 La resurrezione, etc., p. 8 : "Leonardo placed the study of nature as a precept to painting . . . later the passion for study- became dominating, he no longer wished to acquire science for art, but science for science' sake/*


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is probable that already at that time he over- estimated the value of this knowledge for the artist. Following the guide-rope of the paint- er's need, he was then driven further and fur- ther to investigate the objects of the art of painting, such as animals and plants, and the proportions of the human body, and to follow the path from their exterior to their interior structure and biological functions, which really also express themselves in their appearance and should be depicted in art. And finally he was pulled along by this overwhelming desire until the connection was torn from the de- mands of his art, so that he discovered the gen- eral laws of mechanics and divined the history of the stratification and fossilization of the Arno-valley, until he could enter in his book with capital letters the cognition: // sole non si move (The sun does not move). His inves- tigations were thus extended over almost all realms of natural science, in every one of which he was a discoverer or at least a prophet or forerunner.^^ However, his curiosity contin- ued to be directed to the outer world, some-

22 For an enumeration of his scientific attainments see Marie


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thing kept him away from the investigation of the psychic Hfe of men; there was Httle room for psychology in the *'Academia Vinciana," for which he drew very artistic and very com- phcated emblems.

When he later made the effort to return from his investigations to the art from which he started he felt that he was disturbed by the new paths of his interest and by the changed nature of his psychic work. In the picture he was interested above all in a problem, and be- hind this one he saw emerging numerous other problems just as he was accustomed in the end- less and indeterminable investigations of nat- ural history. He was no longer able to limit his demands, to isolate the work of art, and to tear it out from that great connection of which he knew it formed part. After the most exhausting efforts to bring to expression all that was in him, all that was connected with it in his thoughts, he was forced to leave it un- finished, or to declare it incomplete.

The artist had once taken into his service

Herzfeld's interesting introduction (Jena, 1906) to the essays of the Conferenze Fiorentine, 19 10, and elsewhere.


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the investigator to assist him, now the servant was stronger and suppressed his master.

When we find in the portrait of a person one single impulse very forcibly developed, as curi- osity in the case of Leonardo, we look for the explanation in a special constitution, concern- ing its probable organic determination hardly anything is known. Our psychoanalytic stud- ies of nervous people lead us to look for two other expectations which we would like to find verified in every case. We consider it prob- able that this very forcible impulse was already active in the earliest childhood of the person, and that its supreme sway was fixed by infan- tile impressions; and we further assume that originally it drew upon sexual motive powers for its reenforcement so that it later can take the place of a part of the sexual life. Such person would then, e.g., investigate with that passionate devotion which another would give to his love, and he could investigate instead of loving. We would venture the conclusion of a sexual reenforcement not only in the impulse to investigate, but also in most other cases of special intensity of an impulse.


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Observation of daily life shows us that most persons have the capacity to direct a very tan- gible part of their sexual motive powers to their professional or business activities. The sexual impulse is particularly suited to yield such contributions because it is endowed with the capacity of sublimation, i.e., it has the power to exchange its nearest aim for others of higher value which are not sexual. We consider this process as proved, if the history of childhood or the psychic developmental his- tory of a person shows that in childhood this powerful impulse was in the service of the sex- ual interest. We consider it a further cor- roboration if this is substantiated by a strik- ing stunting in the sexual life of mature years, as if a part of the sexual activity had now been replaced by the activity of the predominant im- pulse.

The application of these assumptions to the case of the predominant investigation-impulse seems to be subject to special difficulties, as one is unwilling to admit that this serious impulse exists in children or that children show any noteworthy sexual interest. However, these


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difficulties are easily obviated. The untiring pleasure in questioning as seen in little children demonstrates their curiosity, which is puzzling to the grown-up, as long as he does not under- stand that all these questions are only circum- locutions, and that they cannot come to an end because they replace only one question which the child does not put. When the child be- comes older and gains more understanding this manifestation of curiosity suddenly disappears. But psychoanalytic investigation gives us a full explanation in that it teaches us that many, perhaps most children, at least the most gifted ones, go through a period beginning with the third year, which may be designated as the period of infantile sexual investigation. As far as we know, the curiosity is not awakened spontaneously in children of this age, but is aroused through the impression of an impor- tant experience, through the birth of a little brother or sister, or through fear of the same endangered by some outward experience, wherein the child sees a danger to his egotistic interests. The investigation directs itself to the question whence children come, as if the


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child were looking for means to guard against such undesired event. We were astonished to find that the child refuses to give credence to the information imparted to it, e.g., it energetically rejects the mythological and so ingenious stork- fable, we were astonished to find that its psychic independence dates from this act of dis- belief, that it often feels itself at serious vari- ance with the grown-ups, and never forgives them for having been deceived of the truth on this occasion. It investigates in its own way, it divines that the child is in the mother's womb, and guided by the feelings of its own sexuality, it formulates for itself theories about the origin of children from food, about being born through the bowels, about the role of the father which is difficult to fathom, and even at that time it has a vague conception of the sexual act which appears to the child as some- thing hostile, as something violent. But as its own sexual constitution is not yet equal to the task of producing children, his investigation whence come children must also run aground and must be left in the lurch as unfinished. The impression of this failure at the first at-


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tempt of intellectual independence seems to be of a persevering and profoundly depressing nature.^^

If the period of infantile sexual investigation comes to an end through an impetus of ener- getic sexual repression, the early association with sexual interest may result in three differ- ent possibilities for the future fate of the in- vestigation impulse. The investigation either shares the fate of the sexuality, the curiosity henceforth remains inhibited and the free ac- tivity of intelligence may become narrowed for life ; this is especially made possible by the pow- erful religious inhibition of thought, which is brought about shortly hereafter through educa- tion. This is the type of neurotic inhibition. We know well that the so acquired mental weakness furnishes effective support for the

23 For a corroboration of this improbable sounding assertion see the "Analysis of the Phobia of a Five-year-old Boy," Jahrbuch fur Psychoanalytische und Psychopathologische Forschungen, Bd. I, 1909, and the similar observation in Bd. II, 1910. In an essay concerning "Infantile Theories of Sex" (Sammlungen kleiner Schriften zur Neurosenlehre, p. 167, Second Series, 1909), I wrote : "But this reasoning and doubt- ing serves as a model for all later intellectual work in prob- lems, and the first failure acts as a paralyzer for all times."


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outbreak o£ a neurotic disease. In a second type the intellectual development is sufficiently strong to withstand the sexual repression pull- ing at it. Sometimes after the disappearance of the infantile sexual investigation, it offers its support to the old association in order to elude the sexual repression, and the suppressed sexual investigation comes back from the un- conscious as compulsive reasoning, it is nat- urally distorted and not free, but forceful enough to sexualize even thought itself and to accentuate the intellectual operations with the pleasure and fear of the actual sexual proc- esses. Here the investigation becomes sexual activity and often exclusively so, the feeling of settling the problem and of explaining things in the mind is put in place of sexual gratifica- tion. But the indeterminate character of the infantile investigation repeats itself also in the fact that this reasoning never ends, and that the desired intellectual feeling of the solution constantly recedes into the distance. By vir- tue of a special disposition the third, which is the most rare and most perfect type, escapes the inhibition of thought and the compulsive


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reasoning. Also here sexual repression takes place, it is unable, however, to direct a partial impulse of the sexual pleasure into the uncon- scious, but the libido withdraws from the fate of the repression by being sublimated from the beginning into curiosity, and by reenforcing the powerful investigation impulse. Here, too, the investigation becomes more or less compulsive and a substitute of the sexual ac- tivity, but owing to the absolute difference of the psychic process behind it (sublimation in place of the emergence from the unconscious) the character of the neurosis does not manifest itself, the subjection to the original complexes of the infantile sexual investigation disappears, and the impulse can freely put itself in the service of the intellectual interest. It takes account of the sexual repression which made it so strong in contributing to it sublimated libido, by avoiding all occupation with sexual themes.

In mentioning the concurrence in Leonardo of the powerful investigation impulse with the stunting of his sexual life which was limited to the so-called ideal homosexuality, we feel in-


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dined to consider him as a model example of our third type. The most essential point of his character and the secret of it seems to lie in the fact, that after utilizing the infantile ac- tivity of curiosity in the service of sexual in- terest he was able to sublimate the greater part of his libido into the impulse of investigation. But to be sure the proof of this conception is not easy to produce. To do this we would have to have an insight into the psychic development of his first childhood years, and it seems fool- ish to hope for such material when the reports concerning his life are so meager and so un- certain ; and moreover, when we deal with in- formation which even persons of our own gen- eration withdraw from the attention of the observer.

We know very little concerning Leonardo's youth. He was born in 1452 in the little city of Vinci between Florence and Empoli ; he was an illegitimate child which was surely not con- sidered a great popular stain in that time. His father was Ser Piero da Vinci, a notary and descendant of notaries and farmers, who took their name from the place Vinci; his mother,


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a certain Caterina, probably a peasant girl, who later married another native of Vinci. Noth- ing else about his mother appears in the life his- tory of Leonardo, only the writer Merejkowski believed to have found some traces of her. The only definite information about Leonar- do's childhood is furnished by a legal document from the year 1457, a register of assessment in which Vinci Leonardo is mentioned among the members of the family as a five-year-old ille- gitimate child of Ser Piero.^* As the mar- riage of Ser Piero with Donna Albiera re- mained childless the little Leonardo could be brought up in his father's house. He did not leave this house until he entered as apprentice — it is not known what year — in the studio of Andrea del Verrocchio. In 1472 Leonardo's name could already be found in the register of the members of the Compagnia dei Pittori." That is all.

2* Scognamiglio 1. c, p. 15.


II

As far as I know Leonardo only once in- terspersed in his scientific descriptions a com- munication from his childhood. In a passage where he speaks about the flight of the vulture, he suddenly interrupts himself in order to fol- low up a memory from very early years which came to his mind.

"It seems that it had been destined before that I should occupy myself so thoroughly with the vulture J for it comes to my mind as a very early memory, when I was still in the cradle, a vulture came down to me, he opened my mouth with his tail and struck me a few times with his tail against my lips/' ^

We have here an infantile memory and to be sure of the strangest sort. It is strange on account of its content and account of the time of life in which it was fixed. That a person

1 Cited by Scognamiglio from the Codex Atlanticus, p. 65.

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could retain a memory of the nursing period is perhaps not impossible, but it can in no way be taken as certain. But what this memory of Leonardo states, namely, that a vulture opened the child's mouth with its tail, sounds so im- probable, so fabulous, that another conception which puts an end to the two difficulties with one stroke appeals much more to our judgment. The scene of the vulture is not a memory of Leonardo, but a phantasy which he formed later, and transferred into his childhood. The childhood memories of persons often have no different origin, as a matter of fact, they are not fixated from an experience like the con- scious memories from the time of maturity and then repeated, but they are not produced until a later period when childhood is already past, they are then changed and disguised and put in the service of later tendencies, so that in gen- eral they cannot be strictly differentiated from phantasies. Their nature will perhaps be best understood by recalling the manner in which history writing originated among ancient na- tions. As long as the nation was small and weak it gave no thought to the writing of its


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history, it tilled the soil of its land, defended its existence against its neighbors by seeking to wrest land from them and endeavored to become rich. It was a heroic but unhistoric time. Then came another age, a period of self-realization in which one felt rich and pow- erful, and it was then that one experienced the need to discover whence one originated and how one developed. The history-writing which then continues to register the present events throws also its backward glance to the past, it gathers traditions and legends, it in- terprets what survived from olden times into customs and uses, and thus creates a history of past ages. It is quite natural that this his- tory of the past ages is more the expressions of opinions and desires of the present than a faithful picture of the past, for many a thing escaped the people's memory, other things be- came distorted, some trace of the past was mis- understood and interpreted in the sense of the present ; and besides one does not write history through motives of objective curiosity, but be- cause one desires to impress his contempor- aries, to stimulate and extol them, or to hold the


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mirror before them. The conscious memory of a person concerning the experiences of his maturity may now be fully compared to that of history writing, and his infantile memories, as far as their origin and reliability are concerned will actually correspond to the history of the primitive period of a people which was com- piled later with purposive intent.

Now one may think that if Leonardo's story of the vulture which visited him in his cradle is only a phantasy of later birth, it is hardly worth while giving more time to it. One could easily explain it by his openly avowed inclination to occupy himself with the problem of the flight of the bird which would lend to this phantasy an air of predetermined fate. But with this depreciation one commits as great an injustice as if one would simply ignore the material of legends, traditions, and interpreta- tions in the primitive history of a people. Not- withstanding all distortions and misunder- standings to the contrary they still represent the reality of the past ; they represent what the people formed out of the experiences of its past age under the domination of once powerful and


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to-day still effective motives, and if these dis- tortions could be unraveled through the knowl- edge of all effective forces, one would surely discover the historic truth under this legendary material. The same holds true for the infan- tile reminiscences or for the phantasies of indi- viduals. What a person thinks he recalls from his childhood, is not of an indifferent nature. As a rule the memory remnants, which he him- self does not understand, conceal invaluable evidences of the most important features of his psychic development. As the psychoanalytic technique affords us excellent means for bring- ing to light this concealed material, we shall venture the attempt to fill the gaps in the his- tory of Leonardo's life through the analysis of his infantile phantasy. And if we should not attain a satisfactory degree of certainty, we will have to console ourselves with the fact that so many other investigations about this great and mysterious man have met no better fate.

When we examine Leonardo's vulture-phan- tasy with the eyes of a psychoanalyst then it does not seem strange very long; we recall that we have often found similar structures in


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dreams, so that we may venture to translate this phantasy from its strange language into words that are universally understood. The translation then follows an erotic direction. Tail, coda," is one of the most familiar sym- bols, as well as a substitutive designation of the male member which is no less true in Italian than in other languages. The situation con- tained in the phantasy, that a vulture opened the mouth of the child and forcefully belabored it with its tail, corresponds to the idea of fella- tio, a sexual act in which the member is placed into the mouth of the other person. Strangely enough this phantasy is altogether of a passive character; it resembles certain dreams and phantasies of women and of passive homosex- uals who play the feminine part in sexual re- lations.

Let the reader be patient for a while and not flare up with indignation and refuse to follow psychoanalysis because in its very first applica- tions it leads to an unpardonable slander of the memory of a great and pure man. For it is quite certain that this indignation will never solve for us the meaning of Leonardo's child-


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hood phantasy; on the other hand, Leonardo has unequivocally acknowledged this phantasy, and we shall therefore not relinquish the ex- pectation — or if you prefer the preconception — that like every psychic production such as dreams, visions and deliria this phantasy, too, must have some meaning. Let us therefore lend our unprejudiced ears for a while to psy- choanalytic work which after all has not yet uttered the last word.

The desire to take the male member into the mouth and suck it, which is considered as one of the most disgusting of sexual perversions, is nevertheless a frequent occurrence among the women of our time — and as shown in old sculptures was the same in earlier times — and in the state of being in love seems to lose en- tirely its disgusting character. The physician encounters phantasies based on this desire, even in women who did not come to the knowl- edge of the possibility of such sexual gratifica- tion by reading v. Krafft-Ebing's Psycho- pathia Sexualis or through other information. It seems that it is quite easy for the women themselves to produce such wish-phanta-


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sies,^ Investigation then teaches us that this situation, so forcibly condemned by custom, may be traced to the most harmless origin. It is nothing but the elaboration of another situa- tion in which we all once felt comfort, namely, when we were in the suckling-age (^'when I was still in the cradle") and took the nipple of our mother's or wet-nurse's breast into our mouth to suck it. The organic impression of this first pleasure in our lives surely remains indelibly impregnated; when the child later learns to know the udder of the cow, which in function is a breast-nipple, but in shape and in position on the abdomen resembles the penis, it obtains the primary basis for the later formation of that disgusting sexual phantasy.

We now understand why Leonardo displaced the memory of the supposed experience with the vulture to his nursing period. This phan- tasy conceals nothing more or less than a rem- iniscence of nursing — or being nursed — at the mother's breast, a scene both human and beau- tiful, which he as well as other artists under-

2Cf. here the "Bruchstiick einer Hysterieanalyse," in Neu- rosenlehre, Second series, 1909.


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took to depict with the brush in the form of the mother of God and her child. At all events, we also wish to maintain, something we do not as yet understand, that this reminiscence, equally significant for both sexes, was elabo- rated in the man Leonardo into a passive homo- sexual phantasy. For the present we shall not take up the question as to what connection there is between homosexuality and suckling at the mother's breast, we merely wish to recall that tradition actually designates Leonardo as a person of homosexual feelings. In consider- ing this, it makes no difference whether that ac- cusation against the youth Leonardo was justi- fied or not. It is not the real activity but the nature of the feeling which causes us to decide whether to attribute to some one the character- istic of homosexuality.

Another incomprehensible feature of Leo- nardo's infantile phantasy next claims our in- terest. We interpret the phantasy of being wet-nursed by the mother and find that the mother is replaced by a vulture. Where does this vulture originate and how does he come into this place?


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A thought now obtrudes itself which seems so remote that one is tempted to ignore it. In the sacred hieroglyphics of the old Egyptians the mother is represented by the picture of the vulture.^ These Egyptians also worshiped a motherly deity, whose head was vulture like, or who had many heads of which at least one or two was that of a vulture.^ The name of this goddess was pronounced Mut; we may question whether the sound similarity to our word mother (Mutter) is only accidental? So the vulture really has some connection with the mother, but of what help is that to us ? Have we a right to attribute this knowledge to Leo- nardo when Frangois Champollion first suc- ceeded in reading hieroglyphics between 1790- 1832?^

It would also be interesting to discover in what way the old Egyptians came to choose the vulture as a symbol of motherhood. As a mat- ter of fact the religion and culture of Egyptians

SHorapollo: Hieroglyphica I, ll. MT^repa 5e ypa.(povT€^ . . . Ti'ira ^wypa^ovffiv,

  • Roscher: Ausf. Lexicon der griechischen und romischen

Mythologie. Artikel Mut, II Bd., 1894-1897. — Lanzone. Dizionario di Mitologia egizia. Torino, 1882.

5 H. Hartleben, Champollion. Sein Leben und sein Werk, 1906.


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were subjects of scientific interest even to the Greeks and Romans, and long before we our- selves were able to read the Egyptian monu- ments we had at our disposal some communica- tions about them from preserved works of clas- sical antiquity. Some of these writings be- longed to familiar authors like Strabo, Plu- tarch, Aminianus Marcellus, and some bear un- familiar names and are uncertain as to origin and time, like the hieroglyphica of Horapollo Nilus, and like the traditional book of oriental priestly wisdom bearing the godly name Hermes Trismegistos. From these sources we learn that the vulture was a symbol of motherhood because it was thought that this species of birds had only female vultures and no males.^ The natural history of the ancients shows a counterpart to this limitation among the scarebaeus beetles which were revered by the Egyptians as godly, no females were sup- posed to existJ

6 "'^vira 5e appeva ov (f)a(ny€V€adai nrore^ aCKb. 9rj\eias airaaat^* cited by v. Romer. Uber die androgynische Idee des Lebens, Jahrb. f. Sexuelle Zwischenstufen, V, 1903, p. 732.

■^ Plutarch : Veluti scarabaeos mares tantum esse piitarunt Aegyptii sic inter vultures mares non inveniri statuerunt.


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But how does impregnation take place in vul- tures if only females exist? This is fully an- swered in a passage of Horapollo.^ At a cer- tain time these birds stop in the midst of their flight, open their vagina and are impregnated by the wind.

Unexpectedly we have now reached a point where we can take something as quite probable which only shortly before we had to reject as absurd. It is quite possible that Leonardo was well acquainted with the scientific fable, ac- cording to which the Egyptians represented the idea of mother with the picture of the vulture. He was an omnivorous reader whose interest comprised all spheres of literature and knowl- edge. In the Codex Atlanticus we find an in- dex of all books which he possessed at a cer- tain time,^ as well as numerous notices about other books which he borrowed from friends, and according to the excerpts which Fr. Rich- ter ^^ compiled from his drawings we can

8 HorapolHnis Niloi Hieroglyphica edidit Conradus Leemans Amstelodami, 1835. The words referring to the sex of the vulture read as follows (p. 14) : "/^vrepa fiev eweidri Appeu €V rovTco yevei tuv fwojy ovx i'Trdpx^*."

« E. Miintz, 1. c, p. 282. 10 E. Miintz, 1. c.


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hardly overestimate the extent of his reading. Among these books there was no lack of older as well as contemporary works treating of nat- ural history. All these books were already in print at that time, and it so happens that Milan was the principal place of the young art of book printing in Italy.

When we proceed further we come upon a communication which may raise to a certainty the probability that Leonardo knew the vulture fable. The erudite editor and commentator of Horapollo remarked in connection with the text (p. 172) cited before: Caeterum hanc fabulam de vulturibus ciipide amplexi sunt Patres Ec- clesiasticij ut ita argumento ex rerum natura petito refutarent eos, qui Virginis partum nega- hant; itaque apud omnes fere hujus ret mentio occurit.

Hence the fable of the monosexuality ana the conception of the vulture by no means re- mained as an indifferent anecdote as in the case of the analogous fable of the scarebseus beetles ; that church fathers mastered it in order to have it ready as an argument from natural history against those who doubted the sacred history.


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If according the best information from antiq- uity the vultures were directed to let them- selves be impregnated by the wind, why should the same thing not have happened even once in a human female? On account of this use the church fathers were almost all" in the habit of relating this vulture fable, and now it can hardly remain doubtful that it also became known to Leonardo through so powerful a source.

The origin of Leonardo's vulture phantasy can be conceived in the following manner: While reading in the writings of a church father or in a book on natural science that the vultures are all females and that they know to procreate without the cooperation of a male, a memory emerged in him which became trans- formed into that phantasy, but which meant to say that he also had been such a vulture child, which had a mother but no father. An echo of pleasure which he experienced at his moth- er's breast was added to this in the manner as so old impressions alone can manifest them- selves. The allusion to the idea of the holy virgin with the child, formed by the authors,


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which is so dear to every artist, must have con- tributed to it to make this phantasy seem to him valuable and important. For this helped him to identify himself with the Christ child, the comforter and savior of not alone this one woman.

When we break up an infantile phantasy we strive to separate the real memory content from the later motives which modify and dis- tort the same. In the case of Leonardo we now think that we know the real content of the phantasy. The replacement of the mother by the vulture indicates that the child missed the father and felt himself alone with his mother. The fact of Leonardo's illegitimate birth fits in with his vulture phantasy ; only on account of it was he able to compare himself with a vulture child. But we have discovered as the next definite fact from his youth that at the age of five years he had already been received in his father's home ; when this took place, whether a few months following his birth, or a few weeks before the taking of the assessment of taxes, is entirely unknown to us. The interpretation of the vulture phantasy then steps in and wants


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to tell us that Leonardo did not spend the first decisive years of his life with his father and his step-mother but with his poor, forsaken, real mother, so that he had time to miss his father. This still seems to be a rather meager and rather daring result of the psychoanalytic ef- fort, but on further reflection it will gain in significance. Certainty will be promoted by mentioning the actual relations in Leonardo's childhood. According to the reports, his fa- ther Ser Piero da Vinci married the prominent Donna Albiera during the year of Leonardo's birth; it was to the childlessness of this mar- riage that the boy owed his legalized reception into his father's or rather grandfather's house during his fifth year. However, it is not cus- tomary to offer an illegitimate oflfspring to a young woman's care at the beginning of mar- riage when she is still expecting to be blessed with children. Years of disappointment must have elapsed before it was decided to adopt the probably handsomely developed illegitimate child as a compensation for legitimate children who were vainly hoped for. It harmonizes best with the interpretation of the vulture-


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phantasy, if at least three years or perhaps five years of Leonardo's Hf e had elapsed before he changed from his lonely mother to his father's home. But then it had already become too late. In the first three or four years of life im- pressions are fixed and modes of reactions are formed towards the outer world which can never be robbed of their importance by any later experiences.

If it is true that the incomprehensible child- hood reminiscences and the person's phantasies based on them always bring out the most sig- nificant of his psychic development, then the fact corroborated by the vulture phantasy, that Leonardo passed the first years of his life alone with his mother must have been a most de- cisive influence on the formation of his inner life. Under the effect of this constellation it could not have been otherwise than that the child which in his young life encountered one problem more than other children, should have begun to ponder very passionately over this riddle and thus should have become an investi- gator early in life. For he was tortured by the great questions whe|£.jicLxhildren come from



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and what has the father to do with their origin. The vague knowledge of this connection be- tween his investigation and his childhood his- tory has later drawn from him the exclama- tion that it was destined that he should deeply occupy himself with the problem of the bird's flight, for already in his cradle he had been visited by a vulture. To trace the curiosity which is directed to the flight of the bird to the infantile sexual investigation will be a later task which will not be difficult to accomplish.


Ill

The element of the vulture represents to us the real memory content in Leonardo's child- hood phantasy; the association into which Leo- nardo himself placed his phantasy threw a bright light on the importance of this content for his later life. In continuing the work of interpretation we now encounter the strange problem why this memory content was elabo- rated into a homosexual situation. The mother who nursed the child, or rather from whom the child suckled was transformed into a vulture which stuck its tail into the child's mouth. We maintain that the "coda" (tail) of the vulture, following the common substitut- ing usages of language, cannot signify any- thing else but a male genital or penis. But we do not understand how the phantastic activity came to furnish precisely this maternal bird

with the mark of masculinity, and in view of

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this absurdity we become confused at the possi- bility of reducing this phantastic structure to rational sense.

However, we must not despair. How many seemingly absurd dreams have we not forced to give up their sense 1 Why should it become more difficult to accomplish this in a childhood phantasy than in a dream!

Let us remember the fact that it is not good to find one isolated peculiarity, and let us has- ten to add another to it which is still more striking.

The vulture-headed goddess Mut of the Egyptians, a figure of altogether impersonal character, as expressed by Drexel in Roscher's lexicon, was often fused with other maternal deities of living individuality like Isis and Hathor, but she retained besides her separate existence and reverence. It was especially characteristic of the Egyptian pantheon that the individual gods did not perish in this amal- gamation. Besides the composition of deities the simple divine image remained in her inde- pendence. In most representations the vul- ture-headed maternal deity was formed by the


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Egyptians in a phallic manner/ her body which was distinguished as feminine by its breasts also bore the masculine member in a state of erection.

The goddess Mut thus evinced the same union of maternal and paternal characteristics as in Leonardo's vulture phantasy. Should we explain this concurrence by the assumption that Leonardo knew from studying his book the androgynous nature of the maternal vulture? Such possibility is more than questionable ; it seems that the sources accessible to him con- tained nothing of remarkable determination. It is more likely that here as there the agree- ment is to be traced to a common, effective and unknown motive.

Mythology can teach us that the androgy- nous formation, the union of masculine and feminine sex characteristics, did not belong to the goddess Mut alone but also to other deities such as Isis and Hathor, but in the latter per- haps only insofar as they possessed also a motherly nature and became fused with the goddess Mut.^ It teaches us further that

1 See the illustrations in Lanzone 1. c. T. CXXXVI-VIII. 2v. Romer 1. c.


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other Egyptian deities such as Neith of Sais out of whom the Greek Athene was later formed, were originally conceived as androg- ynous or dihermaphroditic, and that the same held true for many of the Greek gods, espe- cially of the Dionysian circle, as well as for Aphrodite who was later restricted to a femi- nine love deity. Mythology may also offer the explanation that the phallus which was added to the feminine body was meant to de- note the creative primitive force of nature, and that all these hermaphroditic deistic forma- tions express the idea that only a union of the masculine and feminine elements can result in a worthy representation of divine perfection. But none of these observations explain the psychological riddle, namely, that the phan- tasy of men takes no offense at the fact that a figure which was to embody the essence of the mother should be provided with the mark of the masculine power which is the opposite of motherhood.

The explanation comes from the infantile sexual theories. There really was a time in which the male genital was found to be com-


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patible with the representation of the mother. When the male child first directs his curiosity to the riddle of the sexual life, he is dominated by the interest for his own genitals. He finds this part of the body too valuable and too im- portant to believe that it would be missing in other persons to whom he feels such a resem- blance. As he cannot divine that there is still another equally valuable type of genital forma- tion he must grasp the assumption that all per- sons, also women, possess such a member as he. This preconception is so firm in the youthful investigator that it is not destroyed even by the first observation of the genitals in little girls. His perception naturally tells him that there is something different here than in him, but he is unable to admit to himself as the con- tent of this perception that he cannot find this member in girls. That this member may be missing is to him a dismal and unbearable thought, and he therefore seeks to reconcile it by deciding that it also exists in girls but it is still very small and that it will grow later.^

3 Cf. the observations in the Jahrbuch fiir Psychoanalytische und Psychopathologische Forschungen, Vol. I, 1909.


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If this expectation does not appear to be ful- filled on later observation he has at his disposal another way of escape. The member also ex- isted in the little girl but it was cut off and on its place there remained a wound. This prog- ress of the theory already makes use of his own painful experience; he was threatened in the meantime that this important organ will be taken away from him if it will form too much of an interest for his occupation. Under the influence of this threat of castration he now interprets his conception of the female genital, henceforth he will tremble for his masculinity, but at the same time he will look with contempt upon those unhappy creatures upon whom, in his opinion, this cruel punishment had already been visited.

Before the child came under the domination of the castration complex, at the time when he still held the woman at her full value, he began to manifest an intensive desire to look as an erotic activity of his impulse. He wished to see the genitals of other persons, originally probably because he wished to compare them with his own. The erotic attraction which


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emanated from the person of his mother soon reached its height in the longing to see her genital which he believed to be a penis. With the cognition acquired only later that the woman has no penis, this longing often be- comes transformed into its opposite and gives place to disgust, which in the years of puberty may become the cause of psychic impotence, of misogyny and of lasting homosexuality. But the fixation on the once so vividly desired ob- ject, the penis of the woman, leaves inerad- icable traces in the psychic life of the child, which has gone through that fragment of in- fantile sexual investigation with particular thoroughness. The fetich-like reverence for the feminine foot and shoe seems to take the foot only as a substitutive symbol for the once revered and since then missed member of the woman. The ^'braid-slashers without know- ing it play the part of persons who perform the act of castration on the female genital.

One will not gain any correct understanding of the activities of the infantile sexuality and probably will consider these communications unworthy of belief, as long as one does not re-


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linquish the attitude of our cultural deprecia- tion of the genitals and of the sexual functions in general. To understand the infantile psy- chic life one has to look to analogies from primitive times. For a long series of genera- tions we have been in the habit of considering the genitals or pudenda as objects of shame, and in the case of more successful sexual re- pression as' objects of disgust. The majority of those living to-day only reluctantly obey the laws of propagation, feeling thereby that their human dignity is being offended and degraded. What exists among us of the other conception of the sexual life is found only in the unculti- vated and in the lower social strata; among the higher and more refined types it is concealed as culturally inferior, and its activity is ventured only under the embittered admonition of a guilty conscience. It was quite different in the primitive times of the human race. From the laborious collections of students of civiliza- tion one gains the conviction that the genitals were originally the pride and hope of living be- ings, they enjoyed divine worship, and the divine nature of their functions was trans-


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ported to all newly acquired activities of man- kind. Through sublimation of its essential elements there arose innumerable god-figures, and at the time when the relation of official re- ligions with sexual activity was already hidden from the general consciousness, secret cults labored to preserve it alive among a number of the initiated. In the course of cultural devel- opment it finally happened that so much godli- ness and holiness had been extracted from sex- uality that the exhausted remnant fell into con- tempt. But considering the indestructibility which is in the nature of all psychic impressions one need not wonder that even the most prim- itive forms of genital worship could be demon- strated until quite recent times, and that lan- guage, customs and superstitions of present day humanity contain the remnants of all phases of this course of development."*

Important biological analogies have taught us that the psychic development of the individ- ual is a short repetition of the course of devel- opment of the race, and we shall therefore not find improbable what the psychoanalytic in-

  • Cf . Richard Payne Knight : The Cult of Priapus.


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vestigation of the child's psyche asserts con- cerning the infantile estimation of the genitals. The infantile assumption of the maternal penis is thus the common source of origin for the androgynous formation of the maternal dei- ties like the Egyptian goddess Mut and the vul- ture's coda" (tail) in Leonardo's childhood phantasy. As a matter of fact, it is only through misunderstanding that these deistic representations are designated hermaphroditic in the medical sense of the word. In none of them is there a union of the true genitals of both sexes as they are united in some deformed beings to the disgust of every human eye; but besides the breast as a mark of motherhood there is also the male member, just as it ex- isted in the first imagination of the child about his mother's body. Mythology has retained for the faithful this revered and very early fancied bodily formation of the mother. The prominence given to the vulture-tail in Leo- nardo's phantasy we can now translate as fol- lows : At that time when I directed my tender curiosity to my mother I still adjudged to her a genital like my own. A further testimonial


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of Leonardo's precocious sexual investigation, which in our opinion became decisive for his entire life.

A brief reflection now admonishes us that we should not be satisfied with the explanation of the vulture-tail in Leonardo's childhood phantasy. It seems as if it contained more than v^e as yet understand. For its more striking feature really consisted in the fact that the nursing at the mother's breast was trans- formed into being nursed, that is into a passive act which thus gives the situation an undoubted homosexual character. Mindful of the his- torical probability that Leonardo behaved in life as a homosexual in feeling, the question ob- trudes itself whether this phantasy does not point to a causal connection between Leonar- do's childhood relations to his mother and the later manifest, if only ideal, homosexuality. iWe would not venture to draw such conclusion from Leonardo's disfigured reminiscence were it not for the fact that we know from our psychoanalytic investigation of homosexual patients that such a relation exists, indeed it really is an intimate and necessary relation.


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Homosexual men who have started in our times an energetic action against the legal limitations of their sexual activity are fond of representing themselves through theoretical spokesmen as evincing a sexual variation, which may be distinguished from the very be- ginning, as an intermediate stage of sex or as a third sex." In other words, they maintain that they are men who are forced by organic determinants originating in the germ to find that pleasure in the man which they cannot feel in the woman. As much as one would wish to subscribe to their demands out of humane con- siderations, one must nevertheless exercise re- serve regarding their theories which were formulated without regard for the psychic genesis of homosexuality. Psychoanalysis of- fers the means to fill this gap and to put to test the assertions of the homosexuals. It is true that psychoanalysis fulfilled this task in only a small number of people, but all investigation thus far undertaken brought the same surpris- ing results.^ In all our male homosexuals

5 Prominently among those who undertook these investiga- tions are I. Sadger, whose results I can essentially corroborate


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there was a very intensive erotic attachment to a feminine person, as a rule to the mother, which was manifest in the very first period of childhood and later entirely forgotten by the individual. This attachment was produced or favored by too much love from the mother her- self, but was also furthered by the retirement or absence of the father during the childhood period. Sadger emphasizes the fact that the mothers of his homosexual patients were often man-women, or women with energetic traits of character who were able to crowd out the father from the place allotted to him in the family. I have sometimes observed the same thing, but I was more impressed by those cases in which the father was absent from the be- ginning or disappeared early so that the boy was altogether under feminine influence. It almost seems that the presence of a strong father would assure for the son the proper de- cision in the selection of his object from the op- posite sex.

from my own experience. I am also aware that Steket of Vienna, Ferenczi of Budapest, and Brill of New York, came to the same conclusions.


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Following this primary stage, a transfor- mation takes place whose mechanisms we know but whose motive forces we have not yet grasped. The love of the mother cannot con- tinue to develop consciously so that it merges into repression. The boy represses the love for the mother by putting himself in her place, by identifying himself with her, and by taking his own person as a model through the simi- larity of which he is guided in the selection of his love object. He thus becomes homosex- ual ; as a matter of fact he returns to the stage of autoerotism, for the boys whom the grow- ing adult now loves are only substitutive per- sons or revivals of his own childish person, whom he loves in the same way as his mother loved him. We say that he finds his love ob- ject on the road to narcism, for the Greek legend called a boy Narcissus to whom nothing was more pleasing than his own mirrored image, and who became transformed into a beautiful flower of this name.

Deeper psychological discussions justify the assertion that the person who becomes homo- sexual in this manner remains fixed in his un-


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conscious on the memory picture or his mother. By repressing the love for his mother he con- serves the same in his unconscious and hence- forth remains faithful to her. When as a lover he seems to pursue boys, he really thus runs away from women who could cause him to become faithless to his mother. Through direct observation of individual cases we could demonstrate that he who is seemingly receptive only of masculine stimuli is in reality influenced by the charms emanating from women just like a normal person, but each and every time he hastens to transfer the stimulus he received from the woman to a male object and in this manner he repeats again and again the mechan- ism through which he acquired his homosex- uality.

It is far from us to exaggerate the impor- tance of these explanations concerning the psychic genesis of homosexuality. It is quite clear that they are in crass opposition to the official theories of the homosexual spokesmen, but we are aware that these explanations are not sufficiently comprehensive to render pos- sible a final explanation of the problem. What


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one calls homosexual for practical purposes may have its origin in a variety of psychosex- ual inhibiting processes, and the process recog- nized by us is perhaps only one among many, and has reference only to one type of "homo- sexuality." We must also admit, that the number of cases in our homosexual type which shows the conditions required by us, exceeds by far those cases in which the resulting effect really appears, so that even we cannot reject the supposed cooperation of unknown consti- tutional factors from which one was otherwise wont to deduce the whole of homosexuality. As a matter of fact there would be no occasion for entering into the psychic genesis of the form of homosexuality studied by us if there were not a strong presumption that Leonardo, from whose vulture-phantasy we started, really belonged to this one type of homosexuality.

As little as is known concerning the sexual behavior of the great artist and investigator, we must still trust to the probability that the testimonies of his contemporaries did not go far astray. In the light of this tradition he ap- pears to us as a man whose sexual need and


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activity were extraordinarily low, as if a higher striving had raised him above the common ani- mal need of mankind. It may be open to doubt whether he ever sought direct sexual gratifica- tion, and in what manner, or whether he could dispense with it altogether. We are justified, however, to look also in him for those emo- tional streams which imperatively force others to the sexual act, for we cannot imagine a hu- man psychic life in whose development the sex- ual desire in the broadest sense, the libido, has not "had its share, whether the latter has with- drawn itself far from the original aim or whether it was detained from being put into execution.

Anything but traces of unchanged sexual de- sire we need not expect in Leonardo. These point however to one direction and allow us to count him among homosexuals. It has always been emphasized that he took as his pupils only strikingly handsome boys and youths. He was kind and considerate towards them, he cared for them and nursed them himself when they were ill, just like a mother nurses her chil- dren, as his own mother might have cared for


LEONARDO DA VINCI 69

him. As he selected them on account of their beauty rather than their talent, none of them < — Cesare da Sesto, G. Boltraffio, Andrea Sa- laino, Francesco Melzi and the others — ever became a prominent artist. Most of them could not make themselves independent of their master and disappeared after his death without leaving a more definite physiognomy to the his- tory of art. The others who by their produc- tions earned the right to call themselves his pupils, as Luini and Bazzi, nicknamed Sodoma, he probably did not know personally.

We realize that we will have to face the ob- jection that Leonardo's behavior towards his pupils surely had nothing to do with sexual motives, and permits no conclusion as to his sexual peculiarity. Against this we wish to assert with all caution that our conception ex- plains some strange features in the master's be- havior which otherwise would have remained enigmatical. Leonardo kept a diary; he made entries in his small hand, written from right to left which were meant only for himself. It is to be noted that in this diary he addressed him- self with "thou": "Learn from master Lucca


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the multiplication of roots."® *'Let master d'Abacco show thee the square of the circle/' ^ Or on the occasion of a journey he entered in his diary:

"I am going to Milan to look after the affairs of my garden . . . order two pack-sacks to be made. Ask Boltraffio to show thee his turn- ing-lathe and let him polish a stone on it. — Leave the book to master Andrea il Todesco." ^ Or he wrote a resolution of quite different sig- nificance: "Thou must show in thy treatise that the earth is a star, like the moon or resem- bling it, and thus prove the nobility of our world." ^

In this diary, which like the diaries of other mortals often skim over the most important events of the day with only few words or ig- nore them altogether, one finds a few entries which on account of their peculiarity are cited

^ Edm. Solmi : Leonardo da Vinci, German translation, p.

152.

"^ Solmi, 1. c. p. 203.

8 Leonardo thus behaves like one who was in the habit of making a daily confession to another person whom he now replaced by his diary. For an assumption as to who this person may have been see Merejkowski, p. 309.

8 M. Herzf eld : Leonardo da Vinci, 1906, p. 141.


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by all of Leonardo's biographers. They show notations referring to the master's petty ex- penses, which are recorded with painful ex- actitude as if coming from a pedantic and strictly parsimonious family father, while there is nothing to show that he spent greater sums, or that the artist was well versed in household management. One of these notes refers to a new cloak which he bought for his pupil Andrea Salaino : ^^

Silver brocade Lira 15 Soldi 4

Crimson velvet for trimming . . " 9 " o

Braid " o " 9

Buttons " o " 12

Another very detailed notice gives all the ex- penses which he incurred through the bad qual- ities and the thieving tendencies of another pupil or model: *^0n 21st day of April, 1490, I started this book and started again the horse.^^ Jacomo came to me on Magdalene day, 1490, at the age of ten years (marginal note: thievish, mendacious, willful, glutton- ous). On the second day I ordered for him

10 The wording is that of Merejkowski, 1. c. p. 237.

11 The equestrian monument of Francesco Sforza.


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two shirts, a pair of pants, and a jacket, and as I put the money away to pay for the things named he stole the money from my purse, and it was never possible to make him confess, al- though I was absolutely sure of it (marginal note: 4 Lira ...)." So the report continues concerning the misdeeds of the little boy and concludes with the expense account: ^^In the first year, a cloak. Lira 2: 6 shirts, Lira 4: 3 jackets. Lira 6: 4 pair of socks. Lira 7, etc." ^^ Leonardo's biographers, to whom nothing was further than to solve the riddle in the psychic life of their hero from these slight weaknesses and peculiarities, were wont to re- mark in connection with these peculiar accounts that they emphasized the kindness and consid- eration of the master for his pupils. They for- get thereby that it is not Leonardo's behavior that needs an explanation, but the fact that he left us these testimonies of it. As it is impos- sible to ascribe to him the motive of smuggling into our hands proofs of his kindness, we must assume that another affective motive caused him to write this down. It is not easy to con-

12 The full wording is found in M. Herzf eld, 1. c. p. 45.


LEONARDO DA VINCI 73

jecture what this motive was, and we could not give any if not for another account found among Leonardo's papers which throws a bril- Hant Hght on these peculiarly petty notices about his pupils' clothes, and others of a kind:^^

Burial expenses following the death of

Caterina 2y florins

2 pounds wax 18 "

Cataphalc .12 "

For the transportation and erection of

the cross 4 "

Pall bearers 8 "

To 4 priests and 4 clerics .20 "

Ringing of bells 2 "

To grave diggers 16 "

For the approval — ^to the officials i "


To sum up 108 florins

Previous expenses:

To the doctor 4 florins

For sugar and candles . . 12 "

16 florins


Sum total 124 florins

^® Merejkowski 1. c. — As a disappointing illustration of the vagueness of the information concerning Leonardo's intimate


74 LEONARDO DA VINCI

The writer Merejkowski is the only one who can tell us who this Caterina was. From two different short notices he concludes that she was the mother of Leonardo, the poor peasant woman from Vinci, who came to Milan in 1493 to visit her son then 41 years old. While on this visit she fell ill and was taken to the hospital by Leonardo, and following her death she was buried by her son with such sumptuous funeral.^*

This deduction of the psychological writer of romances is not capable of proof, but it can lay claim to so many inner probabilities, it agrees so well with everything we know besides about Leonardo's emotional activity that I cannot re- frain from accepting it as correct. Leonardo succeeded in forcing his feelings under the yoke

life, meager as it is, I mention the fact that the same expense account is given by Solmi with considerable variation (German translation, p. 104). The most serious difference is the substi- tution of florins by soldi. One may assume that in this ac- count florins do not mean the old "gold florins," but those used at a later period which amounted to i^^ lira or 33^^ soldi. — Solmi represents Caterina as a servant who had taken care of Leonardo's household for a certain time. The source from which the two representations of this accoimt were taken was not accessible to me. 1* "Caterina came in July, I493-"


LEONARDO DA VINCI 75

o£ investigation and in inhibiting their free ut- terance, but even in him there were episodes in which the suppression obtained expression, and one of these was the death of his mother whom he once loved so ardently. Through this ac- count of the burial expenses he represents to us the mourning of his mother in an almost un- recognizable distortion. We wonder how such a distortion could have come about, and we cer- tainly cannot grasp it when viewed under nor- mal mental processes. But similar mecha- nisms are familiar to us under the abnormal conditions of neuroses, and especially in the so- called compulsion neurosis. Here one can ob- serve how the expressions of more intensive feelings have been displaced to trivial and even foolish performances. The opposing forces succeeded in debasing the expression of these repressed feelings to such an extent that one is forced to estimate the intensity of these feel- ings as extremely unimportant, but the impera- tive compulsion with which these insignificant acts express themselves betrays the real force of the feelings which are rooted in the uncon- scious, which consciousness would wish to dis-


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avow. Only by bearing in mind the mecha- nisms of compulsion neurosis can one explain Leonardo's account of the funeral expenses of his mother. In his unconscious he was still tied to her as in childhood, by erotically tinged feelings; the opposition of the repression of this childhood love which appeared later stood in the way of erecting to her in his diary a different and more dignified monument, but what resulted as a compromise of this neurotic conflict had to be put in operation and hence the account was entered in the diary which thus came to the knowledge of posterity as some- thing incomprehensible.

It is not venturing far to transfer the in- terpretation obtained from the funeral ex- penses to the accounts dealing with his pupils. Accordingly we would say that here also we deal with a case in which Leonardo's meager remnants of libidinous feelings compulsively obtained a distorted expression. The mother and the pupils, the very images of his own boy- ish beauty, would be his sexual objects — as far as his sexual repression dominating his nature would allow such manifestations — and the


LEONARDO DA VINCI 77

compulsion to note with painful circumstantial- ity his expenses on their behalf, would desig- nate the strange betrayal of his rudimentary conflicts. From this we would conclude that Leonardo's love-life really belonged to that type of homosexuality, the psychic development of which we were able to disclose, and the ap- pearance of the homosexual situation in his vulture-phantasy would become comprehen- sible to us, for it states nothing more or less than what we have asserted before concerning that type. It requires the following interpre- tation: Through the erotic relations to my mother I became a homosexual.^^

15 The manner of expression through which the repressed libidio could manifest itself in Leonardo, such as circum- stantiality and marked interest in money, belongs to those traits of character which emanate from anal eroticism. Cf. Character und Analerotik in the second series of my Samm- lung zur Neurosenlehre, 1909, also Brill's Psychoanalysis, its Theories and Practical Applications, Chap. XIII, Anal Eroti- cism and Character, Saunders, Philadelphia.


IV

The vulture phantasy of Leonardo still ab- sorbs our interest. In words which only too plainly recall a sexual act (and has many times struck against my lips with his tail"), Leonardo emphasizes the intensity of the erotic relations between the mother and the child. A second memory content of the phantasy can readily be conjectured from the association of the activity of the mother (of the vulture) with the accentuation of the mouth zone. We can translate it as follows: My mother has pressed on my mouth innumerable passionate kisses. The phantasy is composed of the memories of being nursed and of being kissed by the mother.

A kindly nature has bestowed upon the artist

the capacity to express in artistic productions

his most secret psychic feelings hidden even to

himself, which powerfully affect outsiders who

78



MONA LISA


^8?i^


LEONARDO DA VINCI 79

are strangers to the artist without their being able to state whence this emotivity comes. Should there be no evidence in Leonardo's work of that which his memory retained as the strongest impression of his childhood? One would have to expect it. However, when one considers what profound transformations an impression of an artist has to experience before it can add its contribution to the work of art, one is obliged to moderate considerably his ex- pectation of demonstrating something definite. This is especially true in the case of Leonardo. He who thinks of Leonardo's paintings will be reminded by the remarkably fascinating and puzzling smile which he enchanted on the lips of all his feminine figures. It is a fixed smile on elongated, sinuous lips which is considered characteristic of him and is preferentially des- ignated as 'Teonardesque." In the singular and beautiful visage of the Florentine Monna Lisa del Giocondo it has produced the greatest effect on the spectators and even perplexed them. This smile was in need of an interpre- tation, and received many of the most varied kind but none of them was considered satis-


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factory. As Gruyer puts it: "It is almost four centuries since Monna Lisa causes all those to lose their heads who have looked upon her for some time/' ^

Muther states : ^ "What fascinates the spectator is the demoniacal charm of this smile. Hundreds of poets and writers have written about this woman, who now seems to smile upon us seductively and now to stare coldly and lifelessly into space, but nobody has solved the riddle of her smile, nobody has interpreted her thoughts. Everything, even the scenery is mysterious and dream-like, trembling as if in the sultriness of sensuality."

The idea that two diverse elements were united in the smile of Monna Lisa has been felt by many critics. They therefore recognize in the play of features of the beautiful Floren- tine lady the most perfect representation of the contrasts dominating the love-life of the woman which is foreign to man, as that of re- serve and seduction, and of most devoted ten- derness and inconsiderateness in urgent and

1 Seidlitz : Leonardo da Vinci, II Bd., p. 280.

2 Geschichte der Malerei, Bd. I, p, 314.


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consuming sensuality. Miintz ^ expresses him- self in this manner : "One knows what inde- cipherable and fascinating enigma Monna Lisa Gioconda has been putting for nearly four cen- turies to the admirers who crowd around her. No artist (I borrow the expression of the deli- cate writer who hides himself under the pseu- donym of Pierre de Corlay) has ever trans- lated in this manner the very essence of femininity: the tenderness and coquetry, the modesty and quiet voluptuousness, the whole mystery of the heart which holds itself aloof, of a brain which reflects, and of a personality who watches itself and yields nothing from her- self except radiance. . . J' The Italian xAn- gelo Conti * saw the picture in the Louvre il- lumined by a ray of the sun and expressed him- self as follows: *^The woman smiled with a royal calmness, her instincts of conquest, of ferocity, the entire heredity of the species, the will of seduction and ensnaring, the charm of the deceiver, the kindness which conceals a

s 1, c. p. 417.

  • A. Conti: Leonardo pittore, Conferenze Florentine, 1. c.

p. 93-


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cruel purpose, all that appears and disappears alternately behind the laughing yeil and melts into the poem o£ her smile. . . . Good and evil, cruelty and compassion, graceful and cat- like, she laughed. . . /'

Leonardo painted this picture four years, perhaps from 1503 until 1507, during his sec- ond sojourn in Florence when he was about the age of fifty years. According to Vasari he ap- plied the choicest artifices in order to divert the lady during the sittings and to hold that smile firmly on her features. Of all the graceful- ness that his brush reproduced on the canvas at that time the picture preserves but very lit- tle in its present state. During its production it was considered the highest that art could accomplish; it is certain, however, that it did not satisfy Leonardo himself, that he pro- nounced it as unfinished and did not deliver it to the one who ordered it, but took it with him to France where his benefactor Francis I, ac- quired it for the Louvre.

Let us leave the physiognomic riddle of Monna Lisa unsolved, and let us note the un- equivocal fact that her smile fascinated the art-


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1st no less than all the spectators for these 400 years. This captivating smile had thereafter returned in all of his pictures and in those of his pupils. As Leonardo's Monna Lisa was a portrait we cannot assume that he has added to her face a trait of his own so difficult to ex- press which she herself did not possess. It seems, we cannot help but believe, that he found this smile in his model and became so charmed by it that from now on he endowed it on all the free creations of his phantasy. This ob- vious conception is, e.g., expressed by A. Kon- stantinowa in the following manner : ^

'^During the long period in which the master occupied himself with the portrait of Monna Lisa del Gioconda, he entered into the physi- ognomic delicacies of this feminine face with such sympathy of feeling that he transferred these creatures, especially the mysterious smile and the peculiar glance, to all faces which he later painted or drew. The mimic peculiarity of Gioconda can even be perceived in the pic- ture of John the Baptist in the Louvre. But above all they are distinctly recognized in the

U c. p. 45.


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features of Mary in the picture of St. Anne of the Louvre/'

But the case could have been different. The need for a deeper reason for the fascination which the smile of Gioconda exerted on the artist from which he could not rid himself has been felt by more than one of his biographers. W. Pater, who sees in the picture of Monna Lisa the embodiment of the entire erotic ex- perience of modern man, and discourses so ex- cellently on '^that unfathomable smile always with a touch of something sinister in it, which plays over all Leonardo's work," leads us to another track when he says : ®

Besides, the picture is a portrait. From childhood we see this image defining itself on the fabric of his dream; and but for express historical testimony, we might fancy that this was but his ideal lady, embodied and beheld at last."

Herzfeld surely must have had something similar in mind when stating that in Monna Lisa Leonardo encountered himself and there-

6W. Pater: The Renaissance, p. 124, The Macmillan Co., 1910.


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fore found it possible to put so much of his own nature into the picture, "whose features from time immemorial have been imbedded with mysterious sympathy in Leonardo's soul." '^

Let us endeavor to clear up these intimations. It was quite possible that Leonardo was fasci- nated by the smile of Monna Lisa, because it had awakened something in him which had slumbered in his soul for a long time, in all probability an old memory. This memory was of sufficient importance to stick to him once it had been aroused ; he was forced continually to provide it with new expression. The assur- ance of Pater that we can see an image like that of Monna Lisa defining itself from Leonardo's childhood on the fabric of his dreams, seems worthy of belief and deserves to be taken liter- ally.

Vasari mentions as Leonardo's first artistic endeavors, heads of women who laugh." ® The passage, which is beyond suspicion, as it is not meant to prove anything, reads more pre- cisely as follows : ^ He formed in his youth

7 M. Herzf eld : Leonardo da Vinci, p. 88.

8 Scognamiglio, 1. c. p. 32.

»L. Schorn, Bd. Ill, 1843, p. 6.


86 LEONARDO DA VINCI

some laughing feminine heads out of lime, which have been reproduced in plaster, and some heads of children, which were as beauti- ful as if modeled by the hands of a mas- ter. . . :'

Thus we discover that his practice of art be- gan with the representation of two kinds of ob- jects, which would perforce remind us of the two kinds of sexual objects which we have in- ferred from the analysis of his vulture phan- tasy. If the beautiful children's heads were reproductions of his own childish person, then the laughing women were nothing else but re- productions of Caterina, his mother, and we are beginning to have an inkling of the possi- bility that his mother possessed that mysteri- ous smile which he lost, and which fascinated him so much when he found it again in the Florentine lady.^^

The painting of Leonardo which in point of time stands nearest to the Monna Lisa is

10 The same is assumed by Merejkowski, who imagined a childhood for Leonardo which deviates in the essential points from ours, drawn from the results of the vulture phantasy. But if Leonardo himself had displayed this smile, tradition hardly would have failed to report to us this coincidence.



SAINT ANNE



LEONARDO DA VINCI 87

the so-called Saint Anne of the Louvre, repre- senting Saint Anne, Mary and the Christ child. It shows the Leonardesque smile most beauti- fully portrayed in the two feminine heads. It is impossible to find out how much earlier or later than the portrait of Monna Lisa Leo- nardo began to paint this picture. As both works extended over years, we may well as- sume that they occupied the master simultane- ously. But it would best harmonize with our expectation if precisely the absorption in the features of Monna Lisa would have instigated Leonardo to form the composition of Saint Anne from his phantasy. For if the smile of Gioconda had conjured up in him the memory of his mother, we would naturally understand that he was first urged to produce a glorifica- tion of motherhood, and to give back to her the smile he found in that prominent lady. We may thus allow our interest to glide over from the portrait of Monna Lisa to this other hardly less beautiful picture, now also in the Louvre. Saint Anne with the daughter and grand- child is a subject seldom treated in the Italian art of painting; at all events Leonardo's rep-


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resentation differs widely from all that is oth- erwise known. Muther states: ^^

  • 'Some masters like Hans Fries, the older

Holbein, and Girolamo dei Libri, made Anne sit near Mary and placed the child between the two. Others like Jakob Cornelicz in his Ber- lin pictures, represented Saint Anne as holding in her arm the small figure of Mary upon which sits the still smaller figure of the Christ child." In Leonardo's picture Mary sits on her moth- er's lap, bent forward and is stretching out both arms after the boy who plays with a little lamb, and must have slightly maltreated it. The grandmother has one of her unconcealed arms propped on her hip and looks down on both with a blissful smile. The grouping is certainly not quite unconstrained. But the smile which is playing on the lips of both women, although unmistakably the same as in the picture of Monna Lisa, has lost its sinister and mysterious character; it expresses a calm blissfulness.^^

11 1. c. p. 309.

12 A. Konstantiriowa, 1. c, says : " Mary looks tenderly down on her beloved child with a smile that recalls the mys- terious expression of la Gioconda." Elsewhere speaking of


LEONARDO DA VINCI 89

On becoming somewhat engrossed in this picture it suddenly dawns upon the spectator that only Leonardo could have painted this pic- ture, as only he could have formed the vulture phantasy. This picture contains the synthesis of the history of Leonardo's childhood, the de- tails of which are explainable by the most inti- mate impressions of his life. In his father's home he found not only the kind step-mother Donna Albiera, but also the grandmother, his father's mother, Monna Lucia, who we will as- sume was not less tender to him than grand- mothers are wont to be. This circumstance must have furnished him with the facts for the representation of a childhood guarded by a mother and grandmother. Another striking feature of the picture assumes still greater sig- nificance. Saint Anne, the mother of Mary and the grandmother of the boy who must have been a matron, is formed here perhaps some- what more mature and more serious than Saint Mary, but still as a young woman of unfaded beauty. As a matter of fact Leonardo gave

Mary she says : "The smile of Gioconda floats upon her features."


90 LEONARDO DA VINCI

the boy two mothers, the one who stretched out her arms after him and another who is seen in the background, both are represented with the blissful smile of maternal happiness. This pecuHarity of the picture has not failed to ex- cite the wonder of the authors. Muther, for instance, believes that Leonardo could not bring himself to paint old age, folds and wrinkles, and therefore formed also Anne as a woman of radiant beauty. Whether one can be satisfied with this explanation is a question. Other writers have taken occasion to deny gen- erally the sameness of age of mother and daughter.^^ However, Muther's tentative ex- planation is sufficient proof for the fact that the impression of Saint Anne's youthful ap- pearance was furnished by the picture and is not an imagination produced by a tendency.

Leonardo's childhood was precisely as re- markable as this picture. He has had two mothers, the first his true mother, Caterina, from whom he was torn away between the age of three and five years, and a young tender step-mother. Donna Albiera, his father's wife.

13 Cf. V. Seidlitz, 1. c. Bd. II, p. 274.


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By connecting this fact of his childhood with the one mentioned above and condensing them into a uniform fusion, the composition of Saint Anne, Mary and the Child, formed itself in him. The maternal form further away from the boy designated as grandmother, corresponds in ap- pearance and in spatial relation to the boy, with the real first mother, Caterina. With the bliss- ful smile of Saint Anne the artist actually dis- avowed and concealed the envy which the un- fortunate mother felt when she was forced to give up her son to her more aristocratic rival, as once before her lover.

Our feeling that the smile of Monna Lisa del Gioconda awakened in the man the memory of the mother of his first years of childhood would thus be confirmed from another work of Leonardo. Following the production of Monna Lisa, Italian artists depicted in Ma- donnas and prominent ladies the humble dip- ping of the head and the peculiar blissful smile of the poor peasant girl Caterina, who brought to the world the noble son who was destined to paint, investigate, and suffer.

When Leonardo succeeded in reproducing in


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the face of Monna Lisa the double sense com- prised in this smile, namely, the promise of unlimited tenderness, and sinister threat (in the words of Pater), he remained true even in this to the content of his earliest reminiscence. For the love of the mother became his destiny, it determined his fate and the privations which were in store for him. The impetuosity of the caressing to which the vulture phantasy points was only too natural. The poor forsaken mother had to give vent through mother's love to all her memories of love enjoyed as well as to all her yearnings for more affection ; she was forced to it, not only in order to compensate herself for not having a husband, but also the child for not having a father who wanted to love it. In the manner of all ungratified mothers she thus took her little son in place of her husband, and robbed him of a part of his virility by the too early maturing of his eroticism. The love of the mother for the suckling whom she nourishes and cares for is something far deeper reaching than her later affection for the growing child. It is of the nature of a fully gratified love affair, which


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fulfills not only all the psychic wishes but also all physical needs, and when it represents one of the forms of happiness attainable by man it is due, in no little measure, to the possibility of gratifying without reproach also wish feelings which were long repressed and designated as perverse.^^ Even in the happiest recent mar- riage the father feels that his child, especially the little boy has become his rival, and this gives origin to an antagonism against the fa- vorite one which is deeply rooted in the uncon- scious.

When in the prime of his life Leonardo re- encountered that blissful and ecstatic smile as it had once encircled his mother's mouth in caressing, he had long been under the ban of an inhibition, forbidding him ever again to desire such tenderness from women's lips. But as he had become a painter he endeavored to reproduce this smile with his brush and fur- nish all his pictures with it, whether he exe- cuted them himself or whether they were done by his pupils under his direction, as in Leda,

1* Cf . Three Contributions to the Theory of Sex, translated by A. A. Brill, 2nd edition, 1916, Monograph series.


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John, and Bacchus. The latter two are va- riations of the same type. Muther says:

  • Trom the locust eater of the Bible Leonardo

made a Bacchus, an Apollo, who with a mys- terious smile on his lips, and with his soft thighs crossed, looks on us with infatuated eyes." These pictures breathe a mysticism into the secret of which one dares not pene- trate; at most one can make the effort to con- struct the connection to Leonardo's earlier productions. The figures are again androgy- nous but no longer in the sense of the vulture phantasy, they are pretty boys of feminine ten- derness with feminine forms ; they do not cast down their eyes but gaze mysteriously tri- umphant, as if they knew of a great happy issue concerning which one must remain quiet ; the familiar fascinating smile leads us to infer that it is a love secret. It is possible that in these forms Leonardo disavowed and artisti- cally conquered the unhappiness of his love life, in that he represented the wish fulfillment of the boy infatuated with his mother in such blissful union of the male and female nature.



JOHN THE BAPTIST



V

Among the entries in Leonardo's diaries there is one which absorbs the reader's atten- tion through its important content and on ac- count of a small formal error. In July, 1504, he wrote :

"Adi 9 Luglio, 1504, mercoledi, a ore 7 mori Ser Piero da Vinci notalio al palazzo del Po- testa, mio padre, a ore 7. Era d'eta d'anni 80, lascio 10 figlioli maschi e 2 feminine." ^

The notice as we see deals with the death of Leonardo's father. The slight error in its form consists in the fact that in the computa- tion of the time "at 7 o'clock" is repeated two times, as if Leonardo had forgotten at the end of the sentence that he had already written it at the beginning. It is only a triviality to

1 "On the 9th of July, 1504, Wednesday at 7 o'clock died Ser Piero da Vinci, notary at the palace of the Podesta, my father, at 7 o'clock. He was 80 years old, left 10 sons and 2 daugh- ters." (E. Miintz, 1. c. p. 13.)

95


96 LEONARDO DA VINCI

which any one but a psychoanalyst would pay no attention. Perhaps he would not even no- tice it, or if his attention would be called to it he would say "that can happen to anybody dur- ing absent-mindedness or in an affective state and has no further meaning."

The psychoanalyst thinks differently ; to him nothing is too trifling as a manifestation of hid- den psychic processes ; he has long learned that such forgetting or repetition is full of mean- ing, and that one is indebted to the "absent- mindedness" when it makes possible the be- trayal of otherwise concealed feelings.

We would say that, like the funeral account of Caterina and the expense account of the pupils, this notice, too, corresponds to a case in which Leonardo was unsuccessful in suppress- ing his affects, and the long hidden feeling forcibly obtained a distorted expression. Also the form is similar, it shows the same pedantic precision, the same pushing forward of num- bers.^

We call such a repetition a perseveration.

2 I shall overlook a greater error committed by Leonardo in his notice in that he gives his 77-year-old father 80 years.


LEONARDO DA VINCI 97

It is an excellent means to indicate the affective accentuation. One recalls for example Saint Peter's angry speech against his unworthy rep- resentative on earth, as given in Dante's Para- diso : ^

"Quegli ch'usurpa in terra il luoga mio II luoga mio, il luogo mio, che vaca Nella presenza del Figliuol di Dio, Fatto ha del cimiterio mio cloaca."

Without Leonardo's affective inhibition the entry into the diary could perhaps have read as follows: To-day at 7 o'clock died my father, Ser Piero da Vinci, my poor father ! But the displacement of the perseveration to the most indifferent determination of the obituary to dying-hour robs the notice of all pathos and lets us recognize that there was something here to conceal and to suppress.

Ser Piero da Vinci, notary and descendant of notaries, was a man of great energy who at- tained respect and affluence. He was married four times, the two first wives died childless,

3 "He who usurps on earth my place, my place, my place, which is void in the presence of the Son of God, has made out of my cemetery a sewer." Canto XXXVII.


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and not till the third marriage has he gotten the first legitimate son, in 1476, when Leonardo was 24 years old, and had long ago changed his father's home for the studio of his master Verrocchio. With the fourth and last wife whom he married when he was already in the fifties he begot nine sons and two daughters.* To be sure the father also assumed impor- tance in Leonardo's psychosexual development, and what is more, it was not only in a negative sense, through his absence during the boy's first childhood years, but also directly through his presence in his later childhood. He who as a child desires his mother, cannot help wishing to put himself in his father's place, to identify himself with him in his phantasy and later make it his life's task to triumph over him. As Leonardo was not yet five years old when he was received into his paternal home, the young step-mother, Albiera, certainly must have taken the place of his mother in his feel- ing, and this brought him into that relation of

■*!! seems that in that passage of the diary Leonardo also erred in the number of his sisters and brothers, which stands in remarkable contrast to the apparent exactness of the same.


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rivalry to his father which may be designated as normal. As is known, the preference for homosexuality did not manifest itself till near the years of puberty. When Leonardo ac- cepted this preference the identification with the father lost all significance for his sexual life, but continued in other spheres of non- erotic activity. We hear that he was fond of luxury and pretty raiments, and kept servants and horses, although according to Vasari's words "he hardly possessed anything and worked little." We shall not hold his artistic taste entirely responsible for all these special likings ; we recognize in them also the compul- sion to copy his father and to excel him. He played the part of the great gentleman to the poor peasant girl, hence the son retained the incentive that he also play the great gentleman, he had the strong feeling "to out-herod Herod," and to show his father exactly how the real high rank looks.

Whoever works as an artist certainly feels as a father to his works. The identification with his father had a fateful result in Leo- nardo's works of art. He created them and


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then troubled himself no longer about them, just as his father did not trouble himself about him. The later worriments of his father could change nothing in this compulsion, as the latter originated from the impressions of the first years of childhood, and the repression having remained unconscious was incorrigible through later experiences.

At the time of the Renaissance, and even much later, every artist was in need of a gen- tleman of rank to act as his benefactor. This patron was wont to give the artist commissions for work and entirely controlled his destiny. Leonardo found his patron in Lodovico Sf orza, nicknamed II Moro, a man of high aspirations, ostentations, diplomatically astute, but of an unstable and unreliable character. In his court in Milan, Leonardo spent the best period of his life, while in his service he evinced his most uninhibited productive activity as is evi- denced in The Last Supper, and in the eques- trian statue of Francesco Sforza. He left Milan before the catastrophe struck Lodovico Moro, who died a prisoner in a French prison. When the news of his benefactor's fate reached


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Leonardo he made the following entry in his diary: "The duke has lost state, wealth, and liberty, not one of his works will be finished by himself/' ^ It is remarkable and surely not without significance that he here raises the same reproach to his benefactor that posterity was to apply to him, as if he wanted to lay the responsibility to a person who substituted his father-series, for the fact that he himself left his works unfinished. As a matter of fact he was not wrong in what he said about the Duke. However, if the imitation of his father hurt him as an artist, his resistance against the father was the infantile determinant of his per- haps equally vast accomplishment as an artist. According to Merejkowski's beautiful compari- son he was like a man who awoke too early in the darkness, while the others were all still asleep. He dared utter this bold principle which contains the justification for all inde- pendent investigation : Chi disputa allegando I'autorita non adopra ringegno ma piuttosto la memoria (Whoever refers to authorities in disputing ideas, works with his memory rather

5 V. Seidlitz, 1. c, II, p. 270.


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than with his reason).^ Thus he became the first modern natural philosopher, and his cour- age was rewarded by an abundance of cogni- tions and suggestions; since the Greek period he was the first to investigate the secrets of na- ture, relying entirely on his observation and his own judgment. But when he learned to de- preciate authority and to reject the imitation of the ^'ancients" and constantly pointed to the study of nature as the source of all wisdom, he only repeated in the highest sublimation at- tainable to man, which had already obtruded itself on the little boy who surveyed the world with wonder. To retranslate the scientific ab- stractions into concrete individual experiences, we would say that the ^^ancients and authority only corresponded to the father, and nature again became the tender mother who nourished him. While in most human beings to-day, as in primitive times, the need for a support of some authority is so imperative that their world becomes shaky when their authority is men- aced, Leonardo alone was able to exist without such support; but that would not have been

® Solmi, Conf. fior, p. 13.


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possible had he not been deprived of his fa- ther in the first years of his life. The bold- ness and independence of his later scientific investigation presupposes that his infantile sex- ual investigation was not inhibited by his fa- ther, and this same spirit of scientific independ- ence was continued by his withdrawing from sex.

If any one like Leonardo escapes in his child- hood his father's intimidation and later throws off the shackles of authority in his scientific in- vestigation, it would be in gross contradiction to our expectation if we found that this same man remained a believer and unable to with- draw from dogmatic religion. Psychoanalysis has taught us the intimate connection between the father complex and belief in God, and daily demonstrates to us how youthful persons lose their religious belief as soon as the authority of the father breaks down. In the parental com- plex we thus recognize the roots of religious need ; the almighty, just God, and kindly nature appear to us as grand sublimations of father and mother, or rather as revivals and restora- tions of the infantile conceptions of both par-


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ents. Religiousness is biologically traced to the long period of helplessness and need of help of the little child. When the child grows up and realizes his loneliness and weakness in the presence of the great forces of life, he perceives his condition as in childhood and seeks to dis- avow his despair through a regressive revival of the protecting forces of childhood.

It does not seem that Leonardo's life dis- proves this conception of religious belief. Ac- cusations charging him with irreligiousness, which in those times was equivalent to re- nouncing Christianity, were brought against him already in his lifetime, and were clearly described in the first biography given by Va- sari."^ In the second edition of his Vite (1568) Vasari left out this observation. In view of the extraordinary sensitiveness of his age in matters of religion it is perfectly comprehen- sible to us why Leonardo refrained from di- rectly expressing his position to Christianity in his notes. As investigator he did not per- mit himself to be misled by the account of the creation of the holy scriptures; for instance,

7 Miintz, 1. c, La Religion de Leonardo, p. 292, etc.


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he disputed the possibility of a universal flood, and in geology he was as unscrupulous in cal- culating with hundred thousands of years as modern investigators.

Among his "prophecies" one finds some things that would perforce offend the sensi- tive feelings of a religious Christian, e.g. Praying to the images of Saints, reads as fol- lows : ^

"People talk to people who perceive nothing, who have open eyes and see nothing ; they shall talk to them and receive no answer ; they shall adore those who have ears and hear nothing; they shall burn lamps for those who do not see."

Or : Concerning mourning on Good Friday (p. 297) :

"In all parts of Europe great peoples will be- wail the death of one man who died in the Orient."

It was asserted of Leonardo's art that he took away the last remnant of religious attach- ment from the holy figures and put them into human form in order to depict in them great

8 Herzf eld, p. 29^.


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and beautiful human feelings. Muther praises him for having overcome the feeling of deca- dence, and for having returned to man the right of sensuality and pleasurable enjoyment. The notices which show Leonardo absorbed in fathoming the great riddles of nature do not lack any expressions of admiration for the creator, the last cause of all these wonderful secrets, but nothing indicates that he wished to hold any personal relation to this divine force. The sentences which contain the deep wisdom of his last years breathe the resigna- tion of the man who subjects himself to the laws of nature and expects no alleviation from the kindness or grace of God. There is hardly any doubt that Leonardo had vanquished dog- matic as well as personal religion, and through his work of investigation he had withdrawn far from the world aspect of the religious Chris- tian.

From our views mentioned before in the de- velopment of the infantile psychic life, it be- comes clear that also Leonardo's first inves- tigations in childhood occupied themselves with the problems of sexuality. But he him-


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self betrays it to us through a transparent veil, in that he connects his impulse to investi- gate with the vulture phantasy, and in empha- sizing the problem of the flight of the bird as one whose elaboration devolved upon him through special concatenations of fate. A very obscure as well as a prophetically sound- ing passage in his notes dealing with the flight of the bird demonstrates in the nicest way with how much affective interest he clung to the wish that he himself should be able to imitate the art of flying: 'The human bird shall take his first flight, filling the world with amaze- ment, all writings with his fame, and bringing eternal glory to the nest whence he sprang." He probably hoped that he himself would sometimes be able to fly, and we know from the wish fulfilling dreams of people what bliss one expects from the fulfillment of this hope. But why do so many people dream that they are able to fly? Psychoanalysis answers this question by stating that to fly or to be a bird in the dream is only a concealment of another wish, to the recognition of which one can reach by more than one linguistic or objective bridge.


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When the inquisitive child is told that a big bird like the stork brings the little children, when the ancients have formed the phallus winged, when the popular designation of the sexual activity of man is expressed in Ger- man by the word "to bird (vogeln), when the male member is directly called Vuc cello (bird) by the Italians, all these facts are only small fragments from a large collection which teaches us that the wish to be able to fly signi- fies in the dream nothing more or less than the longing for the ability of sexual accomplish- ment. This is an early infantile wish. When the grown-up recalls his childhood it appears to him as a happy time in which one is happy for the moment and looks to the future without any wishes, it is for this reason that he envies children. But if children themselves could in- form us about it they would probably give dif- ferent reports. It seems that childhood is not that blissful Idyl into which we later distort it, that on the contrary children are lashed through the years of childhood by the wish to become big, and to imitate the grown ups. This wish instigates all their playing. If in


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the course of their sexual investigation chil- dren feel that the grown up knows something wonderful in the mysterious and yet so im- portant realm, what they are prohibited from knowing or doing, they are seized with a vio- lent wish to know it, and dream of it in the form of flying, or prepare this disguise of the wish for their later flying dreams. Thus avia- tion, which has attained its aim in our times, has also its infantile erotic roots.

By admitting that he entertained a special personal relation to the problem of flying since his childhood, Leonardo bears out what we must assume from our investigation of chil- dren of our times, namely, that his childhood investigation was directed to sexual matters. At least this one problem escaped the repres- sion which has later estranged him from sex- uality. From childhood until the age of per- fect intellectual maturity this subject, slightly varied, continued to hold his interest, and it is quite possible that he was as little successful in his cherished art in the primary sexual sense as in his desires for mechanical matters, that both wishes were denied to him.


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As a matter of fact the great Leonardo re- mained infantile in some ways throughout his whole life; it is said that all great men retain something of the infantile. As a grown up he still continued playing, which sometimes made him appear strange and incomprehensible to his contemporaries. When he constructed the most artistic mechanical toys for court festivi- ties and receptions we are dissatisfied thereby because we dislike to see the master waste his power on such petty stuff. He himself did not seem averse to giving his time to such things. Vasari reports that he did similar things even when not urged to it by request: 'There (in Rome) he made a doughy mass out of wax, and when it softened he formed thereof very delicate animals filled with air; when he blew into them they flew in the air, and when the air was exhausted they fell to the ground. For a peculiar lizard caught by the wine-grower of Belvedere Leonardo made wings from skin pulled off from other lizards, which he filled with mercury so that they moved and trem- bled when it walked ; he then made for it eyes, a beard and horns, tamed it and put it in a lit-


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tie box and terrified all his friends with it." ^ Such playing often served him as an expression of serious thoughts: *'He had often cleaned the intestines of a sheep so well that one could hold them in the hollow of the hand ; he brought them into a big room, and attached them to a blacksmith's bellows which he kept in an ad- ijacent room, he then blew them up until they filled up the whole room so that everybody had to crowd into a corner. In this manner he showed how they gradually became trans- parent and filled up with air, and as they were at first limited to very little space and grad- ually became more and more extended in the big room, he compared them to a genius." ^^ His fables and riddles evince the same playful pleasure in harmless concealment and artistic investment, the riddles were put into the form of prophecies; almost all are rich in ideas and to a remarkable degree devoid of wit.

The plays and jumps which Leonardo al- lowed his phantasy have in some cases quite misled his biographers who misunderstood this

^ Vasari, translated by Schorn, 1843. ^^ Ebenda, p. 39.


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part o£ his nature. In Leonardo's Milanese manuscripts one finds, for example, outlines of letters to the "Diodario of Sorio (Syria), viceroy of the holy Sultan of Babylon," in which Leonardo presents himself as an en- gineer sent to these regions of the Orient in order to construct some works. In these let- ters he defends himself against the reproach of laziness, he furnishes geographical descrip- tions of cities and mountains, and finally dis- cusses a big elementary event which occurred while he was there/^

In 1 88 1, J. P. Richter had endeavored to prove from these documents that Leonardo made these traveler's observations when he really was in the service of the Sultan of Egypt, and that while in the Orient he embraced the Mohammedan religion. This sojourn in the Orient should have taken place in the time of 1483, that is, before he removed to the court of the Duke of Milan. However, it was not difficult for other authors to recognize the il-

11 Concerning these letters and the combinations connected with them see Miintz, 1. c, p. 82; for the wording of the same and for the notices connected with them see Herzfeld, 1. c, p. 223.


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lustrations of this supposed journey to the Orient as what they really were, namely, phan- tastic productions of the youthful artist which he created for his own amusement, and in which he probably brought to expression his wishes to see the world and experience adven- tures.

A phantastic formation is probably also the "Academia Vinciana," the acceptance of which is due to the existence of five or six most clever and intricate emblems with the inscription of the Academy. Vasari mentions these draw- ings but not the Academy. ^^ Miintz who placed such ornament on the cover of his big work on Leonardo belongs to the few who believe in the reality of an "Academia Vin- ciana."

It is probable that this impulse to play dis- appeared in Leonardo's maturer years, that it became discharged in the investigating activity

12 Besides, he lost some time in that he even made a drawing of a braided cord in which one could follow the thread froitn one end to the other, until it formed a perfectly circular figure ; a very difficult and beautiful drawing of this kind is engraved on copper, in the center of it one can read the words : "Leo- nardus Vinci Academia" (p. 8).


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which signified the highest development of his personaHty. But the fact that it continued so long may teach us how slowly one tears himself away from his infantilism after having en- joyed in his childhood supreme erotic happiness which is later unattainable.


VI

It would be futile to delude ourselves that at present, readers find every pathography un- savory. This attitude is excused with the re- proach that from a pathographic elaboration of a great man one never obtains an under- standing of his importance and his attainments, that it is therefore useless mischief to study in him things which could just as well be found in the first comer. However, this criticism is so clearly unjust that it can only be grasped when viewed as a pretext and a disguise for something. As a matter of fact pathography does not aim at making comprehensible the at- tainments of the great man; no one should really be blamed for not doing something which one never promised. The real motives for the opposition are quite different. One finds them when one bears in mind that biographers are fixed on their heroes in quite a peculiar manner.

"5


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Frequently they take the hero as the object of study because, for reasons of their personal emotional life, they bear him a special affec- tion from the very outset. They then devote themselves to a work of idealization which strives to enroll the great men among their in- fantile models, and to revive through him, as it were, the infantile conception of the father. For the sake of this wish they wipe out the in- dividual features in his physiognomy, they rub out the traces of his life's struggle with inner and outer resistances, and do not tolerate in him anything of human weakness or imperfec- tion; they then give us a cold, strange, ideal form instead of the man to whom we could feel distantly related. It is to be regretted that they do this, for they thereby sacrifice the truth to an illusion, and for the sake of their infan- tile phantasies they let slip the opportunity to penetrate into the most attractive secrets of hu- man nature.^

Leonardo himself, judging from his love for the truth and his inquisitiveness, would have

1 This criticism holds quite generally and is not aimed at Leonardo's biographers in particular.


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interposed no objections to the effort of dis- covering the determinations of his psychic and intellectual development from the trivial pe- culiarities and riddles of his nature. We re- spect him by learning from him. It does no injury to his greatness to study the sacrifices which his development from the child must have entailed, and to the compile factors which have stamped on his person the tragic feature of failure.

Let us expressly emphasize that we have never considered Leonardo as a neurotic or as a "nervous person" in the sense of this awk- ward term. Whoever takes it amiss that we should even dare apply to him viewpoints gained from pathology, still clings to preju- dices which we have at present justly given up. We no longer believe that health and disease, normal and nervous, are sharply distinguished from each other, and that neurotic traits must be judged as proof of general inferiority. We know to-day that neurotic symptoms are sub- stitutive formations for certain repressive acts which have to be brought about in the course of our development from the child to the cul-


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tural man, that we all produce such substitu- tive formations, and that only the amount, in- tensity, and distribution of these substitutive formations justify the practical conception of illness and the conclusion of constitutional in- feriority. Following the slight signs in Leo- nardo's personality we would place him near that neurotic type which we designate as the "compulsive type," and we would compare his investigation with the "reasoning mania" of neurotics, and his inhibitions with the so-called "abulias" of the latter.

The object of our work was to explain the inhibitions in Leonardo's sexual life and in his artistic activity. For this purpose we shall now sum up what we could discover concern- ing the course of his psychic development.

We were unable to gain any knowledge about his hereditary factors, on the other hand we recognize that the accidental circumstances of his childhood produced a far reaching disturb- ing effect. His illegitimate birth deprived him of the influence of a father until perhaps his fifth year, and left him to the tender seduction of a mother whose only consolation he was.


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Having been kissed by her into sexual prema- turity, he surely must have entered into a phase of infantile sexual activity of which only one single manifestation was definitely evinced, namely, the intensity of his infantile sexual investigation. The impulse for looking and inquisitiveness were most strongly stimulated by his impressions from early childhood; the enormous mouth-zone received its accentuation which it had never given up. From his later contrasting behavior, as the exaggerated sym- pathy for animals, we can conclude that this infantile period did not lack in strong sadistic traits.

An energetic shift of repression put an end to this infantile excess, and established the dis- positions which became manifest in the years of puberty. The most striking result of this transformation was a turning away from all gross sensual activities. Leonardo was able to lead a life of abstinence and made the impres- sion of an asexual person. When the floods of pubescent excitement came over the boy they did not make him ill by forcing him to costly and harmful substitutive formations ; owing to


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the early preference for sexual inquisitiveness, the greater part of the sexual needs could be sublimated into a general thirst after knowl- edge and so elude repression. A much smaller portion of the libido was applied to sexual aims, and represented the stunted sexual life of the grown up. In consequence of the repression of the love for the mother this portion assumed a homosexual attitude and manifested itself as ideal love for boys. The fixation on the mother, as well as the happy reminiscences of his relations with her, was preserved in his un- conscious but remained for the time in an in- active state. In this manner the repression, fixation, and sublimation participated in the disposal of the contributions which the sex- ual impulse furnished to Leonardo's psychic life.

From the obscure age of boyhood Leonardo appears to us as an artist, a painter, and sculp- tor, thanks to a specific talent which was prob- ably enforced by the early awakening of the im- pulse for looking in the first years of childhood. We would gladly report in what way the artis- tic activity depends on the psychic primitive


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forces were it not that our material is inade- quate just here. We content ourselves by em- phasizing the fact, concerning which hardly any doubt still exists, that the productions of the artist give outlet also to his sexual desire, and in the case of Leonardo we can refer to the information imparted by Vasari, namely, that heads of laughing women and pretty boys, or representations of his sexual objects, attracted attention among his first artistic attempts. It seems that during his flourishing youth Leo- nardo at first worked in an uninhibited manner. As he took his father as a model for his outer conduct in life, he passed through a period of manly creative power and artistic productivity in Milan, where favored by fate he found a sub- stitute for his father in the duke Lodovico Moro. But the experience of others was soon confirmed in him, to wit, that the almost com- plete suppression of the real sexual life does not furnish the most favorable conditions for the activity of the sublimated sexual strivings. The figurativeness of his sexual life asserted itself, his activity and ability to quick decisions began to weaken, the tendency to reflection and


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delay was already noticeable as a disturbance in The Holy Supper, and with the influence of the technique determined the fate of this mag- nificent work. Slowly a process developed in him which can be put parallel only to the re- gressions of neurotics. His development at puberty into the artist was outstripped by the early infantile determinant of the investigator, the second sublimation of his erotic impulses turned back to the primitive one which was pre- pared at the first repression. He became an investigator, first in service of his art, later independently and away from his art. With the loss of his patron, the substitute for his fa- ther, and with the increasing difficulties in his life, the regressive displacement extended in dimension. He became 'Hmpacientissimo al pennello" (most impatient with the brush) as reported by a correspondent of the countess Isabella d'Este who desired to possess at any cost a painting from his hand.^ His infantile past had obtained control over him. The in- vestigation, however, which now took the place of his artistic production, seems to have born

2 Seidlitz II, p. 271.


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certain traits which betrayed the activity of un- conscious impulses; this was seen in his in- satiability, his regardless obstinacy, and in his lack of ability to adjust himself to actual con- ditions.

At the summit of his life, in the age of the first fifties, at a time when the sex characteris- tics of the woman have already undergone a regressive change, and when the libido in the man not infrequently ventures into an ener- getic advance, a new transformation came over him. Still deeper strata of his psychic content became active again, but this further regres- sion was of benefit to his art which was in a state of deterioration. He met the woman who awakened in him the memory of the happy and sensuously enraptured smile of his mother, and under the influence of this awakening he acquired back the stimulus which guided him in the beginning of his artistic efiforts when he formed the smiling woman. He painted Monna Lisa, Saint Anne, and a number of mystic pictures which were characterized by the enigmatic smile. With the help of his old- est erotic feelings he triumphed in conquering


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once more the inhibition in his art. This last development faded away in the obscurity of the approaching old age. But before this his in- tellect rose to the highest capacity of a view of life, which was far in advance of his time.

In the preceding chapters I have shown what justification one may have for such represen- tation of Leonardo's course of development, for this manner of arranging his life and ex- plaining his wavering between art and science. If after accomplishing these things I should provoke the criticism from even friends and adepts of psychoanalysis, that I have only writ- ten a psychoanalytic romance, I should answer that I certainly did not overestimate the relia- bility of these results. Like others I suc- cumbed to the attraction emanating from this great and mysterious man, in whose being one seems to feel powerful propelling passions, which after all can only evince themselves so remarkably subdued.

But whatever may be the truth about Leo- nardo's life we cannot relinquish our effort to investigate it psychoanalytically before we have finished another task. In general we must


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mark out the limits which are set up for the working capacity of psychoanalysis in biog- raphy so that every omitted explanation should not be held up to us as a failure. Psycho- analytic investigation has at its disposal the data of the history of the person's life, which on the one hand consists of accidental events and environmental influences, and on the other hand of the reported reactions of the individ- ual. Based on the knowledge of psychic mech- anisms it now seeks to investigate dynamically the character of the individual from his reac- tions, and to lay bare his earliest psychic motive forces as well as their later transformations and developments. If this succeeds then the reaction of the personality is explained through the cooperation of constitutional and accidental factors or through inner and outer forces. If such an undertaking, as perhaps in the case of Leonardo, does not yield definite results then the blame for it is not to be laid to the faulty or inadequate psychoanalytic method, but to the vague and fragmentary material left by tradition about this person. It is, therefore, only the author who forced psychoanalysis to


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furnish an expert opinion on such insufficient material, who is to be held responsible for the failure.

However, even if one had at his disposal a very rich historical material and could manage the psychic mechanism with the greatest cer- tainty, a psychoanalytic investigation could not possibly furnish the definite view, if it con- cerns two important questions, that the individ- ual could turn out only so and not differently. Concerning Leonardo we had to represent the view that the accident of his illegitimate birth and the pampering of his mother exerted the most decisive influence on his character forma- tion and his later fate, through the fact that the sexual repression following this infantile phase caused him to sublimate his libido into a thirst after knowledge, and thus determined his sexual inactivity for his entire later life. The repression, however, which followed the first erotic gratification of childhood did not have to take place, in another individual it would perhaps not have taken place or it would have turned out not nearly as profuse. We must recognize here a degree of freedom which


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can no longer be solved psychoanalytically. One is as little justified in representing the issue of this shift of repression as the only possible issue. It is quite probable that another person would not have succeeded in withdrawing the main part of his libido from the repression through sublimation into a desire for knowl- edge; under the same influences as Leonardo another person might have sustained a per- manent injury to his intellectual work or an uncontrollable disposition to compulsion neuro- sis. The two characteristics of Leonardo which remained unexplained through psycho- analytic effort are first, his particular tendency to repress his impulses, and second, his extraor- dinary ability to sublimate the primitive im- pulses.

The impulses and their transformations are the last things that psychoanalysis can discern. Henceforth it leaves the place to biological in- vestigation. The tendency to repression, as well as the ability to sublimate, must be traced back to the organic bases of the character, upon which alone the psychic structure springs up. As artistic talent and productive ability are


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intimately connected with sublimation we have to admit that also the nature of artistic attain- ment is psychoanalytically inaccessible to us. Biological investigation of our time endeavors to explain the chief traits of the organic con- stitution of a person through the fusion of male and female predispositions in the material sense; Leonardo's physical beauty as well as his left-handedness furnish here some support. However, we do not wish to leave the ground of pure psychologic investigation. Our aim remains to demonstrate the connection between outer experiences and reactions of the person over the path of the activity of the impulses. Even if psychoanalysis does not explain to us the fact of Leonardo's artistic accomplishment, it still gives us an understanding of the expres- sions and limitations of the same. It does seem as if only a man with Leonardo's child- hood experiences could have painted Monna Lisa and Saint Anne, and could have supplied his works with that sad fate and so obtain un- heard of fame as a natural historian ; it seems as if the key to all his attainments and failures


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was hidden in the childhood phantasy of the (vulture.

But may one not take offense at the results of an investigation which concede to the acci- dents of the parental constellation so decisive an influence on the fate of a person, which, for example, subordinates Leonardo's fate to his illegitimate birth and to the sterility of his first step-mother Donna Albiera? I believe that one has no right to feel so; if one considers accident as unworthy of determining our fate, it is only a relapse to the pious aspect of life, the overcoming of which Leonardo himself prepared when he put down in writing that the sun does not move. We are naturally grieved over the fact that a just God and a kindly provi- dence do not guard us better against such in- fluences in our most defenseless age. We thereby gladly forget that as a matter of fact everything in our life is accident from our very origin through the meeting of spermatozoa and ovum, accident, which nevertheless participates in the lawfulness and fatalities of nature, and lacks only the connection to our wishes and


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illusions. The division of life's determinants into the "fatalities" of our constitution and the "accidents" of our childhood may still be in- definite in individual cases, but taken alto- gether one can no longer entertain any doubt about the importance of precisely our first years of childhood. We all still show too little respect for nature, which in Leonardo's deep words recalling Hamlet's speech 'Hs full of in- finite reasons which never appeared in experi- ence!* ^ Every one of us human beings cor- responds to one of the infinite experiments in which these "reasons of nature" force them- selves into experience.

  • La natura e piena d'infinite ragione che non f urono mai in

isperienza, M. Herzfeld, 1. c. p. ii.


THE END

See also





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